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Die Kameliendame

Kamelienschönheit auf Stein Camellia Hybride Kyo Nishiki

Über das Märchen, Kamelien im Berliner Freiland langfristig halten zu können.

Leucantha – ein Name wie Musik. Leucantha – so sehen Träume aus: mit weißem Teint und goldenem Strahlen. Elegant und nobel, rein und doch verführerisch. Ich sah dieses Wesen auf Fotos und begehrte es auf den ersten Blick. Meine Nachforschungen ergaben: Leucantha kam aus bestem Hause und stand im Ruf „nicht zickig“ zu sein. Überdies war sie noch nicht vergeben und einer stilvollen Bleibe nicht abgeneigt. Was für eine Verheißung, mein Herz schlug schneller.

Camellia Leucantha

Camellia Leucantha

Als sie in einer großen braunen Karosse mit drei goldenen Lettern bei uns vorfuhr, war alles perfekt für einen vollendeten Auftritt bereitet. Reserviert der schönste Platz im grünen Reich, bestellt der sie umgarnende Hofstaat, der ihren Glanz noch unterstreichen sollte.

So zog sie bei uns ein, 140 cm vollendete Schönheit – o wie ich sie begehrte!

Und was soll ich sagen: Sie erwiderte meine Gefühle. In der ersten Verliebtheit ging es ihr prächtig und das sah man ihr an. Wenn es nach uns gegangen wäre, wir wären für immer zusammen geblieben.

Glänzendes Grün: Leucantha im Sommer

Glänzendes Grün: Leucantha im Sommer

Jedoch: Es drohte Gefahr. Gevatter Frost spielte uns übel mit. Drei Jahre kämpften wir gegen seine Kaltherzigkeit an. Vergebens. Meine Liebste wurde über die Jahre kränklich, ihre Schönheit schwand. Sie starb an einem kalten Januartag. Mein Herz war schwer.

Die tröstliche Moral vom traurigen Märchen der in Berlin (doch nicht) winterharten Kamelie ist, dass ich durch sie zu der Erkenntnis kam, das Individuum in einer jeden Pflanze zu achten. Und ihre wahren Ansprüche anzuerkennen. Mir einzugestehen, dass ich nicht jedem Wesen den ihm gebührenden Lebensraum bieten kann. Nun gibt es keine weiteren qualvoll endenden Feigen- oder Säckelblumenromanzen.

Leucantha im Schneeanzug

Leucantha im Schneeanzug

Solange ich keinen kühlen Wintergarten habe, genieße ich Kamelien jetzt in den Gewächshäusern der botanischen Gärten. Gleichwohl kann ich mich eines Seufzens nicht erwehren, angesichts dieser unerreichbaren Pracht und Schönheit.

Wer es dennnoch mit Kamelien im Garten versuchen möchte – vielleicht hast du bei dir ja milderes Klima als wir in Berlin – dann sei dir der Fachbetrieb Fischer in Wingst ans Herz gelegt. Die Auswahl an Pflanzen und die Beratung, die ich dort erfahren habe, sind einmalig. Nur milde Winter haben sie leider nicht im Programm.

Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken.

16 Kommentare

  1. jogi sagt

    Hallo Xenia,

    mein Leiden ist noch nicht vorbei und schweren Herzens hoffe ich auf ein Wiedersehen im Frühjahr mit meinen geliebten Schönheiten. Auf saurem Boden im lichten Schatten eines Kiefernhochwalds mangelt es ihnen eigentlich an nichts, außer…
    naja, so ein leichtes Vlies-Tutu war vielleicht etwas dünn für diesen Winter, da holt man sich gerne ne Erkältung. [seufz!]

    Aber ich will mich bessern und Buße tun: Häuschen bauen, jawoll!
    Ein, zwei, nein: acht mobile „Glaspaläste“ für meine Prinzessinnen und Prinzen, vielleicht sogar die Luxusversion mit „Heizung“, sofern sich die lichtemmitierenden kleinen Glaskolben noch auftreiben lassen. Da muß ich doch sofort ein paar Skizzen machen, und dann gleich… [kram, rödel]

    Wenn doch nur die garstige Jahreszeit schon vorbei wäre – oder kommt da schon das nächste frostige Russland-Hoch? [schluck!]

    lg, j.

