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Landesgartenschau Eutin: Trends für den Garten

Landesgartenschau Eutin 2016

Auf der Landesgartenschau Eutin gab es auch für den Privatgarten viel an Anregungen mizunehmen. Ich hab dir die Trends mitgebracht.

Es war ein heißer Tag im September in Eutin. Der Herbst spielte Hochsommer und ich steckte mit schwerem Fotorucksack im stickigen Zubringerbus zur Landesgartenschau. Park & Ride ins Stadtzentrum: Es kommt mehr und mehr in Mode, Gartenschauen mitten in gewachsenen Orten durchzuführen. Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass anders nicht mehr die finanziellen Mittel aufzutreiben sind, unsere Städte auf Vordermann zu bringen oder ob es der immer größeren Gartenbegeisterung breiter Bevölkerungsschichten zuzuschreiben ist. Wahrscheinlich beides.

Geparkt wird also irgendwo vor den Toren der Stadt und dann werden Heerscharen bequembeschuhter Besucher zu den Eingangstoren der Gartenschauen kutschiert. Ist die Meute freigelassen, bilden sich hübsch lange Schlangen an den Kassenhäuschen. Was für ein Glück, dass die Bepflanzungen schon vor dem Eingang absolut reizvoll anzusehen waren: Gräser, Verbenen, Mangold, Zinnien, Dahlien. Ähnliches hatte ich bereits letztes Jahr auf der Buga in Brandenburg gesehen.

Gemischte Beete modern: gern mit rot, gern mit Mangold und Gräsern.

Gemischte Beete modern: gern mit rot, gern mit Mangold und Gräsern.

Während ich also wartete, stellte ich mir die Frage: Wird das hier ein Buga-Revival oder hat Eutin neue Reize zu bieten? „Schauen und staunen“ hieß es zuversichtlich im Infomaterial, das ich mir als Bloggerin natürlich brav stapelweise mitgeben ließ. Also los, auf ins Getümmel, ich wollte ja staunen! Mein Plan war, erst einmal die Themengärten zu sichten (schnell, das Fotografierlicht wird schlechter!), dann am Eutiner See entlangzuschlendern, um schließlich das Schloss mit seinem Parkgelände und die historische Altstadt zu besuchen. Zurück wollte ich mit der Fähre über den See schippern. Ich kenne mich, am Ende bin ich garantiert fußlahmer als all die fröhlichen Senioren um mich herum.

Neue Ideen aus regionalen Traditionen.

Der Plan ging auf. Und obwohl Eutin im Stil der Pflanzenverwendung ziemlich nahtlos an Brandenburg anschloss, habe ich durchaus Neues entdecken können. Mal davon abgesehen, dass Eutin, meine Geburtsstadt übrigens, tatsächlich eine bezaubernde Kulisse abgibt, hat mich das regionale Moment in den Pflanzungen begeistert. Sehr deutlich wurde die Nähe zur Ostsee: Gräser, Wasser, kühle Töne und beige. Koniferen, zum Beispiel Kiefern, waren in die Rabatten integriert. Pflasterungen gab es, die sehr schön an die Backsteingebäude der Gegend erinnerten, Holzhäuschen, die ein Flair von Strandpromenaden verbreiteten. Das ist eine absolute Anregung auch für uns als Privatgärtner, den Garten als Spiegel unserer Heimat zu begreifen.

Alle Fotos dieses Beitrags vergrößern sich durch anklicken.

Farbstarke Pflanzungen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Eutin endgültig auch den letzten Rosa-Ton-in-Ton-Freak überzeugt hat, sich zusätzlich an neue Farbkonzepte zu wagen. Ist es nicht auch ein grandioser Gedanke, bei sich im Garten mal wieder was anderes auszuprobieren? Ein Beet in Sonnenfarben. Oder die Mischung aus Schokolade mit Sahne. Rot! Rot ist toll. Wie wäre es, jetzt im Beet klar Schiff zu machen und deine althergebrachten Lieblingspflanzen mit neuen, lässigen Freunden zu verkuppeln?

 

Der Garten ist zum Leben und Genießen da.

Kochen und genießen standen stark im Fokus. So wollen wir das: Nicht nur Gartenarbeit verrichten und dann nach getaner Müh und Plage wieder reingehen, sondern im Garten leben. Präsentiert wurden Outdoor-Küchen und gemütliche Essplätze. In einem Garten konnte man bestaunen, dass sogar Platz für eine Freilichtsauna samt Pool für die Abkühlung war. Und das Schöne: nicht alles im Stil von schickimicki, sondern bodenständig und sich unaufgeregt in die natürlichen Pflanzungen integrierend. Hier wäre ich gern nach Toresschluss allein mit meinen Lieben gewesen und hätte Garnelen mit Chili gegrillt und einen Tomatensalat genascht.

