Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kleingärten Oeynhausen

12tel Blick 30. November 2016

12tel Blick Ende November: Freud und Leid der Schrebergärten

Schrebergärten sind beliebt und begehrt: bei Menschen, die Erholung im Garten suchen und bei der Immobilienwirtschaft. Dazwischen steckt die Politik, die nur allzu oft vergisst, dass sie eine Verantwortung für lebenswerte Städte hat. Mein letzter 12tel Blick durch das Gartenjahr lässt das anstrengende und aufregende Jahr 2016 Revue passieren.   Nun ist mein Jahr im 12tel Blick schon vorüber. Es ist jetzt tatsächlich schon elf Monate her, dass ich noch zwischen Schockstarre und Aktionismus schwankte, als die Nachricht kam, dass unsere Schrebergärten einem Luxusimmobilien-Projekt weichen müssten. Es ist traurige Realität, dass Kleingärten zwar in Mode sind und sich Abertausende nach einem Fleckchen Land sehnen, die Flächen aber gern zu Betongold gemacht werden. Der Rubel will rollen und die Politik hilft tatkräftig mit. Die gute Nachricht: Meinen Garten gibt es noch. Die schlechte: 150 Gärtner mussten im Januar bei Eis und Schnee holterdiepolder ihr Hab und Gut verlassen. In Sachen Bau passierte erstmals nichts, für die verbliebenen Gärten blieben Bangen und Hoffen, ob der Investor nicht auch noch weitere Flächen plattmachen lassen würde. Es folgte ein …

Leider plattgemacht: Garten in Oeynhausen

Wahl 18.09.: aus dem Fall Oeynhausen lernen

In genau sechs Wochen ist Wahl in Berlin. Die Gesichter der bekannten Politiker schauen jetzt berlinweit aufs Wahlvolk herunter. Und das meine ich auch im wörtlichen Sinne. Daher stelle ich dir heute die Wählervereinigung „Aktive Bürger“ vor, die auf Bezirksebene in Charlottenburg-Wilmersdorf antritt und eben nicht im Duktus von oben herab mitmischen will, sondern aus Bürgernähe. Sie ist nicht links, nicht rechts, sondern mittendrin in den Kiezen. Sie will eine Alternative sein, die man guten Gewissens wählen kann, wenn man ansonsten bei den etablierten Parteien vor der Frage steht: Pest oder Cholera? Die Kandidaten waren früher bei anderen Parteien jeder Richtung oder kommen aus Bürgerinitiativen. Alle eint, dass sie schmerzlich erfahren haben, dass Politik in Berlin nicht im Sinne der Wählerinnen und Wähler und schon gar nicht nachhaltig betrieben wird. Im Team ist auch Siegfried Schlosser, den ich – damals noch als Pirat – in zahlreichen Sitzungen der Bezirksverordnetenversammlung erleben konnte. Und ich muss sagen, das ist ein Volksvertreter im wahren Sinne. Die Hummel im Hintern der Etablierten – unbequem bis schmerzhaft. Immer wachsam, geradeheraus, im Geiste unabhängig. Dass dieses …

Kleingärten Oeynhausen: bis zu acht Stockwerke

„Darf es noch etwas mehr sein?“, so fragt nicht nur die Dame an der Wursttheke.  So geht es anscheinend auch bei den Entscheidungen rund um die Bebauung des ehemaligen Kleingartenareals Oeynhausen in Berlin-Wilmersdorf zu. Auf einer Informationsveranstaltung unter dem Realsatire-Titel ‚Transparente Kommunikation für Oeynhausen‘ wurde heute nach sechs Monaten „Stillschweigen“ von Slapstickern aller Parteien der Bezirksverordnetenversammlung sowie dem Hauptdarsteller des Investors Groth-Gruppe mitgeteilt, wie sie denn nun aussehen sollen, die Häuserkomplexe auf dem geräumten Areal. Der guten Ordnung halber sei angemerkt, dass auch zwei Statisten auf dem Podium Platz genommen hatten: Siegfried Schlosser, der dort eigentlich nichts zu suchen hatte, da er erklärtermaßen immer gegen eine Bebauung war, und der Vorsitzende des Bezirksverbandes der Kleingärtner. Ich mache es kurz und nicht so spannend: Die meisten der Häuser im Nordbereich werden sechsgeschossig ausfallen, „nur an manchen Stellen“ durch ein siebtes Stockwerk erweitert, der südliche Teil wird Richtung übrig gebliebener Gärten überwiegend achtgeschossig bebaut. Na da haben „die von uns gewählten Volksvertreter“, wie der Akteur der Groth-Gruppe sie so erheiternd nannte, ja ganze Verhandlungsarbeit geleistet.  Und der Investor …