    • Berlingärtnerin sagt

      Das sind ja hochtrabende Pläne [staun]. Aber sehr lobenswert [klatsch]!!!

      Musst dann mal von deinen Erfahrungen berichten [vorfreu].

      Danke für deinen hübschen Kommentar! Beste Grüße!

  2. hallo Xenia
    hab mich sehr über deinen Kommentar bei mir gefreut und grüble nun die ganze Zeit, welchen Blumenladen du meinst, da ich mich eigentlich in der Altstadt gut auskenne. Kannst du mir evtl erklären wo dieser Laden war?
    LG Siglinde

  3. Liebe Xenia,
    das ist es sehr schöner Beitrag, und ich gestehe, dass ich auch immer mal wieder mit dem Gedanken spiele. Nun könnte es im Rhein-Main Gebiet vielleicht sogar funktionieren. Aber so richtig habe ich mich noch nicht rangetraut. Es soll aber in Frankfurts Innenstadt einen regelrechten (privaten) Kameliengarten geben. Das habe ich jedenfalls gelesen. Zur Zeit ist im Palmengarten wieder Kamelienschau. Vielleicht guck ich da mal vorbei 🙂 Wenn ich deine tollen Fotos sehe . . . . . .
    Herzliche Grüße
    Elke

    • Berlingärtnerin sagt

      Danke für deine lieben Zeilen, Elke. Bei dir könnte es tatsächlich klappen. Von Leuten in Wiesbaden habe ich gehört, dass es mit gutem Winterschutz funktioniert.

      Wenn du aus dem Palmengarten kommst, bringst du sicher schöne Fotos mit, ich bin gespannt 🙂

      Privater Kameliengarten? O den müsstest du uns mal erkunden!

  4. Liebe Xenia

    Sehr schöne, wenn auch traurige Geschichte… es kommt manchmal eben nicht nur auf die Ortschaft/Region an. Wir wohnen am Fuss eines Hügels, bei uns blüht alles 2-4 Wochen später als nur 30m weiter unten in der Parallelstrasse. Bei uns liegt noch Eis und Schnee, dort sind schon die ersten Frühjahrsblüher. Kleinstklimazone…
    Aber wie schön ist doch der Anblick und die Freude, wenn wir solche Kostbarkeiten wie deine Kamelie, dann in einem für sie angenehmen Umfeld entdecken und geniessen dürfen.

    Sei lieb gegrüsst Manuela

    • Berlingärtnerin sagt

      Hallo Manuela, es freut mich sehr, von dir zu lesen! Du hast natürlich recht, dass schon das Kleinstklima entscheiden kann. Und tatsächlich schaue ich manchmal sehnsüchtig und mit langem Hals über andere Gartenzäune und denke: Warum trödeln meine Blümchen nur wieder so rum. Hier hingegen, alles üppig…

      Und in vielen Teilen der Schweiz stelle ich mir die Unterschiede noch deutlich krasser vor als bei uns im preußischen Flachland 🙂

      Beste Grüße!

  5. Ach, das hast du so schön geschrieben…da merkt man richtig, wie du sie geliebt hast. Na ja…Freiland habe ich natürlich hier in Freiberg gar nicht erst versucht. Aber trotzdem habe ich zwei sächsische Exemplare bei mir stehen, die durchaus manchmal blühen. Warst du schon mal in Pillnitz? Das ist für mich ein Traum…hab im März letzten Jahres mal darüber geschrieben. Ich glaube, irgendwann werde ich schwach und kaufe mir doch noch einen Ableger. Wir haben wenigstens einen ungeheizten hellen Raum, wenn auch kein Wintergarten.
    LG Sigrun

    • Berlingärtnerin sagt

      Deinen Artikel werde ich heute mal lesen. Ich war im Mai dort und habe mir das Orachtstück in Grün angeschaut. Samt fahrbarem Monsterwintergarten.

