Monate: Januar 2016

31. Januar 2016

12tel Blick: Freud und Leid liegen nah beieinander

Freud und Leid liegen nah beieinander, sagt man. Wie nah, kann man heute besonders gut beobachten. Während ich den ersten Gartentag des Jahres 2016 verlebe, bedeutet er für viele andere Gärtner den letzten. Bei uns heißt es, die ersten Obstbäume zu beschneiden und braune Staudenreste wegzunehmen, um den fröhlich gelben Winterlingen Platz zu schaffen. Einen Weg weiter mühen sich – wie schon seit Wochen – die Gärtner im Schweiße ihres Angesichts darum, das Hab und Gut zusammenzuklauben. Ab morgen kommen die Bulldozer. Die Sonne mogelt sich durch die Wolken, ich halte meinen 12tel Blick Richtung großes Beet im Sonnenschein fest. Hörte man nicht die Kettensägen im Hintergrund und würde einem die Trauer die Brust nicht zuschnüren, es wäre geradezu idyllisch. Vor einem Monat habe ich mich gefragt, ob ich diesen Blick überhaupt noch einmal werde fotografieren können. In der Zwischenzeit wurde so entschieden: Wer auf der „richtigen“ Seite seinen Garten hat, kann erstmal weitermachen, wer ihn auf der anderen Seite, der straßennahen hat, muss bis heute Abend für den Investor geräumt haben. 150 Gärten bleiben …

Weiße Ranunkeln mit Schleierkraut und trockenem Material aus dem Garten

Natur in der Vase mit Ranunkeln und trockenen Gräsern

Aus dem Gestrigen erwächst neues, beides ist schön. Ranunkeln und Schleierkraut in der Gesellschaft von Gräsern, Hortensien & Co. Ich habe dir heute meinen 2016-meets-2015-Strauß mitgebracht. Ich liebe ihn und hoffe, auch dir gefällt die Zusammenstellung aus dem noch immer schönen, irgendwie zart und zerbrechlich wirkenden beigen „Beiwerk“. Gräser, Hortensien, Silberblatt und die fast bronze schimmernden Samenstände der Nachtkerze: Wie viele schöne Momente habe ich letztes Jahr mit diesen Pflanzen verbracht. Aus ihnen erwächst ein zartes Gebilde in weiß. Duftiges Schleierkraut und Ranunkeln. Nur ein paar. Denn noch hat der Winter die Überhand im Garten und der Natur. Aber ein bisschen Träumen darf wohl schon sein. Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken. Ich verlinke den Strauß zum Holunderblütchen-Blog. Da sind heute Mimosen in der Vase.

Kamelienschönheit auf Stein Camellia Hybride Kyo Nishiki

Die Kameliendame

Über das Märchen, Kamelien im Berliner Freiland langfristig halten zu können. Leucantha – ein Name wie Musik. Leucantha – so sehen Träume aus: mit weißem Teint und goldenem Strahlen. Elegant und nobel, rein und doch verführerisch. Ich sah dieses Wesen auf Fotos und begehrte es auf den ersten Blick. Meine Nachforschungen ergaben: Leucantha kam aus bestem Hause und stand im Ruf „nicht zickig“ zu sein. Überdies war sie noch nicht vergeben und einer stilvollen Bleibe nicht abgeneigt. Was für eine Verheißung, mein Herz schlug schneller. Als sie in einer großen braunen Karosse mit drei goldenen Lettern bei uns vorfuhr, war alles perfekt für einen vollendeten Auftritt bereitet. Reserviert der schönste Platz im grünen Reich, bestellt der sie umgarnende Hofstaat, der ihren Glanz noch unterstreichen sollte. So zog sie bei uns ein, 140 cm vollendete Schönheit – o wie ich sie begehrte! Und was soll ich sagen: Sie erwiderte meine Gefühle. In der ersten Verliebtheit ging es ihr prächtig und das sah man ihr an. Wenn es nach uns gegangen wäre, wir wären für immer zusammen …

Schlicht und schön

Lenzrosen im Schneeball

Über eine Vase im Schneeanzug. Und zarte Lenzrosen, die jetzt drinnen verzaubern. Zu Weihnachten blühten sie schon, als würde der Frühling beginnen. Dann kamen die Barfröste, wie war das kalt mit -13°. Sollte ich Vliese verteilen oder gar Eimer über die Pflanzen stülpen? Bei der beträchtlichen Anzahl an Lenzrosen in meinem Garten würde das ein erstaunliches Bild abgeben. Wobei: Meine Nachbarn wundern sich über gar nichts mehr. Ich sagte mir jedoch: Natur ist Natur, blieb faul und vertraute auf die Kräfte dieser Spätwinterblüher. Und es ist gut ausgegangen. Ich habe zwar einige Verluste bei schon sehr weit entwickelten Blütenstielen, aber die Knospen waren allesamt unversehrt. Keine der Pflanzen ist gar erfroren. Als jetzt der nächste Kälteeinbruch kommen sollte, konnte ich die Temperaturen schon mit sehr viel mehr Gleichmut hinnehmen. Allerdings habe ich mir ein paar Stiele für die Vase geschnitten. Was unter dem Schnee niemand sieht und beachtet, wird bei mir auf dem Esstisch zur Freude. Und damit sich die Lenzrosen nicht allzu fremd fühlen, habe ich ihnen eine Vase gebastelt, die eisig, vielleicht wie …

