Monate: Mai 2015

Allium, Iris, Akelei

Ein ganzes Beet in der Vase

… und doch nur drei Blütenstiele. Die Strauchpfingstrosen sind verblüht, die Stauden-Kollegen brauchen noch etwas. Was die Beete beherrscht sind immer noch Zierlauch, Akelei und Iris. Wenn im Garten alles im Überfluss wächst und der Blick auf die Einzelpflanze verloren geht, schneide ich mir gern einige Blütenstiele für die Vase, um dicht heranranzukommen und die Schönheit der individuellen Blume genügend zu würdigen. Im Beet sind sie eine von vielen, im Zimmer sind sie der Star. Jetzt sind es die besagten drei Hauptakteure, denen ich mit meiner Vasen-Neuerwerbung die nötige Bühne bereite. Dieser filigrane, reduzierte, aber doch stattliche Strauß ist annähernd 1.20 m hoch. Die Vase gibt die Höhe vor. Da selbst meine Allium Giganteum kaum das Gardemaß aufbringen, das für eine ausgewogene Proportion nötig ist, bediene ich mich eines einfachen Tricks: Ich wickle dicke Gummibänder um die Blütenstiele, so dass sie im Vasenhals Halt finden, auch ohne bis auf den Boden zu gehen. 15 cm im Wasser reichen völlig aus, wenn ich das Gefäß randvoll fülle. Sieht doch edel aus. Oder?

Kastanienallee

Mehr als eine Kamelie: die Gärten von Schloss Pillnitz

Zwar nicht groß, aber dennoch ein Ort der Superlative: Schloss Pillnitz. Ein Besuch ist nicht nur zur Blüte der berühmten Kamelie lohnenswert. Auch sonst im Jahr und jetzt am 30. und 31. Mai zum Pillnitzer Gartenwochenende. „Wie heiter und fröhlich“, das war mein Eindruck, als ich mich mit dem Schiff von Dresden kommend Schloss Pillnitz näherte. Das durch die geschwungenen Dächer chinesisch anmutende Palais liegt harmonisch eingefügt in die Flusslandschaft des Elbtals, umgeben von Weinbergen. August der Starke, König von Polen und Kurfürst von Sachsen, ließ es 1720-1724 nach Plänen von Matthäus Daniel Pöppelmann errichten. Damit war der Grundstein für die größte chinoise Schlossanlage Europas gelegt, und August hatte sich als Trendsetter bewiesen. Man bedenke, dass etwa das Chinesische Haus in Potsdam Sanssouci erst in den 1750er Jahren entstand oder die berühmte Pagode in Kew sogar 1762. Ein Disneyland des 18. Jahrhunderts. Beeindrucken wollte August damit vornehmlich seine „Mätresse und Gemahlin zur Linken“ Gräfin Anna Constantia Cosel, der er das Anwesen schenkte. Man stelle sich großartige barocke Feste und Vergnügungen vor. Es ist überliefert, dass …

Schmucke Häuser

Rhododendronblüte im Spreewald

Ein Ausflug ins Unesco Weltkulturerbe Spreewald ist immer lohnenswert. Und zur Blüte der Rhododendren besonders schön. Die meisten Ausflüge unternehmen wir lustigerweise im Winter. Denn ab April ist für mich Gartenwetter – egal ob es stürmt und schüttet oder die Sonne vom Himmel brennt. Da bedarf es schon besonderer Überzeugungsarbeit meiner Familie, mich aus dem Garten wegzulocken. „Rhododendron“ war das Zauberwort, und ich stieg willig in den Zug Richtung Spreewald. Sowohl mit dem Auto als auch mit der Bahn ist unser Ausgangspunkt Lübbenau in rund einer Stunde zu erreichen. Der Tag war ein Traum: das Wetter freundlich, die Luft klar, der Fährmann unseres Kahns bester Laune und eloquent, die Natur prächtig. Entspannt glitten wir durch die in Europa einzigartige, lagunenartige Landschaft. Man kann eine Ganztagestour buchen, immerhin ist das Wassernetz mit zahlreichen Kanälen rund um die natürliche Flusslaufverzweigung der Spree 970 km lang. Uns reichte eine zweistündige Fahrt, um das Typische des „ländlichen Venedigs“ zu erfahren. Der Fährmann stakte uns Richtung Lehde an vielen rund 200 Jahre alten Häusern mit hübsch gepflegten Gärten vorbei. Die …