 

Pflanzungen im New German Style.

Träume sind Schäume… Ich eilte also weiter, teilweise Hände an die Hosennaht, um die Pflanzen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und hoffentlich auch mal ein Foto machen zu können, ohne den Nachbarbauch mit auf dem Bild zu haben.

Die Planer, die für die Landesgartenschau in Eutin die Beete erstellt haben, sind eindeutig die Enkel Piet Oudolfs. Was er einst salonfähig machte, wurde in vielen Pflanzungen auch hier sehr schön weitergeführt. Und so wie jedes Baby einen Namen braucht, heißt das bei Insidern New German Style – erstmals verwendet von einem Engländer übrigens. Dabei geht es darum, Beete im Gleichgewicht zu schaffen: robuste Pflanzen mit gleichen Standortansprüchen so zusammenzustellen, wie sie es in der Natur auch mögen. Dann fühlen sich die Pflanzen (miteinander) wohl, müssen nicht besonders gepampert werden und bedecken den Boden schnell. Dauernd Unkraut zupfen wollen wir ja schließlich nicht. Zwei weitere wichtige Aspekte sind der ganzjährig schöne Look (kein oder wenig Abschneiden von Verblühtem) und dass man nicht gießen muss.

Es gab viele Storchchnäbel, Astern, Schönastern, Sonnenhüte, Duftnesseln, Knöteriche, Gräser. Dazu, wie schon gesagt, interessanterweise auch Nadelgehölze. Auch habe ich sehr hübsche Obstgehölze gesehen, die für mich in einen Wohlfühlgarten auch unbedingt hineingehören!

 

Gemüsegarten XXL.

Nach dem Obst zum Gemüse: An den vollständig restaurierten, denkmalgeschützten Torhäusern vorbei, hier waren die Blumenschauen untergebracht, ging es Richtung Gemüsegarten. Ein wenig Erschöpfung hatte sich schon eingestellt, da gab es einen neuen Adrenalinschub: Ein Gemüsegarten XXL. Bin ich in England? Hunderte von Metern lange Gemüsereihen. Wahnsinn! So wie in den tollsten englischen Herrenhausgärten. Ich kann mich nicht erinnern, so eine Pracht in einer anderen deutschen Gartenschau je gesehen zu haben. Spätestens hier war ich überzeugt, dass es sinnvoll ist, die Gartenschauen in die Städte zu integrieren. Denn dieses Prachtstück war einst der Küchengarten des Eutiner Schlosses und wurde jetzt erst revitalisiert – teilweise mit längst vergessenen Gemüsen.

Wie in Englands Herrenhäusern: der revitalisierte Küchengarten des Eutiner Schlosses

Wie in Englands Herrenhäusern: der revitalisierte Küchengarten des Eutiner Schlosses

 

Beides Komposition: Musik und Gartenkunst.

Kennst du gepflanzte Opern? Ich kannte das bisher nicht. Die Landesgartenschau Eutin widmete ihrem berühmtesten Sohn Carl Maria von Weber einen eigenen Freischütz-Garten. Durch Farben symbolisiert wurden die Leidenschaft und der schwere Weg der Liebenden Max und Agathe. Sie müssen durch eine dunkle Wolfsschlucht, um am Ende in einen Raum der Leichtigkeit zu gelangen. Rote Stauden wie Dost Origanum laevigatum ‚Herrenhausen‘, Fetthenne Sedum telephium ‚Karfunkelstein‘ und Wolfsmilch Euphorbia dulcis ‚Chameleon‘ wirken düster und bedrohlich. Aber am Ende bricht die weiße Rose den gefährlichen Zauber – ein Happy End im Garten, genau wie in der Oper.

Musik als Inspiration für Pflanzkonzepte: Könnte das vielleicht eine Idee sein, meine pubertierende Tochter stärker für den Garten zu begeistern? Ich denke mal über ein Justin Bieber-Beet nach.

 

Zum Abschluss dürfen Impressionen des zauberhaften Ortes nicht fehlen: Eutin liegt in der Holstinischen Schweiz und malerisch an einer Seenkette. Schloss, Park und See bilden einen sehenswerten Dreiklang, der durch die Investitionen der Landesgartenschau deutlich an Attraktivität gewonnen hat. Eutin und die noch nicht einmal eine halbe Autostunde entfernte Ostseeküste mit den Orten Scharbeutz, Timmendorfer Strand & Co. machen die Region zum echten Ferientipp. Voilà.

