Frühling in East Lambrook Manor

Über einen Gartenbesuch in East Lambrook Manor im südlichen Somerset, England. Und natürlich über Margery Fish, die hier als Autodidaktin den Cottage Garden schlechthin schuf.

Wer im März eine Gartenreise nach England unternimmt, hat entweder einen Vogel oder schulpflichtige Kinder. Ich habe vermutlich beides. Letzteres zwingt mich jedenfalls, Urlaub in den Schulferien zu nehmen. Und so kam es, dass ich Ende März, Anfang April in England unterwegs war und vor der Aufgabe stand, einen Garten aufzutun, der einen nicht nur erdbraun angähnt, sondern schon „Gartenkunst“ ruft.

Ich wurde fündig. Denn zum Glück gibt es East Lambrook Manor. Zugegeben: Auch er ist erst so richtig der Hit, wenn im Sommer die Storchschnäbel in die Wege wallen und die ganze Bauerngartenpracht kaum zu bändigen ist. Aber: Es gibt einen Graben mit Frühlingsblühern und einen Lenzrosengarten. Das klang vielversprechend.

Der Cottage Garden schlechthin.

East Lambrook Manor ist wie so viele der berühmten englischen Gärten das Werk einer Autodidaktin. Als Margery Fish in den 1930er Jahren mit ihrem Mann Walter hier einzog, war sie schon in den Vierzigern und hatte keinerlei Gartenerfahrung. Ihr Mann ebenfalls nicht. Als typische Londoner suchten sie anfänglich eine hübsche Bleibe auf dem Land, um am Wochenende rausfahren zu können. Der Garten sollte daher vor allem so gestaltet sein, dass er unter der Woche ohne viel Aufmerksamkeit auskommen konnte. Margery kam als Lösung in den Sinn, vor allem Bauerngartenstauden zu pflanzen, die unkompliziert sind und sich in der direkten Umgebung bewährt hatten. Bei immerhin 4.000 m² keine schlechte Idee. Ehemann Walter teilte ihre Vorstellungen eines Bauerngartens nicht immer, aber am Ende hatte Margery den längeren Atem – im wahrsten Sinne. Sie überlebte ihm um beinahe 20 gartenproduktive Jahre.

Und so gilt East Lambrook Manor heute als der Cottage Garden schlechthin. Die Stichworte sind Üppigkeit, Einfachheit, Ungezwungenheit. Trotz des für deutsche Verhältnisse großen Bauernhauses und der Unmengen herrlicher Pflanzen wirkt der Look bescheiden. Andere Gärten protzen, folgen starren Regeln oder kommen wie Statussymbole daher. Margerys Garten wurde dem eigenen Geschmack folgend gepflanzt. Carefree Gardening in einer Zeit, in der strenge Konventionen auch im Gartendesign galten.

In den frühen fünfziger Jahren, nach Walters Tod, öffnete Margery ihren Garten auch für die Öffentlichkeit. Sie gab ihr Wissen als Autorin zahlreicher Fachbücher weiter – die sehr unterhaltsam geschrieben sind! – und unterhielt auf ihrem Gartengelände eine kleine Gärtnerei, um die Nachfrage nach ihren Pflanzenschätzen befriedigen zu können.

Sie verband auch eine enge Freundschaft zu Phyllis Reiss, die im nahen Tintinhull gärtnerte. Die beiden Witwen zogen gemeinsam durch Somerset, um sich auf die Jagd nach alten Cottage-Garden-Blumen zu machen und sie vor dem Verschwinden zu bewahren. Was für eine nette Lebensgeschichte!

Carefree Gardening – immer locker bleiben.

Bei meinem Besuch musste ich natürlich die Jahreszeit berücksichtigen. Umso begeisterter war ich. Auch jetzt schon war die Atmosphäre von mach dich mal locker, machs ungezwungen zu spüren.

Aufgefallen sind mir hübsche kleine gepflanzte Szenarien. Der besagte Graben soll im Januar komplett weiß von Schneeglöckchen sein, jetzt strahlte er in knackeblau. Es gibt Mauern sowie  tiefer liegende Bereiche, die dem Areal Spannung geben. Im Helleborusgarten kann man sich vor lauter Lenzrosen gar nicht vorstellen, was hier an Sommerstauden überhaupt noch hinpasst. Ich werde wiederkommen müssen, um mir ein eigenes Bild zu machen.

Margery lebte bis zu ihrem Tod 1969 in East Lambrook Manor. Danach erfuhr das Anwesen einige Ups and downs. In den Besitz den National Trust kam es nicht. Seit 2008 hat es das große Glück, dass seine neuen Privatbesitzer Mike und Gail Werkmeister den Garten in Margerys Stil weiterführen, aber nicht stehen bleiben. Mike kennt und liebt Pflanzen, er erneuert Haus und Beete, er kümmert sich. Und als wir dort waren, verkaufte er auch Eintrittstickets und Postkarten und servierte Törtchen mit Tea im Café. Im Team mit Chefgärtner Mark Stainer ist er sicher das Beste, was dem Garten und uns als Besuchern passieren konnte.

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