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England: Lust und Tücke einer Gartenreise

Weißer Garten Sissinghurst

England – sagenhaftes Gartenland, Ziel aller botanischen Sehnsüchte! Hast du auch schon mal daran gedacht, eine Gartenreise dorthin zu unternehmen? Dann blättere mit mir in meinem Reisefotoalbum. Dies ist der Start meiner Erzählungen von einem Trip der Glücksgefühle. Und der Kuriositäten einer organisierten Tour.

Nun bin ich schon eine Woche wieder zu Hause, habe aber immer noch nicht angefangen, meine Erlebnisse zusammenzufassen. Zu überwältigend waren die Eindrücke, zu vielfältig die Anregungen, zu verheddert meine Gedankengänge, wie ich dir wohl die verschiedenen Themen am besten nahebringen kann. Zu gewaltig die Fotomengen. Meine Speicherkarte – und die ist schon mega-giga – platzte aus allen Nähten, sodass ich unterwegs eine weitere erwerben musste.

Aber nun fange ich einfach mal an und verarbeite meine eigene Reise Stück für Stück. Work in progress wie der liebgewonnene Inselbewohner sagen würde.

Für Linksverkehrmuffel: eine organisierte Tour.

Warst du schon mal auf einem Gartentrip? In England? Als Individual- oder Gruppenreise? Ich entschied mich für eine organisierte Tour. Ich kann zwar großartig einparken, aber bei der Vorstellung Linksverkehr im Mietwagen hatten meine Finger wie von selbst bei Google den Suchbefehl „Organisierte Gartenreise England hohes Niveau Wisley Sissinghurst Hidcote“ eingegeben. Außerdem war ich vor ein paar Jahren schon mal mit Ravenala, einem Spezialanbieter für botanische Reisen, in den Gärten Kents und Cornwalls unterwegs, woran ich beste Erinnerungen hatte. Nun fand ich eine Tour des Generalisten Studiosus, die Wisley, Sissinghurst und Hidcote beinhalten sollte und die wir dann auch kurzerhand buchten.

Rosengarten in Wisley

Der Garten der Royal Horticultural Society: Wisley.

Wer macht denn solche Gartenreisen?

26 Garteninteressierte aus Deutschland und der Schweiz, ein deutschsprachiger Reiseleiter sowie Busfahrer Tony sollten nun also die nächsten zehn kostbaren Urlaubstage miteinander verbringen. Schon auf dem Flughafen äugte ich umher, wer wie ein gärtnernder Mensch aussähe, wer wohl zur Gruppe dazugehören könnte. Ich kann schon mal sagen: Damen mit Strohhüten und Blümchenblusen waren keine dabei. Rosamunde-Pilcher-Filme taugen nicht mehr als Inspiration für den Kleidungsstil, eher die aktuelle Globetrotter-Werbung. Zusammen fanden sich zahlreiche Ehepaare jenseits des Renteneintrittsalters, ergänzt durch einige allein Reisende und ein paar wenige weitere Paare, mit denen ich – immerhin auch schon weit in den Vierzigern – den Kindertisch hätte bilden können.

Aber: Zur Separation bestand überhaupt kein Anlass, denn wie schon bei meiner Reise zuvor scheinen Gartenfreaks auf einer Wellenlänge zu schwimmen, egal wie alt sie sind oder ob sie aus Nord-, Ost- oder Süddeutschland kommen. Das gemeinsame Interesse schafft den schnellen, guten Draht. Vielleicht sind auch deshalb so viele Singles dabei und Menschen, deren Partner keine Lust auf Gartenbesichtigungen haben, die sich aber dennoch nicht bremsen lassen und alleine fahren. Oder zwei Gartenfreundinnen. Oder, wie in meinem Fall, Mutter-Tochter-Konstellationen. Aufgeschlossen, gebildet, körperlich fit – so würde ich meine Mitreisenden beschreiben. Und diszipliniert. Gar nicht mal so unwichtig bei einer Tour, bei der es auch um Pünktlichkeit und Rücksichtnahme geht.

Groombridge Place

Flora meint es gut mit England. Hier in Groombridge Place.

Vor- und Nachteile.

