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Brittas Garten

Üppige Kästen

La Dolce Vita in Brandenburg. Best-Practice der Topf- und Kübelgärtnerei. Der schönste Rasen, den es jenseits von Golfanlagen gibt. Das alles ist Brittas Garten. Und hier sind ihre ganz persönlichen Tipps.

Am Tag von Brittas Geburt wurde gerade Lebensfreude verteilt. Und Fleiß. Das Ergebnis ist ein ganz besonderer Garten im Norden Berlins. Als ich ihn per Zufall letztes Jahr kennen lernen durfte, war es sofort mein Wunsch, mit der Kamera wiederkommen zu dürfen.

Britta

Britta

Und nun sitze ich bei Britta auf der Terrasse, die an die Küche grenzt, und lasse den Zauber dieses Ortes auf mich wirken. Britta ist wie immer bestens gelaunt. Das kann sie auch sein, denn nicht nur sie strahlt, sondern auch die Sonne und die bunten Blumen in den wunderschönen Kästen. Wie in Italien fühle ich mich. Haus und Garten passen im südländischen Stil perfekt zusammen. Hier wird hauptsächlich im Freien gelebt. Britta war schon immer ein Draußen-Kind, das das ganze Jahr über im Schrebergarten verbracht hat.

In ihrem eigenen Haus war es also naheliegend, einen schönen Platz direkt zur Küche hin anzulegen, um möglichst alle Mahlzeiten draußen verbringen zu können. Die Idee hierfür war so einfach wie ungewöhnlich: Nicht eine Hecke wurde gepflanzt, sondern eine Mauer errichtet.

Upps. Eine Mauer? Ja. Aber sie ist nicht etwa dunkel und einengend, sondern ist im Gegenteil Hauptzutat für den kommunikativen Treff- und Sammelpunkt der Familie: hell verputzt, nicht zu hoch, eine großzügig bemessene Bank ist gleich integriert, sodass hier gegessen, entspannt und gefläzt werden kann. Und in einem Blütenmeer gebadet. Denn als Krönung sind auf der Mauer rundherum Pflanzkästen angebracht.

Blütentraum in Töpfen und Kästen.

Im Mai geht es los. Britta bereitet ein Pflanzsubstrat aus einem Teil Erde vom Vorjahr, einem Teil torfhaltiger Erde und einem Teil vorgedüngter Blumenerde vor. Hornspäne gehören unbedingt dazu. Auf den Kübelboden kommt eine anständige Schicht Seramis, damit es einerseits nicht zu Staunässe kommt, andererseits Feuchtigkeit gehalten wird.

Bei der Auswahl der Pflanzen schwört Britta auf die Minipetunien (Zauberglöckchen Calibrachoa), sie sich selbst putzen und an sonnigen Standorten üppig blühen. Dazu kombiniert sie Strukturpflanzen wie Gräser, kleine Koniferen oder Blattschmuckbegonien.

Bleibt die Frage nach dem Wassebedarf. Da sind wir beim Fleiß: Britta steht im Sommer um 5:30 Uhr auf und gießt je nach Hitze zwischen einer halben und anderthalb Stunden. Abends kommen nochmal anderthalb Stunden dazu, jetzt im August ab und zu mit Flüssigvolldünger  versetzt (8+8+8, enthält alle Hauptnährstoffe). Der sorgt für üppiges Blattwerk und Blütenflor. Was verblüht ist und nicht von allein abfällt, wird abgeschnitten; konsequent. Nur so produzieren die Pflanzen laufend neue Blüten.

(Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken.)

Brittas Pflanzen-Tipp: Canna

Stolz zeigen mir Britta und ihr Liebster (der keineswegs nur eine Nebenrolle in diesem Garten spielt, wie er anfänglich behauptet) ihre Canna. Die sind nämlich aus dicken schwarzen Samen selbst gezogen. Und die wiederum haben sie von ihren Canna des letzten Jahres selbst geerntet.

