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Interview: die besten Tipps für prächtige Dahlien

Stark im Trend: riesenblütige afrikanische Dahlien

So werden Dahlien richtig schön: die besten Tipps aus der Praxis für Sortenwahl, Pflanzung, Pflege und Kombination im Beet.

Ich hatte nie viele Dahlien. Aber ich hatte immer Sehnsucht nach ihnen. Je später das Jahr wurde, je matter die Farben bei mir im Garten, desto sehnsüchtiger schaute ich in typischen Dahliengärten über den Zaun. Irgendwann zog zumindest die Bishop of Llandaff bei mir ein: eine hübsche ungefüllte Rote, die über ein sehr attraktives braunes Laub verfügt. Aber nach zwei Vegetationsjahren hatten sie irgendwie nicht mehr die richtige Power. Sie wurden von den Nachbarstauden regelrecht verschluckt und von mir im Herbst dann auch gar nicht mehr aufgenommen.

Meine einzige Dahlie: Bishop of Llandaff

Meine einzige Dahlie: Bishop of Llandaff

In dieser Saison sind mir sehr häufig die großen pastellfarbenen Dahlien aufgefallen. Und da war es wieder, dieses Will-haben-Gefühl. Ich habe daher eine liebe Gartenbekannte angesprochen, die über einen Dahliengarten verfügt, wie ich ihn im Hobbybereich sonst noch nie gesehen habe, ob sie uns im Interview nicht verraten möchte, wie man optimal mit der schönen Exotin umgeht. Voilà ihre besten Tipps für uns.

Wie kam es dazu, dass du dich auf Dahlien spezialisiert hast?

Ich habe Dahlien schon immer gemocht, aber anfangs viel Lehrgeld durch falschen Umgang mit ihnen bezahlt. Dann habe ich die Dahliengärtner im Britzer Garten angesprochen, die haben mir Züchter genannt, von denen ich erstklassige Ware kaufen könnte. Denn wie eigentlich immer kommt es auch bei Dahlien sehr stark darauf an, dass man wirklich gute erwirbt.

Woher beziehst du deine Dahlien?

Viele habe ich von Paul Panzer von Köstritzer Dahlien in Thüringen. Es gibt aber sogar einen Dahlienzüchter in Berlin: Dahlien Möller und das Dahlienparadies. Bei Panzer und Möller kann man sich die Dahlien im Betrieb auch anschauen. Es ist schon beeindruckend, felderweise Dahlien zu sehen.

Ich habe aber auch viel gegoogelt und dort bei den Dahlien-Bezugsquellen geschaut. Wenn einen einmal die Sammelleidenschaft gepackt hat, dann kann man einfach nicht mehr aufhören. Außerdem: Was nicht optimal nach meinem Geschmack ist, fliegt raus. Es gibt also immer Bedarf an neuen Dahlien. (lacht)

Du hast viele zarte farbige Dahlien bei dir im Garten. Sind diese Dahlien derzeit Trend?

Absolut. Das sind sehr oft Sorten aus Afrika. Ich mag auch gern die sehr großblütigen Dahlien. Das ist in den Katalogen die Kategorie 20-25 cm Blütendurchmesser. Die ganze Pflanze ist dann in der Regel auch groß und sehr kräftig. Die Stiele sind dick und müssen einzeln gestützt werden. Aber keine Angst: Sie knicken weniger schnell um als die kleinen Dahlien mit den weichen Stielen.

Perfekte Eleganz

Perfekte Eleganz

Was ist für die Pflanzung der Dahlien besonders wichtig?

Mitte April bis Anfang Mai kann man die Dahlien schon setzen. Späte Fröste tun ihnen in der Regel nichts.

Man muss Dahlien flach pflanzen, den Hals nur 5 cm unter die Erde setzen. Ich etikettiere meine Dahlien immer direkt an der Knolle. Das Schild beschrifte ich mit wasserunlöslichem Stift, drahte es sicher an der Knolle an und pflanze es direkt mit ein.

Ins Pflanzloch kommt auch sofort der Stab mit rein. Die Dicke des Stabes richtet sich natürlich nach der Größe und Schwere der Pflanze. Sehr empfehlen kann ich übrigens die dunkelgrünen Tomatenstäbe. Sie sind sehr viel dezenter und dünner als die im metallenen Look. Toll ist auch Bambus. Interessant ist an dem, dass man ihn mit der Astschere zurückschneiden kann, damit vom Stab am Ende oben nichts rausschaut.

Als Nahrung kommen zwei Handvoll Kompost mit ins Pflanzloch. Übrigens musst du da Arbeit investieren und das Loch wirklich groß genug ausheben. Es tut der Knolle nicht gut, wenn sie ins Loch hineingepresst wird. Man muss die Einzelteile schon gut ausbreiten können. Ist die Knolle drin, fülle ich mit Erde auf und drücke nur sanft an. Keinesfalls kräftig antreten, das schadet den zarten Trieben, die sich in der Regel schon gebildet haben.