Bist du mit einer organisierten Tour unterwegs, dann brauchst du dich um nichts mehr zu kümmern. Die Strecke ist ausgearbeitet, die Hotelzimmer an den verschiedenen Stationen sind reserviert, ein freundlicher Busfahrer kutschiert dich mit Routine durch die engen Straßen Englands. (Ich hatte schon ganz wieder vergessen, dass man dort hunderte von Kilometern auf Routen fährt, die so ausgebaut sind, wie bei uns nur einspurige Zone-30-Straßen.) In alle Gärten kommst du hinein, ohne anstehen zu müssen! Morgens schlägst du dir am Buffet den Bauch voll, abends gibt es stets drei Gänge. Du wirst ans Händchen genommen, findest dich überall zurecht. Das klingt entspannt, oder? Ist es auch.

Nun wartest du auf das große Aber, und du kriegst ein kleines. Denn natürlich hat alles Durchgeplante auch seine Schattenseiten: den Wecker im Urlaub zum Beispiel. Den Zwang zur German Pünktlichkeit, damit auch wirklich alle 26 Personen rechtzeitig im Bus sind. (Und sie waren es.) Toilettieren, wie unsere Reiseleiterin bei Ravenala zu sagen pflegte, nur bei passendem Zwischenstopp. Vorgebuchtes Abendessen in zwar sehr guten Hotels, die dennoch nicht dazu beitragen, das Klischee der mittelmäßigen, nur eine Soße kennenden englischen Küche zu revidieren.

Eins zwei drei im Gänsemarsch.

Durch die Gärten ging es stets erst einmal als geführter Rundgang. Bogen wir links ab, während die Gruppe nach rechts ausschwärmte, kamen wir uns schon ganz schön verwegen vor. Wir alle hatten Öhrchen auf. So nannte der Reiseleiter die kleinen Kopfhörer, die jeder von uns bekam und mit denen wir seinen Erläuterungen besser und auch aus einiger Entfernung folgen konnten. Im Prinzip eine gute Idee. Allerdings bedingen Erkenntniszuwachs der Gruppenmitglieder und Qualität der Reiseleiteräußerungen einander. Hatten wie es bei Ravenala noch mit einer sehr kundigen Führerin zu tun, die ausgebildete Gärtnerin, verheiratet mit dem Chief-Gardener eines bekannten Anwesens und wohnhaft in England war, verblüffte der Studiosus-Mitarbeiter durch botanische Einfältigkeit. Keine Frage, er hatte anscheinend selbst einen Garten und war auch schon häufig vor Ort gewesen, seine Ausführungen ähnelten jedoch denen eines Fußballkommentators: Er beschrieb, was er sah, las die natürlich auch uns durchaus sichtbaren Pflanzenetiketten vor und ließ einen Klangteppich ohne Punkt und Komma in das Mikro wabern.

Die Gartenbeschreibungen, die tatsächlich Hand und Fuß hatten und als Hintergrundwissen wertvoll waren, stammten in der Regel nicht von ihm, sondern waren Texte anerkannter Literaten oder Reisejournalisten, die er uns auf den Busfahrten zur Einstimmung vorlas. (Über Land und Leute, Städte und Dörfer fühlte ich mich von ihm allerdings vernünftig informiert.)

Fazit und Empfehlung.

Egal: Du bist milde gestimmt, wenn dich der Zauber der Gärten umfängt. Wenn das individuelle Stromern durch die paradiesischen Anlagen beginnt, du die Öhrchen abdrehst und die großartige Kulturleistung auf dich wirken lässt.

Dass wir uns ganz auf die Gärten konzentrieren konnten, machte alle Einschränkungen wett. Dass wir so viel erleben konnten: die Natur von den fruchtbaren Landstrichen Kents, die noch zu spürende Grandezza Brightons, die beeindruckende Kathedrale Salisburys und die zum Shopping einladenenden Geschäfte, die Ehrfurcht einflößende Universitätsstadt Oxford, die malerischen Hügel und Dörfer der Cotswolds. Eine weite Tour durch den gesamten Süden Englands. Und vor allem besichtigten wir zwei gärtnerische Highlights am Tag, einen Garten und einen Park – perfekt aufeinander abgestimmt. So viel zu sehen – und ohne dass es ermüdet – das bekommst du selbst organisiert nicht hin.