Forsythia intermedia

Zeit für den Forsythienschnitt

Bis Juni müssen frühblühende Sträucher wie die Forsythie geschnitten sein, denn sie legen jetzt die Knospen für die Blüte in 2016 an. Ich muss mich jetzt noch schnell ranmachen, die Forsythie zu schneiden. Ich schiebe diese Arbeit schon eine Weile vor mir her, aber nun heißt es Nägel mit Köpfen oder Schere an die Triebe. Alle zwei bis drei Jahre muss nämlich ungefähr ein Drittel der stark überhängenden Triebe an der Basis raus, die ältesten Triebe mit stark verästelten Zweigpartien schneide ich sogar jedes Jahr bis zu einer kräftigen Knospe oder einem jungen, nach oben wachsenden Trieb zurück. (Auf den Bildern vom März siehst du, dass ich wirklich was tun muss, sonst wird es im nächsten Jahr zu sparrig.) Ich habe zwei verschiedene Arten im Garten, die Forsythia x intermedia, die knackig gelbe Blüten hervorbringt und straff aufrecht wächst, sowie eine Forsythia suspensa, die überhängend aufgebaut ist. Man könnte sie auch wunderbar auf eine Böschung oder an eine Mauer setzen, so wie die Engländer es gern tun. Aber in einem Schrebergarten hat man leider weniger …

Päonia Rockii

Ein Blick in den Maigarten – Akelei, Päonie und Allium

Morgens und abends kalt, mittags plötzlich heiß. Ist das noch Frühling oder schon Sommer? Der Mai ist beides. Ist das Jahr wirklich schon wieder so weit vorangeschritten? Gerade hatte ich mich doch noch nach den ersten zarten Frühlingsbildern gesehnt. Dann fast jedes aufkommende Pflänzchen persönlich begrüßt. Und nun schleicht sich der farbfröhliche Frühling schon wieder von dannen. Mein Maigarten ist sehr zurückhaltend in den Farbtönen. Das Gelb der Narzissen ist für 2015 Geschichte, die reinweißen Tulpen White Triumphator verblühen soeben. Jetzt spielen die Zierlauche die Hauptrolle. Wie Ausrufezeichen stehen sie über den laubgrünen Beeten. Die besten Erfahrungen habe ich mit Allium x hollandicum Purple Sensation (sie sät sich sehr stark bei mir aus), Allium giganteum und der weißen Sorte Mount Everest gemacht. Die teuren Globemaster hielten bei mir nur kurz, waren im zweiten Jahr schon mickrig.   Den Zierlauchen zu Füßen tanzen Akeleien durch den Garten und verdecken das gelbliche Laub der Zierlauche. Ich mag sie sehr. Sie erinnern mich mit ihrer Natürlichkeit an Urlaube in den Bergen, wo sie im lichten Schatten des Waldrandes …

Schloss Ippenburg Spiegelung

Kleine feine Gartenreise: Schloss Ippenburg

Es gibt sie dann und wann auch in Deutschland, Gärten mit einem Flair, das man eher in England vermutet. Man muss dazu gar nicht so weit reisen: Im Osnabrücker Land verzaubert Schloss Ippenburg mit seinen Gartenanlagen. In den letzten beiden Jahren hatte ich keine Möglichkeit, eine ausgiebige Gartenreise zu unternehmen. Entsprechend groß war die Sehnsucht nach Schönheit und Inspiration. Stimmungsaufhellung versprach ich mir von einem Besuch bei Viktoria von dem Bussche. Ihr Gesamtkunstwerk Schloss und Gärten Ippenburg waren die Rettung. Hierhin hatte ich immer schon gewollt. Ich blieb also in Deutschland. Osnabrücker Land. Auch nicht wirklich um die Ecke, aber das Schöne war, dass ich durch die viereinhalb Stunden Anfahrt dann doch das Gefühl hatte, in eine andere Welt einzutauchen. Mich ganz auf das Abenteuer Gartenerkundung einzulassen. Eine abgelegene Welt. Eine großartige Welt. Schon wenn du ankommst und zum ersten Mal das Schloss erblickst, bist du zutiefst beeindruckt. Der neugotische Schlossbau ist mit seinen 100 Zimmern und einer Vielzahl an Fenstern von imposanter Größe. Er wurde im 19. Jahrhundert auf den Grundfesten einer Trutzburg erreichtet …

Ein Blick hinter die Kulissen – Nominierung zum „Liebster Award“

berlingarten ist nominiert worden. Für den „Liebster Award – discover new Blogs!“. Dabei bekommen Blogger von anderen Bloggern 11 unterschiedliche Fragen gestellt. Das Ganze läuft weltweit und jeder darf fragen, was er wirklich schon immer mal vom Anderen wissen wollte bzw. was er glaubt, was die Leserschaft am Menschen hinter dem Blog interessieren könnte. Denn schließlich sind das Schreiben und Lesen von Blogartikeln im Gegensatz zu klassischen Magazinen ja doch sehr persönliche Angelegenheiten. Am Ende werden drei bis acht Blogs nominiert/weiterempfohlen, die dich hoffentlich auch interessieren, weil du ganz ähnlich tickst wie ich. Alles klar? berlingarten wurde von der charismatischen Annja Weinberger, Expertin für Akquisitions- und Marketingstrategien, nominiert. Eine Herausforderung, die ich gern annehme, vielen Dank, liebe Annja! Hier meine Antworten auf Annjas Fragen: Was ist Deine wichtigste Botschaft an deine Leser? Das Leben ist schön und wird durchs Gärtnern noch viel schöner. Denn ein Garten spricht alle Sinne an, er fordert und fördert Kreativität, lenkt ab vom Alltag, indem du dich ganz deinem Tun hingeben kannst und aufs Jetzt fokussiert. Gleichzeitig lehrt er Geduld …

