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Ausstellungstipp: Gartenstar Fürst Pückler im Schloss Babelsberg

Havellage

Ein Ausflug zum UNESCO-Weltkulturerbe: Schloss Babelsberg strahlt in neuem Glanz, eine Ausstellung über Hermann Fürst von Pückler-Muskau verrät alles über den Park und an der Havel kannst du sonnenbaden, picknicken oder auch einfach nur flanieren. Was will man mehr für einen entspannten Sonntag?

Ich kann mir richtig vorstellen, welche Genugtuung Fürst Pückler angesichts dieser Ausstellung im Schloss Babelsberg empfände. 170 Jahre vergangen und er als Gartengestalter immer noch im Gespräch. Nur die Hinweise auf seine überspannten Titels- und Ordensbetteleien an seinen Auftraggeber, Kaiser Wilhelm I., wären ihm vermutlich peinlich.

Noch bis zum 15. Oktober findet eine reizvolle Ausstellung über Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) in den noch unsanierten und seit mehreren Jahren erstmals wieder zugänglichen Räumen des Schlosses statt. Sie trägt den Titel „Pückler. Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin“ und gibt die Möglichkeit, dem Gartenkünstler inmitten einer seiner wichtigsten Schöpfungen zu begegnen und auch dem Menschen auf die Spur zu kommen. Ich empfehle, als erstes die Ausstellung zu besuchen und dann einen Spaziergang durch den Garten zu unternehmen (vielleicht mit einem abschließenden Picknick an der Havel? *). Mit dem neuen Wissen hat sich mir der Park viel besser erschlossen.

Medaillon Fürst Pückler

Medaillon Fürst Pückler am Eingang zur Ausstellung

Der „Gartenzauberer“, wie Prinzessin Augusta Pückler nannte, erhielt 1843 den Auftrag, Park Babelsberg zu optimieren. Angeregt von seinen ausgedehnten Englandreisen verwirklichte er hier seine Vorstellungen eines idealen Gartens. Und es ist ihm geglückt: In Babelsberg wirkt alles so harmonisch, selbstverständlich, ja natürlich. Dass aber jede Wegebiegung und Bodenwelle inszeniert und kein Blick zufällig, sondern als Gesamtkunstwerk komponiert wurde, vermittelt die Ausstellung sehr anschaulich.

Motto Fürst Pückler

Das Motto des Fürsten Pückler als Gartengestalter

Den Rahmen für den Blick auf den Park bilden die wiederhergestellten großflächigen Fenster des Schlosses. Man erfährt in der Ausstellung etwas über die Hintergründe und blickt aus den Schlossräumen direkt auf das soeben Vermittelte: auf die golden eingefassten Gartenterrassen, zum mit Rosen gestalteten Pleasureground, auf die Weite der Havellandschaft Richtung Glienicker Brücke.

Es war Fürst Pücklers Werk, die prächtigen Schlossterrassen anzulegen. Auch war sein Konzept die klare Unterscheidung zwischen gärtnerisch intensiv ausgeschmücktem Pleasureground in der Nähe des Schlosses und dem umgebenden Park als idealisierter Natur. Besondere gestalterische Bedeutung hatten darin die verschiedenen Gehölze. Noch heute bildet die hoch aufgeastete Pappel auf dem Bowlinggreen vor dem Schloss den Mittelpunkt der Fensteraussicht. Die Anordnung der übrigen Bäume lässt den Blick auf den Geysir und nach Glienicke offen.

Die Galeriefotos vergrößern sich durch anklicken.

 

Zu den Markenzeichen des Fürsten gehörte das Verpflanzen großer Bäume wie der Linden an der Voltaireterrasse. Vor dem Schloss steht übrigens das originalgroße und daher beeindruckende Modell eines Großbaumverpflanzwagens.

Großbaumverpflanzwagen

MIt Hilfe des Großbaumverpflanzwagens schuf Pückler die Landschaftsbilder mit schon stattlichen Bäumen