Kleingärten Oeynhausen: verraten und verkauft

So, nun ist es also verkündet. Ein Immobilienentwickler geriert sich als nobel und am Gemeinwohl interessiert. Die Politik klopft sich anerkennend auf die Schulter und liefert der mitschreibenden Presse die Mär von hart erkämpftem Kompromiss und Bürgerwillenachtung. Sogar Kitaplätze, das klingt doch schön sozial. Ich sehe die lachenden Kinderaugen schon auf den Werbeprospekten für die 900 zu bauenden Wohnungen. Und nun soll ich als „nicht Betroffene“ dankbar sein. Wer jetzt noch etwas Kritisches anmerkt, gehört zu den ewigen Nörglern. Schließlich wurde meine Scholle doch gerettet. Was den Gärten der 150 anderen geschehen ist, ließ sich ja nicht vermeiden, es handelt sich schließlich um Privateigentum, auf dem wir gärtnern. Und überhaupt: Geld regiert die Welt. Und Berlin braucht Wohnraum. Dass wir aber die Hälfte aufgegeben haben, der Investor jedoch genauso viel bauen darf, nämlich doppelt so hoch, was ökonomisch viel attraktiver für ihn ist, fällt schnell unter den Tisch. (Bitte entschuldige, dass ich hier nicht die ganzen Hintergründe schildern kann. Sie sind so kompliziert. Wenn du magst, lies hier mehr.) Nein, danke, ich bin nicht dankbar. …

Ikebana schlicht und schön

Ikebana mit weißer Amaryllis

Ikebana bringt zur Ruhe, fokussiert auf das Wesentliche und passt ausgezeichnet in schlichtes westliches Interieur. Januar. Ruhe ist eingekehrt. Prunk und Glitzer und auch die Hektik des Dezembers sind vorbei. Das Jahr beginnt mit dem Wunsch nach Reduktion. Ich hatte da diesen Plan, Ikebana zu erlernen. Einen Kurs wollte ich belegen, du erinnerst dich, ich hatte hier darüber berichtet. Aber manchmal findet man selbst in der großen Stadt nicht sofort das richtige Angebot. Also habe ich erst einmal begonnen, mich in das Thema einzulesen: Respekt vor der Natur und den Jahreszeiten. Genaues Beobachten. Schlichtheit, ausdrucksvolle Linien, Asymmetrie, starke suggestive Wirkung. Neben dem eigentlichen Schaffensprozess spielt auch die geistige Verfassung des Gestalters eine gewichtige Rolle. Das klang wunderbar. Ikebana würde mir, gesundheitlich angeschlagen, und unseren noch weihnachtlich überladenen Räumen gut tun. Ich wollte mich an einem Strauß im Nageire-Stil versuchen. Nageire sind Arrangements, die in hohen Gefäßen gestaltet werden. Sie wirken sehr frei, wörtlich übersetzt heißt Nageire „ins Gefäß geworfen“. Das passt natürlich gut für eine blutige Anfängerin und Autodidaktin wie mich. Die Zusammenstellung der Pflanzenstiele …

Kleiber als Artist

Stunde der Wintervögel

Vom 8. bis 10. Januar heißt es Vögel zählen in unseren Gärten uns Parks. Erfreuen an den witzigen Tieren gleich inklusive. Wenn wir in den Garten kommen, gucken wir besonders im Winter zuerst nach unseren Vögeln. Und sie nach uns. Vor allem nach dem Gartengemahl. Zwischen ihm und Herrn Rotkehlchen besteht ein inniges Verhältnis. Anfänglich dachte ich: Bei dem piept’s wohl, als er mir mit verschwörerischer Mine zuraunte, dass das Rotkehlchen sehr an ihm interessiert sei. (Kam mein Mann irgendwie zu kurz? Brauchte er mehr Aufmerksamkeit?) Aber dann musste ich bestätigen: Das kleine Wesen da hüpft und flattert dem stattlichen Mann tatsächlich hinterher. Und guckt mit seinen schwarzen Kulleraugen und schief geneigtem Kopf, was der wohl tut. Dass ich diejenige bin, die hauptsächlich für Futter sorgt, scheint mich in Rotkehlchenaugen nicht aufregender zu machen. Im Sommer ist dieser Vogel übrigens nicht bei uns im Garten. Viele Vögel ziehen umher und suchen sich je nach Temperatur unterschiedliche Lebensräume. Daher erscheint es mir durchaus sinnvoll, zweimal im Jahr für jeweils eine Stunde unsere Vögel zu zählen: in …

Ranunkeln und Freesien

Neujahr zelebrieren

Wie viel wird über Silvester geschrieben. Wie häufig soll man bezeugen, wie man ins neue Jahr feiert. Der Neujahrstag hingegen verschwindet hinter Müdigkeit und Kopfschmerztabletten. Gehörst du wie ich zur Fraktion Freunde, Fondue, Fernseh-Countdown, gibt es für Neujahr verschiedene Möglichkeiten: Eine ist, dass du das noch chaotische Esszimmer gar nicht erst betrittst und auf deine Mitbewohner hoffst. Stattdessen dich sofort vom Bett zum Sofa begibst und den ersten Tag der Gute-Vorsätze-Zeit mit dem 12-Uhr-Neujahrskonzert samt Wiener Walzer, Skispringen, Doris Day und Traumschiff mehr verbringst, denn verlebst. Und der Pizza-Service will ja auch leben. Die Alternative ist: Den Feiertag zelebrieren. Nach dieser Blog-Lektüre 🙂 zuerst im Kühlschrank aufräumen: Was gibt’s da an Säften, Obst und Grünzeug? Rein in den Mixer – einen Smoothie wolltest du dir doch schon immer mal selbst machen. Dann ein Wannenbad: Du hast doch bestimmt noch eine dieser schicken Badekugeln, die du dir schon ewig für den richtigen Moment aufsparst. Und: Sind die Luftschlangen erst weggeputzt, ist gleich Platz für frischen Wind. Der (Friteusen-)Mief von 2015 muss raus, ein Teil des Weihnachtskrams …