      Ich werde nicht wieder schwach. Das Jahr für Jahr kümmerlicher werden eines eigentlich Riesenstrauches hat mich fertig gemacht.

      Liebe Grüße nach Sachsen! (Bleibst du doch?)

  6. Das nehme ich dir nicht ab, dass du einem Märchenerzähler aufgesessen bist. Ich möchte wetten, du hast dich vorher genau über die Risiken informiert hast, die eine Kamelienkultur mit sich bringt. Das zeigt schon, wie sorgsam du sie für den Winter verpackt hast und vorher sorgfältig die Sorte ausgesucht hast.
    Mich würde eher interessieren, welches Bedürfnis der Pflanze- und Kamelien haben diverse- eben nicht erfüllt werden konnte, denn eigentlich hält C. japonica durchaus die Minusgrade aus, die in der Berliner Innenstadt diesen Winter geherrscht haben.
    LG
    Sigrun

    • Berlingärtnerin sagt

      Natürlich habe ich mich bestens informiert. Schließlich habe ich ein Vermögen ausgegeben, liebe Sisah. Und Herr Fischer Junior hat mir in zwei Telefonaten haarklein dargelegt, was die Gute braucht:
      1. schon ein großes Freilandexemplar mit ausgereiften Zweigen kaufen
      2. heller Standort ohne (!) pralle (Mittags- oder Spätwinter-)Sonne
      3. Rhododendronerde
      4. Dünger nach der Blüte bis Mitte Juli, wenn die neuen Knospen gebildet werden
      5. konsequenten Winterschutz, gießen nicht vergessen.

      Und es stimmt: Es muss nicht gleich die ganze Pflanze sterben. Aber wenn alle Knospen und nach und nach die Triebspitzen erfrieren, macht es auch keinen Spaß. Und am Ende ist ein -15 bis -18 Grad Winter wie immer mal wieder in Berlin gegen die Natur der Kamelie. (Leucantha ist im vorletzten Winter eingegangen.) Freunde in Bonn, direkt am Rhein, dagegen schaffen es mit einigem Aufwand, ihre Kamelie im Garten zu überwintern.

      Aber: Als ich die Exemplare in Cornwall gesehen habe – ganze Urwälder – war mir endgültig klar: Ich will da was, das einfach nicht passt.

      Liebe Grüße!

  7. Liebe Xenia,
    ja, es ist schade, dass bei unserem Klima nicht alles gedeiht.
    Aber vielleicht ist das auch gut so, sonst würde es womöglich auf der ganzen Welt gleich ausschauen.
    herzlich Judika
    P.S. Ich habe meine Freundin gefragt. Die bunte Vase in meinem letzten Post hat sie bei Tedox gekauft, eine Marke steht nicht auf der Vase.

    • Berlingärtnerin sagt

      Hallo Judika, das ist ein interessanter Aspekt. Also konzentrieren wir uns auf das, was freudig bei uns wächst!

      Mal gucken, ob ich die schöne Vase aufgetrieben bekomme 🙂

      Schöne Grüße!

  8. Dem, liebe Xenia, kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Ich hatte sie auch einige Jahre, etliche davon auch aus Wingst, die restlichen aus einer Spezialgärtnerei in Holland. Ich hielt sie in großen Kübeln, war völlig hin und weg. Es ging auch eine Zeitlang gut. Aber dann… Zum Schluss war ich gar nicht traurig, dass das Elend ein Ende hatte. Irgendwann habe ich beschlossen, mein Geld nicht für Raritäten zu verplempern, die auf Dauer in meinem Garten keine Überlebenschance haben, von gelegentlichen Ausnahmen einmal abgesehen: den ganzen Winter über blüht Enzian in meinem Vorgarten. Liebe Grüße Edith

    • Berlingärtnerin sagt

      Edith! Enzian! Und sofort könnte ich wieder schwach werden. Welche Sorte denn? In welchem Boden? Ich habe mehrere Enzian-Pleiten hinter mir 😉

      Beste Grüße, du Leidens- und Erkenntnisgenossin!

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