Unterwegs
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Buchenwald im brandenburgischen Grumsin: Wanderung durchs UNESCO-Weltnaturerbe

UNESCO-Weltnaturerbe Grumsin

Eine Tour nach Brandenburg zum Grumsin, zu einem märchenhaften alten Buchenwald, einem Weltnaturerbe.

„Lass uns einen Ausflug machen, mal wieder so richtig schön als Familie. Spazierengehen, Natur erleben.“ Mein Mann schaute strahlend in die Gesichter seiner mitfrühstückenden Familienmitglieder. Die Resonanz war „generationenentsprechend“: Während unsere Pubertistin frage, ob chillen nicht eine absolut vorzuziehende Alternative sei, war ich alter Wandervogel Feuer und Flamme: „Jaa! Nach Brandenburg!“

Zu zweit ging es in die Uckermark Richtung Chorin, genauer gesagt zum Grumsin ins Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Der Grumsin ist ein seit 20 Jahren nicht mehr genutzter Buchenwald, der sich langsam wieder zum verwunschenen Urwald entwickelt. Allerdings wurde der Laubwald auch vorher nicht für die Holzindustrie genutzt: In der DDR war er Staatsjagdgebiet. Ein Betretungsverbot kam zahlreichen störempfindlichen und seltenen Tierarten zugute. Wir haben Rehe und etwas „kleines, schnelles, Wolliges“ gesehen – einen Marder vielleicht? Über uns kreisten Kraniche, die sich später zum Liebestanz im Sumpf niederließen, und am Rande zu den Feldern erspähten wir Feldhasen – ein beglückendes Bild an einem Ostertag.

2011 wurde der Grumsin mit vier weiteren deutschen Wäldern in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen. „Alte Buchenwälder Deutschlands“ umfasst den Hainich in Thüringen, den Kellerwald in Hessen und die Wälder von Serrahn und Jasmund in Mecklenburg-Vorpommern. Der vorherrschende Waldökosystemtyp im Grumsin ist der Flattergras-Buchenwald.

Es ging tüchtig auf und ab auf unserem Weg durch die Endmoränenlandschaft. Der Wald ist geprägt durch hohe Hügel und tiefe Senken, durch Erlensümpfe und Kesselmoore. Mit Leichtwanderschuhen wären wir deutlich besser ausgerüstet gewesen als mit unseren Winterstiefeln. Froh waren wir, dass wir mittels Smartphone auf Landkarten zurückgreifen konnten. Man läuft, ohne einem weiteren Menschen zu begegnen, querfeldein, nur grob orientiert. Wege gibt es wenige bzw. die Natur hat sie sich längst einverleibt. Inzwischen weiß ich aber, dass es eine App gibt, mit der man sich durch alle alten Buchenwälder Deutschlands navigieren kann. So eine digital geführte Tour würde es der Generation Smartphone sicher deutlich erleichtern, mit Mama und Papa im Wald zu sein. Denn auch das kann äußerst chillend wirken – man muss sich nur drauf einlassen.

Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken.

Infopunkt UNESCO Weltnatur-Erbe Buchenwald Grumsin
Altkünkendorfer Straße 22
16278 Angermünde, OT Altkünkendorf

2 Kommentare

  1. Steffi sagt

    Schöne Eindrücke, liebe Xenia.
    Ich finde es wunderbar, dass es bei uns Ecken gibt, die nicht, noch nicht oder nicht mehr total erschlossen sind, wo die Natur mehr oder weniger sich selbst überlassen bleibt.

    Hab ein schönes Wochenende!
    Steffi

    • Berlingärtnerin sagt

      Ich bin auch immer wieder fasziniert, dass man tatsächlich noch ganze Tage unterwegs sein kann, ohne eine Menschenseele zu treffen und nur den Balzruf der Kraniche und das Geraschel von Blättern zu hören.

      Auch dir ein schönes Wochenende, beste Steffi!

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