Cannasamen

Cannasamen, im letzten Jahr selbst geerntet

Da die Samen überaus hart sind, wurden sie angeschliffen, über Nacht gewässert und bereits im Februar im Haus ausgesät und vorgezogen. Und nun sorgen sie durch ihren aufrechten Wuchs für Spannung in den Kästen.

Rasen wie im Golfclub.

Die gute Nachricht: Es ist möglich, einen perfekten Rasen zu besitzen. Sattgrün, dicht, kräftig und gleichzeitig weich unter den Füßen. Ohne Wildkräuter-Beimischung.

Die schlechte Nachricht: Du musst raus aus dem Liegestuhl. Und dir einen Mulchmäher kaufen. (Mit ihm bleibt der Rasenschnitt liegen und schützt den Boden.) Mit dem schneidest du dann, wie Britta, zweimal die Woche das Gras. Immer und ohne Ausreden. Krank oder faul oder im Urlaub sein gilt nicht. Wichtig ist, dass die Sonne nicht mehr scheint, sodass die Halme nicht verbrennen. Die Länge sollte nicht zu kurz sein (3,5 bis 5 cm), damit es nicht zu Trockenheitsschäden kommt. Und an Leckerli beliebt der Rasen eine Düngung nach dem Vertikutieren Ende April, dann Ende Juli sowie eine spezielle Herbstdüngung mit einem entsprechenden Produkt Ende September. Britta gießt selbst bei Hitze nur alle zehn Tage, dann aber stundenlang, damit der Rasen „nicht zu verwöhnt“ wird.

Das klingt nach Sklaverei? Ist es auch. Aber das Ergebnis ist atemberaubend! Und wenn man auf diesem Teppich Yoga macht wie Britta, ist es doch nur die im wahren Sinne Grundlage für Entspannung und Wohlbefinden.

Brittas Rasen

Fleißarbeit pur: Brittas wunderschön flauschiger Rasen

Raum für kreative Ideen.

Schon das Haus ist ja irgendwie anders. Italien im Brandenburgischen. Innen alles offen, in warmen Farben, einladend. Ausgefallen sind auch die Ideen rundherum.

Typisch für ein Draußen-Kind ist eine Draußen-Dusche. Wenn es warm und sommerlich ist, bietet ein altes metallenes Bettgestellt den würdigen Rahmen für eine Outdoor-Erfrischung. Privatheit stellen Rankpflanzen her (na ja, halbwegs wenigstens). Sie akzeptieren das Gestell, als wäre es ein Baum im Dschungel. Angesichts der Hitze bei unserem Besuch war ich glatt ein bißchen neidisch bei dieser Vorstellung morgendlicher Erfrischung.

Praktisch und schön ist das Fahrrad-Versteck. Es gab in letzter Zeit einen wahren Hype um kreative Ideen um Europaletten. Hier geben die hölzernen Tausendsassa eine Vorstellung als Kaschierung des Fahrradständers. Künstlerisch bemalt sind sie eine echte Augenweide.

Eins drauf setzt da noch die „Chill out-Lounge“ auf der westlichen Terrasse am Wohnzimmer. Wer hier fernsehen kann, braucht keine anderen Open Air-Veranstaltungen mehr. Paletten-Recycling at ist best. Schaut euch einfach die Fotos an, so geht coole und großzügige Möblierung einer riesigen Terrassenfläche.

Das Schönste: die Begeisterung.

Tipps und Tricks und sonst was: Das Wichtigste bleibt die Einstellung, die ich hier erlebt habe. Von Britta könnte so mancher lernen, nicht nur nach Perfektion zu streben, sondern die Früchte der Arbeit auch zu genießen. In Brittas Garten wird schnell klar: Von nichts kommt nichts. Aber am Ende des Tages ist die Gärtnerin dann auch wirklich happy mit ihrem Werk, freut sich „nen Kullerkeks“ und ist ganz eins mit sich und ihrem Refugium. Bewundernswert.

