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Rosen- und Staudengarten der Königlichen Gärtnerlehranstalt

Staudengarten

Üppig, farbig, pflegeleicht und dazu noch ganz besonders – so wünschen wir uns unsere Gärten. Im Staudengarten der ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt habe ich entsprechende Konzepte gefunden. Nachahmung empfohlen.

Als ich an einem schönen Spätsommertag durch das Tor im Zaun der Königlichen Gartenakademie gehe, eröffnet sich mir in den direkt dahinter liegenden Schaugärten eine ganz eigene Welt. Es ist wie das Hinaustreten aus der quirligen Realität (im Café der Königlichen Gartenakademie ist immer mächtig was los) in eine in sich abgeschlossene florale Traumwelt.

Hier sind im Auftrag der TU Berlin von Gartenarchitekt Hartmut Teske der Rosen- und der Staudengarten der 1903 errichteten ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt zu neuem Leben erweckt worden, nachdem sie Versuchsflächen weichen mussten, teilweise sogar überbaut wurden. Zwei Jahre lang wurde gebaut und im letzten Jahr eröffnet.

Der Rosengarten.

Beim Betrachten des Rosengartens fühle ich mich wie im Frankreich des Barock. Ein Springbrunnen in der Mitte, vier von Rosen gesäumte Rasenflächen. Es sind alles historische Sorten, die hier gepflanzt wurden, viele remontieren, sodass auch jetzt noch einige blühen. Es ist außerordentlich hübsch, wie die Hochstämmchen und ihnen zu Füßen die kleinbleibenden Rosen wachsen. Aber man muss diese Form von Manierismus und Monokultur mögen.

(Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken.)

Inspiration im Staudengarten.

Mein Herz beginnt höher zu schlagen, als ich Richtung Staudengarten gehe. Hier begegnet mir eine Fülle an Arten und Sorten, hier fühle ich mich wie in England. Und klar ist sofort: Das ist bestes Anschauungsmaterial für den Privatgarten. Wer jetzt plant, neue Beete anzulegen, muss im Prinzip nur herkommen, die Kamera schwingen und sich Notizen machen. Denn Inspiration gibt es zuhauf.

Von wegen Blühloch, erschöpfte Beete, Herbst-Tristesse. Was hier aufgepflanzt wurde, verrät hohen Sachverstand und den Willen zum „Es wird durchgeblüht“. Und was sich hier findet, lässt sich nicht nur von einer Armee von Profigärtnern in Schuss halten, sondern ich vermute, es ist genau andersherum: Diese Pflanzungen müssen auch dann noch toll aussehen und was hermachen, wenn man eben nicht fulltime wässert und schnippelt. Das Geheimnis sind wie immer die richtigen Stauden am rechten Ort, in der richtigen Nachbarschaft.

Karl Foerster was here.

Die Anlage kommt in bester gradliniger Tradition daher. Alle Beete reihen sich um ein lang gezogenes rechteckiges Wasserbecken. Die Plattenwege laufen symmetrisch darum herum und bilden den wohltuend schlichten Rahmen für die im wahren Sinne überbordenden Stauden und Gräser. Dabei liegen die Beete erhöht, wodurch das Areal an den Senkarten von Karl Foerster in Potsdam-Bornim erinnert.

Das ist übrigens kein Wunder: Deutschlands Stauden- und Gräserzüchter Nr. 1 war der wohl berühmteste der Absolventen in Dahlem. Und so muss man eigentlich andersherum sagen: Der Foerster-Garten erinnert an die Königliche Gärtnerlehranstalt.

Die Stauden-Komposition.

Für einen noch jungen Garten im zweiten Vegetationsjahr bietet sich ein sehr erwachsenes Bild. Die Spätsommerstauden sind absolut auf der Höhe. Besonderes Augenmerk wurde hier auf die Farbkombinationen gelegt. Im Frühsommer begeistern klarblaue Rittersporne mit lila Steppensalbei und roten Spornblumen. Jetzt trumpfen die Beete in Lila-Rosa-Weißtönen am Bassin und Gelb-Orange-Rot am hinteren Rund auf. Es sind allesamt kräftige Stauden, keine zartbesaiteten, die eine Extraaufforderung brauchen. Herr Foerster hätte seine Freude gehabt. Du hast sie bestimmt auch.

Königliche Gärtnerlehranstalt
Königin-Luise-Straße 22
14195 Berlin
Täglich geöffnet, Eintritt frei
Achtung: Ich empfehle den Eintritt durch den Cafehaus-Garten der Königlichen Gartenakademie, Altensteinstraße 15a

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