Foerster-Garten: Blick zum Haus

Viel neu im Foerster-Garten in Potsdam

Warum der Garten des großen deutschen Staudenzüchters Karl Foerster in Potsdam immer einen Besuch wert ist, in diesem Jahr aber besonders. Manchmal hat man Glück, manchmal Pech. Der Foerster-Garten hatte Glück, dass es nach Wochen der Trockenheit endlich mal wieder so richtig regnete. Und ich hatte bei meinem geplanten Besuch in Potsdam: … nun ja. Aber so ist das halt mit dem Wetter, da kannst du nichts machen und musst eben anders belichten und hoffen, dass die Fotos später dennoch Lust machen, diesen großartigen Garten zu besuchen. Denn das solltest du unbedingt: Was England sein Sissinghurst, ist Deutschland sein Foerster-Garten. Ganz anders, natürlich, aber unbedingt eine Reise wert. Hier hat der bedeutende deutsche Staudenzüchter Karl Foerster (1874–1970) 1912 auf rund 5.000 qm, größer ist die Anlage nicht, einen Test-, Lehr- und Sichtungsgarten angelegt. Zahlreiche Rittersporn-, Phlox-, Astern- und Gräsersorten wurden hier getestet. Wesentlichen Anteil am heutigen Bild des Gartens hatte seit 2001 Foersters einzige Tochter: Marianne. Selbst vom Fach, begleitete sie zur BUGA die Rekonstruktion verkommener Gartenbereiche. Wer, wie ich, häufiger im Garten war, kannte sie …

Flieder

Weißer Flieder zum Muttertag

Liebe Tradition, ein kurzes Innehalten, ein schöner Gartenstrauß zum Danke sagen: Es ist Muttertag. Ich gestehe, dass ich den Muttertag mag, nicht erst, seit ich selbst eine bin. Dafür muss es nicht unbedingt der zweite Sonntag im Mai sein, es kann sich auch ein anderer Tag ergeben, wenn es individuell besser passt. Aber dem zentralen Menschen im Leben Aufmerksamkeit zu schenken, ausdrücklich Danke zu sagen, das gefällt mir. Teure Geschenke meine ich damit natürlich nicht, es zählt das Lächeln beim Überreichen, es zählt die Geste. Ein selbstgepflückter Strauß ist so eine. Wie schön, dass gerade der Flieder blüht. Und der will getrimmt werden. Sogar kräftig, damit er in Form bleibt. Er nimmt es also keineswegs übel, wenn wir ihm zu Leibe rücken und den ersten XXL-Strauß des Jahres schneiden. Einen für die Mama in Bodenvasen-Größe, einen für die Großmutter, einen für mich selbst, für die schlanke, sich nach oben weitende Vase. Sie ist perfekt für die sich neigenden, bei den gefüllten Sorten oftmals schweren Rispen. Das Blattgrün entferne ich zum Großteil, es würde die Stiele …

Meisensturzflug

Die Vögel zählen, solange es noch Gärten gibt.

Warum ich mitmache bei der Stunde der Gartenvögel. Ich werde mitmachen bei der Stunde der Gartenvögel, weil ich gelernt habe, dass jeder Moment kostbar ist in meinem Gartenleben. Wer weiß, ob es den Garten samt seiner Bewohner im nächsten Jahr noch gibt? Auf einer Großbaustelle findet noch nicht einmal eine Minute der Gartenvögel statt. Ich werde an einem der Tage vom 8. bis 10. Mai eine Stunde im Garten verbringen, ganz still und entschleunigt, und beobachten, welche Vögel bei mir zu Gast sind. Ziel der Aktion, den der NABU initiiert, ist ein deutschlandweites und möglichst genaues Bild von der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu erhalten. Dabei geht es nicht um exakte Bestandszahlen, sondern vielmehr darum, Anteile und Trends von Populationen zu ermitteln. (Was genau dahinter steckt und was du tun kannst, erfährst du hier.) Jeder Moment Kontemplation im Garten ist unendlich viel wert. Jeder Moment, an dem ich nur dasitzen kann und mich am Grün, an der guten Luft und allem, was da lebt, erfreuen. Gartenvögel. Was für ein schönes Wort. Garten. Vögel. …