Was steht an Pflegemaßnahmen auf dem Programm?

Sind die Pflanzen 40 cm hoch, bekommen sie eine Handvoll Blaukorn*. Sie werden dann deutlich stabiler, als wenn man ihnen diese Düngegabe nicht zukommen ließe.

Die ganz große Feindin der Dahlien ist ja die Schnecke. Schneckenkorn streue ich entsprechend konsequent um jede Pflanze herum. Die Dahlien wachsen unterschiedlich gut an. Da, wo sie nicht kommen wollen, nehme ich sie wieder auf und setze sie woanders ein.

Ab 40 cm Höhe binde ich die Dahlien mit Kunststoffbast oder Klettband (für die mit einzelnen dicken Trieben) an die Stäbe. Das Anbinden muss man wirklich regelmäßig erledigen! Ein guter Trick für möglichst standfeste Pflanzen und große Blüten ist es, maximal fünf Triebe stehenzulassen. Alle überzähligen Triebe schneidest du bodennah ab. Aber keinesfalls auf den Kompost damit, denn die Triebe bewurzeln leicht und lassen sich zu neuen Pflanzen ziehen. Ich stecke die Triebe einfach in Blumenerde mit Bewurzelungspulver, gieße regelmäßig und habe am Ende der Saison schöne neue Knollen, die ich überwintern oder schon vorher verschenken kann.

Verblühtes muss man regelmäßig ausputzen. Damit die Pflanzen nicht zu groß werden, wird ausgegeizt wie bei Tomaten – d.h, dass Seitentriebe, die sich in den Blattachseln bilden wollen, ausgebrochen werden.

Gießen tue ich nach Gefühl, die Knolle speichert auch gut. Wird die Dahlie doch einmal schlapp, in diesem Sommer war es ja sehr lange sehr trocken, ist sie aber auch rasch wieder fit, wenn sie etwas Wasser bekommt.

Wie sieht es mit Schädlingsbekämpfung aus?

Dahlien sind wenig anfällig für Schädlinge, ich hatte noch nie Ausfälle. Bei Überdüngung besteht wohl Mehltaugefahr.

Stark im Trend: riesenblütige afrikanische Dahlien

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Wie überwinterst du deine Dahlienknollen?

Nach den ersten Frösten wird das Laub zu Matsch. Dann hebe ich die Knollen vorsichtig mit dem Spaten aus. Eine Handbreit Stengel lasse ich wie einen Griff dran. Die Erde mache ich nicht ab und teile die Knollen in dem Moment auch nicht. Wichtig ist, dass die Etiketten noch gut und sicher dran sind.

In meinem mittelwarmen Keller überwintern die Dahlien problemlos. Die besten Erfahrungen habe ich jetzt mit Pappkartons gemacht. Ich lege die Knollen vorzugsweise in Umzugskartons, die sich verschließen, aber die Dahlien nicht schwitzen lassen. Dann mache ich nichts mehr, kein Wässern! Im April sind die Knollen ein bisschen schrumpelig, das macht nichts.

Manchmal liest man, dass man die Knollen wässern soll, bevor man sie wieder einsetzt. Ich tue das nicht, sondern setze die Dahlien genauso wieder ein, wie sie aus der Kiste kommen. Wenn die Knollen ganz groß sind, kann man sie auseinanderziehen und als mehrere Einzelpflanzen wieder einsetzen.

Was ist bei der Kombination von Dahlien mit Stauden oder Gehölzen besonders zu beachten?

Ein gutes Hilfsmittel ist es, auf den Etiketten zu notieren, um welche Sorte es sich handelt, wie groß sie wird, welche Farbe sie hat und zu wem sie passen könnte. Ich schreibe auch darauf, wo sie hin soll. Wenn ich dann im Frühjahr die Knollen aus den Kartons packe, habe ich schon sofort einen Plan, was zu tun ist. Macht man das nicht, steht man vor den grauen Knollen ein wenig wie der Ochs vorm Berg

Ich kombiniere die Dahlien nach Farben: Ton in Ton oder bewusst als Kontrast. Die Richtung geben die dauerhaften Pflanzen vor, zum Beispiel meine Rosen und Phloxe, die Dahlie als Saisonpflanze wird dann darauf abgestimmt. Ansonsten gilt bei den Dahlien die selbe Regel wie bei allen anderen Pflanzen auch: große kommen nach hinten, kleine nach vorn. Zwischen den Pflanzen braucht es circa 50-80 cm Abstand.

Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken:

Vielen Dank für dieses ausführliche Interview, liebe Angelika! Das war wirklich eine Fülle an Tipps und Anregungen. Ich glaube, werde es doch wieder mit den Dahlien versuchen.

* Es gab eine Anmerkung des Gartenparadies-Teams zum Thema Düngung mit Blaukorn: Dort, wo die Böden nicht so arm wie in Berlin sind, bitte Vorsicht mit zu viel Stickstoffgaben. Sonst können die Knollen rissig werden und überwintern nicht mehr gut. Ich habe früher daher Tomatendünger benutzt (hatte hier auf Berliner Sandboden allerdings deutlich weniger Erfolg als Angelika).

13 Kommentare

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  2. Jetzt weiss ich es, was ich alles falsch gemacht habe! Vielen Dank und bei einem Züchter werde ich künftig auch einkaufen – vielen Dank für die entsprechenden Tipps. Das ist wirklich ein ganz super gelungener Post zur Pflege von Dahlien, ich habe sehr viel dazugelernt. LG Marion

  3. Ein Interview, liebe Xenia, das keine Fragen offenläßt, und dabei sogar erwähnt, dass sich Dahlien aus Stecklingen vermehren lassen und schon im ersten Jahr kleine Knollen bilden, ja, sogar schon zur Blüte kommen können, was mir Herr Lohmeier beim Besuch in seinem Dahliengarten kürzlich auch erzählte und für mich neu war.

    Ich mag auch die pastellfarbenen Blüten, allerdings nicht die ganz großen. Anschaffen werde ich mir keine wegen der Überwinterung im Keller und der aufwändigen Pflegemaßnahmen.

    Und auch all das nützt nichts, wenn dann Dauerregen kommt und die Pflanzen im Wasser ‚ertrinken‘ und verfaulen, was einem erfahrenen langjährigen Sammler schier das Herz brechen kann.

    Schöne Fotos – wie immer – und ein kurzweiliger Text. Einen schönen Tag und liebe Grüße von Edith

    • Berlingärtnerin sagt

      Da sind wir Berliner schwer im Vorteil. Wir sind hier ja sozusagen „Letzte Ausfahrt vor Wüstenklima“. Da ertrinkt selten was.

  4. Steffi Guthmann sagt

    So viele wertvolle Tipps, danke Euch beiden!
    Bei diesen Fotos kommt bei mir auch gleich ein haben-wollen-Gefühl. Wegen der Schnecken habe ich Dahlien (wie auch die meisten meiner Funkien) bisher in Töpfen auf dem Balkon gezogen, wohl wissend, dass die schwelgerische Großzügigkeit der Dahlien besonders schön in Gruppen (also im Beet) zur Geltung kommt … seufz …

  5. Sylvia Knittel sagt

    Ach ja, Dahlien… Bisher konnte ich mich nie durchringen, aber die Sorten werden immer schöner… Danke für die Tipps. Welches ist drer Krauskopf im Titel?

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Sylvia!

      Mir war klar, dass die Sortenfrage kommen würde (*erwischt*).
      Das Problem war: Alle Sortennamen liegen hübsch verbuddelt in der Erde. Auf den Etiketten! (*lach*)

      Meine Bekannte schaut nochmal in ihren Unterlagen, ansonsten reiche ich die Sortenbezeichnungen nach, wenn die Knollen gemütlich im Karton ruhen.

      Beste Grüße!

    • Angelika sagt

      Hallo,
      der Krauskopf im Titel heißt „Myrtl’s Folly“, Ließ sich übrigens wunderbar über Stecklinge vermehren. Ob sich eine Knolle ausgebildet hat, werde ich nach dem Ausgraben sehen.

      • Berlingärtnerin sagt

        Vielen Dank, liebe Angelika, wie ein „Folly“ sieht die freche Blüte auch aus 🙂

    • Sylvia Knittel sagt

      Danke für die Info! Ich mag die krausen am liebsten… Dann kanns ja losgehen – denn einem Beet voller Winter-Zwiebelblüher passt ja 5 cm Tiefe perfekt, das geht gerade noch so und nimmt beim Einpflanzen nicht viel Platz weg.

  6. Sisah sagt

    Ein weiterer Anstupser , es wieder mal mit Dahlien zu versuchen.In Giverny ‚dahlierte‘ es auch heftig. Die Idee mit den Bambusstäben gefällt mir, denn die Anbinderei mit grünen Stäben mag ich überhaupt nicht…aber das liegt ja meistens an den überproportional großen Blüten, also an der Sorte.
    Tolle Fotos aus einem wunderschönen Dahlien- Garten!
    LG Sigrun

    • Berlingärtnerin sagt

      Na denn auf geht’s, wir beiden Dahliensbtrünnigen. Ich bin gespannt auf unsere Ergebnisse und Fotos in einem Jahr 🙂

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