Ich kann also nur jedem empfehlen, so eine Reise einmal auszuprobieren. Am besten genau zu dieser Jahreszeit, wenn die Rhododendren noch blühen und die Rosen schon. Du wirst es nicht bereuen. Kannst ja vorher die Vita deines Reiseleiters googeln 😉

Die Fortsetzung über die einzelnen Gärten mit hoffentlich vielen Anregungen auch für deinen Garten folgt. Und natürlich freue ich mich ganz besonders über deine Kommentare. Vielleicht hast du in England ja auch schon so einiges erlebt?

Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken.

18 Kommentare

  1. Hallo Xenia,
    so eine Gartenreise nach England würde ich auch mal unternehmen…..wenn die jungen Männer nicht mehr mitfahren und der Urlaub außerhalb der Ferien liegen kann.
    Besonders zauberhaft finde ich das Foto von der Kletterrose über dem Torbogen!
    Bestimmt hast Du auch viele, viele Fotos, die nun sortiert werden wollen?
    Ich freu mich jedenfalls schon auf die Berichte über die einzelnen Gärten!
    Rosige Sommergrüße sendet Christine

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Christine,

      oh ja, viele Fotos sind es geworden, die aber alle brav sortiert sind. Mit dem Schreiben der einzelnen Berichte gehe ich es entspannt an und haushalte mit meiner Zeit, damit mich mein realer Garten auch zu Gesicht bekommt 🙂

      Mit den Ferien-Urlaubszeiten sprichst du ein leidiges Thema an. Auch für mich bedeutet so eine Reise ein Ansparen von kostbaren Urlaubstagen, die an anderer Stelle fehlen.

      Als ich mal in Cornwall war, habe ich allerdings gedacht, dass da eine Mischung aus Bade-und Gartenurlaub sehr gut möglich wäre. Auch im Hochsommer!

      Beste Grüße!

  2. Ach, wie schön, liebe Xenia! Das stimmt mich jetzt schon auf unseren nächsten Südenglandurlaub im September ein! Wir fahren wieder einmal auf eigene Faust, haben aber schon einen genauen Plan, was wir alles besichtigen wollen. Sissinghurst, Stourhaed, Sheffield, Salisbury… alles schon gesehen und immer begeistert gewesen! Hidcote Manor steht jetzt u.a. auf unserer Liste.
    LG Kathinka

    • Berlingärtnerin sagt

      Hallo Kathinka, Hidcote wird euch begeistern, die Vielfalt ist grenzenlos! Und September ist ja gar nicht mehr lang hin, du Glückliche!

  3. Liebe Xenia,danke, dass du uns mit nach England nimmst! Sissinghurst, Wisley und Great Dixter sind einfach unvergleichliche Gärten. …vor ein paar Jahren haben wir mit drei Paaren eine Gartenreise auf eigene Faust gemacht. Das war im Vorfeld zwar viel Arbeit, aber wir hatten in den Gärten so viel Zeit, wie wir wollten. (Und konnten kulinarische Entdeckungen machen )
    Ich würde trotzdem gerne mal eine organisierte Gartenreise machen. Vielleicht nicht gerade bei Studiosus, die sind doch mehr für kulturelle Sehenswürdigkeiten zuständig.
    Und du hast recht, Gartenmenschen verstehen sich meistens super, egal wie alt sie sind ☺
    liebe Grüße von Heike

    • Berlingärtnerin sagt

      Hallo Heike!

      Danke für deine Rückmeldung. Habt ihr damals Bed & Breakfast gemacht? Das finde ich nämlich auch witzig. Man kann sich ja Häuser mit hübschen Gärten aussuchen. Aber das Problem bleibt: Es muss mich einer fahren 🙂

      Liebe Grüße!