Verschleierte Parteispenden und die Vernichtung von Grünflächen

Bist du Berufspolitiker und in einer Regierung tätig? Nein? Ich auch nicht. Daher antworteten wir wohl auf die Frage, ob Parteienspenden der Einflussname auf den politischen Entscheidungsprozess dienen könnten, mit: „Jau, wär schon möglich.“ Wären wir hingegen zum Beispiel der Stadtentwicklungssenator von Berlin donnerten wir nur ein beherztes „Blödsinn.“ Die Groth-Gruppe und ihre Spenden-Praxis. So geschehen ist das nun in der letzten Woche in unserer hübschen Hauptstadt. Es geht um den dir aus vielen Blogbeiträgen bereits bekannten Bauunternehmer Klaus Groth. Ja genau den, dem auf merkwürdige Weise von der Regierung ermöglicht wurde, 150 Kleingärten platt zu machen, um hier Luxuswohnungen zu bauen. Und der gegebenenfalls noch weitere 150 Gärten über die Klinge springen lässt, wenn nicht alles so läuft, wie er sich das vorstellt. Dessen Spendengebaren kam nun an die Öffentlichkeit. Klaus Groth hat mehrere Wahlkampfspenden an die Regierungsparteien SPD und CDU verteilt. Und nicht etwa öffentlich, sondern säuberlich gestückelt und verschleiert zu jeweils 9.950 Euro – ab 10.000 Euro müssen Spenden transparent gemacht werden. Auch waren verschiedene Unternehmen der Groth-Gruppe die edlen Geber. Wenn …

Gartenglück in Geld aufwiegen

Wie viel ist dir dein Garten wert? Welches unmoralische Angebot müsste man dir machen, dass du deinen Garten räumst? Eine fast philosophische Frage. Stell dir vor, du müsstest zwangsweise deinen Garten hergeben. Und es würde dir der, der dich von der Scholle treibt, eine Entschädigung dafür bezahlen müssen. Was für eine Summe würdest du ansetzen? Und vor allem: Woran würdest du diese festmachen? Am liebevoll hergerichteten Gartenhäuschen? Am Zaun, am Wegebelag aus Granit? An den Bäumen? Oder auch den Stauden und Zwiebelblumen? Mann, was hast du die letzten Jahre da reingesteckt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Während du das Wort Entschädigung durch deinen Kopf kreisen lässt, siehst du dich vielleicht noch die teuren Schneeglöckchenzwiebeln einbuddeln. Und die kostbare Päonie aus England mitbringen. Der Pfirsichbaum – du hattest dich doch für ein schon so großes Exemplar entschieden, das hat tüchtig reingehauen ins Budget. Aber für deinen Garten war dir nichts zu teuer, kein Aufwand zu groß. Dein Unbehagen wird bei diesen Überlegungen immer größer. Entschädigung – was soll das denn für eine Entschädigung sein, wenn dir …

31. Januar 2016

12tel Blick: Freud und Leid liegen nah beieinander

Freud und Leid liegen nah beieinander, sagt man. Wie nah, kann man heute besonders gut beobachten. Während ich den ersten Gartentag des Jahres 2016 verlebe, bedeutet er für viele andere Gärtner den letzten. Bei uns heißt es, die ersten Obstbäume zu beschneiden und braune Staudenreste wegzunehmen, um den fröhlich gelben Winterlingen Platz zu schaffen. Einen Weg weiter mühen sich – wie schon seit Wochen – die Gärtner im Schweiße ihres Angesichts darum, das Hab und Gut zusammenzuklauben. Ab morgen kommen die Bulldozer. Die Sonne mogelt sich durch die Wolken, ich halte meinen 12tel Blick Richtung großes Beet im Sonnenschein fest. Hörte man nicht die Kettensägen im Hintergrund und würde einem die Trauer die Brust nicht zuschnüren, es wäre geradezu idyllisch. Vor einem Monat habe ich mich gefragt, ob ich diesen Blick überhaupt noch einmal werde fotografieren können. In der Zwischenzeit wurde so entschieden: Wer auf der „richtigen“ Seite seinen Garten hat, kann erstmal weitermachen, wer ihn auf der anderen Seite, der straßennahen hat, muss bis heute Abend für den Investor geräumt haben. 150 Gärten bleiben …

Farbenfroher Winterjasmin

Die Kleingärten Oeynhausen – reine Wehmut

Soll man einen Garten winterfest machen, der den Baggern geweiht ist? Packe ich Pflanzen mollig warm ein, die den nächsten Frühling nicht erleben werden? Einfach weitermachen, als wäre nichts? Inwieweit kann man sich selbst überlisten? Mir kamen heute die Tränen, als ich Fotos von jedem Quadratmeter meines Gärtchens machte. Damit ich noch weiß, wo was in der Erde schlummert, wenn ich vor dem Kahlschlag zum letzten Treffen lade, an dem sich Pflanzenfreunde meine Schätze aus dem Boden buddeln dürfen. Mir war so weh ums Herz, als ich beobachten konnte, wie die Nachbarin Vlies um die zartesten Gewächse legte und „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ murmelte. Aber Recht hat sie. Auch ich gärtnere noch, ernte unseren lila Grünkohl, sehe den Meisen beim Naschen am Vogelhäuschen zu. Seufze, wenn ich auf die Knie gehe, um die Christrosenblüten zu fotografieren. Und ich spaziere – wie all die Anwohner – noch immer durch die Gärten. Es kann doch nicht sein, dass ich innerlich den Garten schon aufgebe, bevor es wirklich zu Ende ist. Luft! Ich brauche Luft. Bewegung! Ich brauche …