Es war aber keineswegs so, dass der Garten noch nicht gestaltet gewesen wäre, als Prinz Wilhelm und Prinzessin Augusta 1843 Fürst Pückler mit den Arbeiten für den Park Babelsberg beauftragten. Der preußische Gartendirektor Peter Joseph Lenné (1797-1866) hatte in den zehn Jahren seit Bau des Schlosses (übrigens das Werk des berühmten Karl Friedrich Schinkel) bereits Wege und Pflanzungen angelegt. Die Ausstellung arbeitet jedoch heraus, dass Pückler das Bedürfnis hatte, Lennés gartenkünstlerisches Wirken zu diffamieren oder als rein technische Ingenieursleistung herabzuwürdigen. Er erscheint als Karrierist, für den sich durch den Traumjob Babelsberg die lang gesuchte Chance ergab, prominenter Starplaner und Günstling des Thronfolgers zu werden. Mit seiner Auftraggeberin Augusta führte Pückler eine freundschaftliche, ja fast intime Korrespondenz und bedachte sie mit Geschenken wie dem blauen Papagei, der jetzt eine Art Ausstellungsmaskottchen ist. Im Gegenzug erhoffte sich Pückler einen weiteren gesellschaftlichen Aufstieg. 1861 erhielt er endlich den preußischen Kronenorden und den Titel „Durchlaucht“. Alle Gartenplanungsaufträge des Königshauses bekam er hingegen nicht – sehr zu seiner Enttäuschung.

Als Freundin schön gedeckter Tische machte mein Herz einen Hüpfer angesichts einer Prachttafel im Tanzsaal. Die Ausstellung informiert nämlich auch über Tischkultur und die Art der Eisbereitung im 19. Jahrhundert. Schließlich ist Pückler auch Namenspatron einer bis heute beliebten Eissorte. Welche Geräte und Werkzeuge zur Herstellung notwendig waren, ist dabei ebenso Thema, wie die Menüfolgen, mit denen Pückler das Prinzenpaar bewirtete – elf Gänge, man gönnt sich ja sonst nichts.

Bei Pückler zu Tisch

So könnte es ausgesehen haben, bei Pückler zum Dinner gewesen zu sein

Nach der Ausstellung folgt dann der Spaziergang über die Schlossterrassen und zum reich blühenden Pleasureground. Auch das künstlich angelegte „Schwarze Meer“ mit seiner von Pückler mehrfach korrigierten Uferlinie und der kleinen Inseln solltest du dir nicht entgehen lassen.

Wiederhergestellt wurde 2016 der „Wilhelmwasserfall“. Er entspringt einer kleinen Quelle aus dem künstlichen unterirdischen Wasserversorgungsnetz des Parks. Die Felsen sind Fake, wie man heute sagen würde: keine wirklichen Steine, sondern auf echt getrimmte Abfallprodukte der örtlichen Ziegelfabrik. Mehr Schein als Sein ist also keineswegs ein Phänomen unserer Zeit. Und das Streben nach Ruhm und Publicity auch nicht. Hermann Fürst von Pückler-Muskau, ein Genie und ganz normaler Mensch.

 

Eintritt

10 Euro | ermäßigt 8 Euro
Familien: 26 Euro (2 Erwachsene und bis zu 4 Kinder) | 16 Euro (1 Erwachsener und bis zu 4 Kinder)

Tickets kannst du hier online vorbestellen.

 

Adresse

Schloss Babelsberg
Park Babelsberg 10
14482 Potsdam

 

*Ein Hinweis des Schlösser-und-Gärten-Teams, den ich sehr wichtig finde: Das Picknicken ist nicht überall, sondern in ausgewiesenen Bereichen möglich; Sorge machen erhebliche Vandalismus-Schäden der letzten Wochen. Also lass uns bitte verantwortungsvoll umgehen mit einem Weltkulturerbe!

4 Kommentare

  1. Steffi sagt

    Ein wunderbarer Spaziergang durch diese interessante Ausstellung und die großartige Parkanlage! Schade, dass es soweit weg ist, aber der Garten und mein dank Dir erworbenes Hintergrundwissen bleiben ja auch die nächsten Saison noch aktuell. Danke, ein toller Tipp!

    • Berlingärtnerin sagt

      Ich habe die Hoffnung auf einen Besuch von dir ja noch nicht aufgegeben: 2016 New York, 2017 Berlin.

  2. Ein sehr interessanter Beitrag! Bestimmt ein toller Tipp für einen Ausflug! Leider bin ich nicht gerade um die Ecke zu Hause!
    Aber dann lass ich mir einfach ein Fürst-Pückler-Eis hier im Süden schmecken!
    Viele Grüße von
    Margit

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Margit,

      von einem guten Eis kann man dieser Tage ja nie genug bekommen. Nach einem ausgiebigen Regen heute morgen hat das Thermometer im Laufe des Tages die 30-Grad-Marke locker geknackt. Ich hoffe, du genießt den Sommer in vollen Zügen.

      Beste Grüße !

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