      • Hallo Xenia, ja wir hatten eine b&b Unterkunft. Leider bei einem Paar, welches sich so gar nicht mit gärtnern beschäftigt auch das gibt es in England.
        Mein Mann hat mit dem Linksverkehr kein Problem, für mich wäre das auch ei Horror.
        Liebe Grüße von Heike

  4. Pingback: Tipps und Tricks à la Wisley Garden – berlingarten

  5. Liebe Xenia,
    ach wie wundervoll, wenigstens bei Dir von dieser Reise lesen zu dürfen. Wenn schon meine Männer nicht dazu zu überreden sind. Aber ich würde doch auch soooo gerne mal. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja tatsächlich mal eine gartenbegeisterte Blogger-Reisetruppe – ich wäre bestimmt dabei…
    Liebe Grüße aus dem Münsterland
    sendet Dir
    Anja

    • Berlingärtnerin sagt

      Hallo Anja, ganz liebe Grüße ins Münsterland! Und lass uns die nächste Tour nicht aus den Augen verlieren 🙂

      Hab eine schöne Zeit, es wird ja jetzt so richtig Sommer!

  6. Hallo Xenia,
    du schilderst sehr anschaulich genau die Zwänge an organisierten Touren, die mich immer davon abgehalten haben, aber auch die Vorteile, die so etwas haben kann.
    Und den Süden Englands kenne ich noch gar nicht, ‚ Sissinghurst‘, der Traum aller Gärtnerin nen steht also noch auf meiner ‚ToDo-Liste’….
    Ich fürchte nur die Massen dort…
    Ich bin gespannt, was du uns noch berichten wirst …Über die schönen Fotos deines ersten Beitrags bin ich jetzt schon erfreut…weil ich neben der Schönheit der Gärten auch ‚ every-day-life- sehe.
    Sohn und GG brechen nächste Woche auf zu Verwandten im Norden…mal sehen, ob ich sie überzeugen kann ein paar Gärten zu besuchen.
    LG
    Sisah

    • Berlingärtnerin sagt

      Guten Abend, Sisah,

      jetzt sind wir schon vier, die Lust auf so eine Reise haben 🙂

      Sissinghurst musst du dir tatsächlich mal ansehen, ich war jetzt einmal im Frühling und einmal im Sommer da – wow. Ein „paar“ Fotos kommen noch. Ich habe bei beiden Besuchen keine Probleme mit zu viel Andrang gehabt, da ich jeweils am Montag da war. Und du wirst noch sehen: Ich habe es immer geschafft, in Ruhe zu fotografieren, ohne dass mir jemand vor die Linse springt. Und zu genießen natürlich!

      Du solltest deine Männer auf jeden Fall ermutigen, es lohnt sich wirklich, sich umzutun.

      Schöne Grüße!

  7. Danke für diesen anschaulichen Bericht. Ich habe eine solche Reise, für die ich meinen Mann nicht begeistern kann, schon lange alleine vor. Da kommt auch nur eine organisierte in Betracht. Ich werde mich kundig machen. Es muss ja nicht Studiosus sein.
    Herzliche Grüße
    Elke

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Elke,

      mein Traum wär ja mal, als Wir-kennen-uns-digital-Gruppe aufzubrechen. Dürfte richtig lustig und nett werden :-))

      Vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr? Wir sind ja noch jung 😉

      Herzliche Grüße!

  8. Skybird sagt

    Liebe Xenia,
    Wie Wunder-wunderschön!
    Was für ein Reichtum an Eindrücken!
    Ich freu mich auf weitere Berichte!
    Herzlich,
    Dagmara

    • Berlingärtnerin sagt

      Das freut mich, liebe Dagi! Es war wirklich eine Menge an Pracht und Schönheit. In den kleinsten Vorgärten wie in den großen Landschaftsgärten.

      Sei herzlich gegrüßt!

  9. LiSa sagt

    Ach Xenia du machst mich fertig 😉 *einbisslneidigschau*
    Ich möchte schon sooo lange einmal dort hin, hab aber niemanden der diese Sehnsucht mit mir teilt .
    GlG
    Sabine

    • Berlingärtnerin sagt

      Hey Sabine,

      dann sind diese Trips tatsächlich großartig. Ich melde mich, wenn ich die nächste plane. Davon träume ich nämlich schon lange: eine Tour mit lauter Mädels (Quotenmänner erlaubt), mit denen man da richtig Spaß haben kann. (Zum Beispiel habe ich immer noch Kontakt zu einigen Frauen der Reise davor.)

      Liebe Grüße!

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