 

10 Kommentare

  1. Du hast recht, es kommt mediterrane Stimmung auf, wenn ich diese Fotos sehe. Du hast auch ein wunderschönes Licht für die Fotos erwischt. Da hat sich Britta wirklich eine sehr dekorative Welt geschaffen und viel Geschmack bei einer stimmigen Pflanzen( farben) auswahl bewiesen. Und auf so einem samtigen Rasen barfuss zu schreiten ist sicher auch ein Erlebnis…. Carola zerlegt das ganze Ambiente gleich ohne zu zögern ;-)….ich bleibe da mal lieber vorsichtig und wundere mich, dass Britta als Draußen-Kind so wenig Augen hat für die Tierwelt, die ‚Wildkräuter‘ im Rasen lieben würden und auch anderswo.
    Der Garten ist sicherlich noch nicht so alt, oder? Das ökologische kann ja noch kommen….aber beim Yoga im Garten würde ich auch sofort mitmachen wollen.
    LG
    Sisah

    • Berlingärtnerin sagt

      Ich glaube, der Garten ist fünf Jahre alt. Zeit genug für Pollenflug 😉
      Die Tiere werden sicher auch in Zukunft mit den Stauden und Zweijährigen (es gibt eine riesge Digitalis-Ecke) vorlieb nehmen müssen. Beim Rasen kennt der Mulchmäher kein Pardon.

      Hab einen schönen Tag, liebe Sisah!

  2. ach, es ist wie immer . . .
    rasen, grün und satt und sommerblüher zum wegwerfen . . . sieht alles wunderschön aus – ist aber alles andere als „natur“.
    ich kenne solche grünen rasenmonster auch bei anderen – und ich weiß um den preis der arbeit die dahinter steckt aber auch um die bodenzerstörung.
    da wundern sich die stolzen rasenbesitzer nämlich dass die clematis die im anschließenden beetrand stehen nicht wachsen wollen und sind stolz auf die ebenfalls im beetrand wachsenden riesen funkien die „gaaar keine düngung “ brauchen . . .
    jede medaille hat zwei seiten.
    schön anzugucken ist es ja trotzdem, wenns auch nicht im geringsten ökologisch ist.
    nachhaltiges gärtnern geht eben anders.

    nix für ungut, ich habe da eine grundsätzlich andere einstellung.

    • Berlingärtnerin sagt

      Hallo Carola,

      Danke für dein Feedback! Ja, so sind die unterschiedlichen Stile. Und Haltungen. Ich selbst bin ja auch eine Staudengärtnerin, bewundere aber bei anderen Konzepte, die mit anderen Zielen angelegt wurden. Den Bienen haben Brittas Kästen übrigens sehr gefallen 🙂 Und es gibt Staudenbeete rundum, die Topfgärtnerei ist „on top“.

      Beste Grüße!

  3. Antje und Dietmar sagt

    Das „Sommerwohnzimmer“ ist traumhaft und man kann sich „nen Kullerkeks“ daran freuen so etwas zu besitzen. Laßt Euren Ideen weiter freien Lauf, sie sind super.

    • Berlingärtnerin sagt

      Das stimmt. Und es ist ja das Schöne am Gärtnern, dass man tatsächlich beobachten kann, was aus seiner Arbeit wird. Liebe Grüße!

  4. toll super kommentar . in natur zu sehen einfach traumhaft .
    eine idydille pur und dazu die gesamte kleine familie ,die alle einen glücklichen
    eindruck machen . weiter so und jeden morgen geht die sonne auf auch wenn es mal trüb
    ist .
    gartenarbeit bringt entspannung und befreit von den alltagssorgen ,die in jedem haus sind .

    • Berlingärtnerin sagt

      Schön, dass dir der Artikel gefällt, das freut mich! Eine schöne Einstellung, dass die Gartenarbeit ja eigentlich Gartenentspannung ist.

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