12 Kommentare

  1. Liebe Xenia,
    schönen Dank für diese sehr interessanten Einblicke in die Landesgartenschau.
    Schön zusammengestellte Beete gab es wirklich zu sehen!
    Aber jetzt muss ich mir mal ansehen, was ich hier in den letzten Wochen alles verpasst habe !
    Rosige Grüße von Christine

  2. Ein toller Text, liebe Xenia, aber ganz besonders habe ich diesmal die farbenfrohen Fotos genossen, jedes einzelne vergrößert und mehrmals angeschaut. Die Bilder haben eine Qualität für sich. Auch ich wäre dort gerne mal nach Toresschluss gelustwandelt oder hätte Dich besucht und vom Tomatensalat probiert.
    Danke, dass ich durch Dich zu der Ansicht gelangt bin, dass die Landesgartenschau Eutin einen Besuch wert war.
    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Edith

    • Berlingärtnerin sagt

      Dir auch ein schönes Wochenende, beste Edith! Lass uns so verbleiben, dass du zum Tomatensalat kommst, wenn du mal in Berlin bist. Es wäre mir eine Freude, dich zu begrüßen!

  3. Steffi Guthmann sagt

    Dir gehört die güldene Rose am Bande verliehen dafür, dass Du Dir die Hacken abläufst um uns die Landesgartenschau im schönsten Licht zu präsentieren!!!
    Mir gefällt gut, was dort gezeigt wurde, vor allem der sog. New German Style. Rot im Garten finde ich gut im Komplentärkontrast zu Grün.

    Ich habe ein Jahr in Kiel gelebt, gestehe aber zu meiner Schande, dass ich das schöne Eutin nicht kennengelernt habe. Das werde ich nachholen, wenn ich das nächste Mal mein Patenkind im Norden besuche.
    Liebe Grüße und schönen Sonntag
    Steffi

    • Berlingärtnerin sagt

      Du Liebste aller Lieben!

      Tatsächlich habe ich nach dem Besuch der Landesgartenschau und der anschließenden Stop-and-go-Fahrt nach Berlin samt ewiger Kuppelei eine Sprunggelenksentzündung bekommen, an der ich jetzt noch rumdoktore. Ein Tennisfuß sozusagen. Ach nein, ein Gartenbloggerfuß 😉

      Schön, dass dir der Artikel gefällt. Und die Region ist auf jeden Fall mehr als einen Abstecher wert.

  4. Dagmara sagt

    Liebe Xenia!
    Durch diesen wunderschönen Fotorundgang haben wir unseren Besuch der Gartenschau nachgeholt. Wir waren nämlich am 24. September zu Martins Klassentreffen in Eutin. Die meisten der Anwesenden, die dort in der Nähe wohnen, hatten eine Dauerkarte. Wir mussten den Eintritt bezahlen, um am See Kaffee trinken und Mittag essen zu können; wir hatten zwei alte Herren im Rollstuhl dabei. Aber anstatt wenigstens am Nachmittag einen Rundgang zu machen, hatte der Organisator des Treffens einen Besuch der Landesbibliothek gegenüber vom Schloss arrangiert, mit einem interessanten Vortrag und riesigen alten Büchern, die der Kurator nur mit Handschuhen anfassen durfte. So freuen wir uns riesig über deine lebendigen Eindrücke!
    Ganz liebe Grüße, auch von Martin, deine Dagi

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebste Dagi!

      Wie schön, dass der Bericht gerade recht kam, ihr armen Eintrittfürwenigbezahler. Ich hoffe, dass die Fotos Martins Ansprüchen halbwegs gerecht werden konnten. Ich hatte ja das Problem, bei Euch bekannten Langschläfern zu wohnen und dann für anständige Fotografie viel zu spät loszukommen.

      Herzliche Grüße und alles Gute – vor allem Gesundheit!

  5. Wie wunderschön, und was für Aufnahmen! Wie lange war ich nicht mehr in Eutin!
    Wie schön, dass ich durch Deinen Blog daran teilnehmen kann.

    • Berlingärtnerin sagt

      Ja, wie selten ist man inzwischen doch in der alten Heimat. Schade eigentlich. Wir sollten uns im nächsten Sommer einen Ausflug vornehmen, liebe(r) Klama!

  6. Was für ein wunderbarer, inspirierender und sachkundiger Bericht. Die Bilder sind ebenfalls fantastisch! Uns hat es in Eutin ebenfalls sehr gut gefallen – ein Favorit war der Küchengarten. Danke für die schönen Impressionen. Kerstin

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Kerstin,

      herzlichen Dank, dass du einen Kommentar hinterlässt. Es macht glücklich und spornt für weitere Artikel an, wenn einem liebe Gleichgesinnte etwas zurück geben 🙂

      Beste Grüße!

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