Feigenblätterzucker selber machen: köstliche Gartenidee mit Feigenblättern
Feigenblätter können mehr, als nur schön aussehen: Getrocknet und mit Zucker vermahlen, entwickeln sie ein intensives Aroma nach Kokos, Tonkabohne und vor allem nach Feigenblatt. Mein Rezept: So erntest, trocknest und verarbeitest du sie richtig.
Viele Blätter, wenige Feigen? Die Ernte steckt trotzdem im Baum.
Feigenbesitzer kennen diese Mischung aus Hoffnung und Ungeduld: Der Baum wächst prächtig, schiebt ein riesiges Blatt nach dem nächsten, doch die Früchte lassen sich Zeit. Oder sie bleiben klein, fallen vorzeitig ab oder werden vor dem Herbst einfach nicht mehr reif.
Bei meiner Feige sieht es in diesem Jahr zum Glück nach einer guten Ernte aus. Trotzdem habe ich entdeckt, dass nicht nur die Früchte interessant sind. Auch die Blätter lassen sich nutzen und verwandeln sich getrocknet in eine sehr aromatische Zutat.
Allein der Geruch hat mich zunächst noch nicht vom Hocker gehauen. Er ist ziemlich „grün“, etwas kokosartig und lässt noch nicht unbedingt vermuten, dass hier gleich eine kulinarische Karriere beginnt.
Beim Probieren sieht die Sache völlig anders aus. Der Zucker schmeckt warm und intensiv, zunächst nach einer Mischung aus Tonkabohne und Kokos. Dann bleibt das Aroma lange im Mund und entwickelt einen ganz eigenen Charakter. Nachdem ich den Zucker nun öfter verwendet habe, kann ich es eindeutig benennen: Es schmeckt nach Feigenblatt. Offenbar gibt es Geschmacksrichtungen, von denen man erst erfährt, wenn man sie selbst herstellt.
Wenn du einen Feigenbaum im Garten oder im großen Kübel besitzt, musst du also nicht ausschließlich auf reife Früchte warten. Du kannst ganz einfach Feigenblätterzucker selber machen: Einige ausgewählte Blätter eröffnen eine zweite kulinarische Nutzung.
Welche Feigenblätter eignen sich für Feigenblätterzucker?
Für den Zucker verwende ich gesunde, kräftige Blätter meiner Echten Feige (Ficus carica). Sie sollten frisch aussehen, frei von Flecken und Fraßschäden sein und natürlich von einem Baum stammen, der nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde.
Ich pflücke nur einige ausgewählte Blätter und verteile die Ernte über den ganzen Baum. Schließlich soll die Feige ihre Früchte weiterhin versorgen und nicht den Eindruck gewinnen, sie sei versehentlich in eine Salatbar geraten.
Wichtig ist außerdem, dass es sich tatsächlich um eine Echte Feige handelt. Blätter irgendeiner dekorativen Zimmerpflanze namens Ficus gehören nicht in den Zucker. Wer seinen Feigenbaum nicht sicher bestimmen kann oder nicht weiß, wie er behandelt wurde, sollte auf die Verwendung verzichten.
Vorsicht beim Pflücken: der Milchsaft der Feige.
An den abgebrochenen Blattstielen tritt am Anfang ein wenig weißer Milchsaft aus, daher Achtung beim Pflücken.
Der Pflanzensaft enthält Furocumarine. Gelangen diese Stoffe auf die Haut und kommt anschließend Sonnenlicht hinzu, können Rötungen und brennende Hautreaktionen entstehen. Ich trage beim Ernten deshalb Handschuhe und achte darauf, den Milchsaft möglichst nicht auf die Haut zu bekommen. Sollte doch Milchsaft auf die Haut gelangen, wasche ich die Stelle gründlich mit Wasser und Seife ab und schütze sie anschließend vor Sonne.
Auch für saubere Blätter lohnt sich etwas Umsicht: Ich halte sie nach dem Pflücken so, dass die Schnittstelle am Stiel nach unten zeigt und der Saft nicht auf die Blätter tropft.


Feigenblätter richtig trocknen.
Mit einer Schere entferne ich die Stiele und einen Teil der kräftigen Mittelrippen. Dann lege ich die Blätter nebeneinander auf ein Backblech und trockne sie bei 150 Grad Umluft etwa 20 Minuten.
Fertig sind sie, wenn sie sich leicht zerbröseln lassen und beim Anfassen deutlich rascheln. Das ist mein schönstes Küchengeräusch.


Feigenblätterzucker selber machen: Mengenangaben.
Für meinen Feigenblätterzucker habe ich zehn Blätter verwendet. Nach dem Trocknen blieben davon ungefähr zehn Gramm übrig. Diese habe ich grob zerbröselt und zusammen mit 250 Gramm Zucker im Mixer fein zerkleinert. Das entspricht ungefähr einem Verhältnis von einem Teil getrocknete Feigenblätter zu 25 Teilen Zucker.
Der Zucker bekommt dabei eine fein grünliche Farbe und ein intensives Aroma. Anschließend fülle ich ihn in ein sauberes, vollständig trockenes Glas oder Döschen. Hübsch verpackt ist er übrigens auch ein schönes kleines Geschenk aus dem Garten – sofern man sich überhaupt von ihm trennen möchte.




Wozu passt Feigenblätterzucker?
Mit seinem Aroma nach Feigenblatt, Kokos und Tonkabohne passt der Zucker besonders gut zu schlichten Speisen, bei denen er nicht untergeht. Ich streue ihn sparsam über Naturjoghurt, Milchreis, Porridge sowie frische Früchte. Auch Sahne, Desserts und feines Gebäck lassen sich damit aromatisieren.
Feigenblätterzucker mit Augenmaß genießen.
Feigenblätter werden zwar kulinarisch verwendet, enthalten aber auch den bereits erwähnten Stoff Furocumarin. Wie so oft gilt daher: Die Dosis macht das Gift. Eine kleine Prise zum Aromatisieren ist etwas anderes, als Feigenblätterzucker täglich löffelweise zu verwenden.
Ich behandle ihn deshalb wie ein Gewürz und setze ihn sparsam ein. Eine wissenschaftlich festgelegte unbedenkliche Verzehrmenge für selbst hergestellten Feigenblätterzucker gibt es nach meinem Kenntnisstand nicht (schreib gern in die Kommentare, wenn du da mehr weißt). Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, schwanger oder gesundheitlich unsicher ist, sollte vor dem Verzehr fachlichen Rat einholen.
Mein Fazit: Auch die Blätter verdienen Beachtung.
Feigenblattzucker ist für mich eine dieser Gartenideen, bei denen aus wenig Aufwand etwas Besonderes entsteht. Zehn Blätter, etwas Zucker, ein Backblech und ein Mixer – mehr braucht es nicht.
Am meisten gefällt mir, dass der Feigenbaum damit noch eine zweite kulinarische Seite zeigt. Die Früchte dürfen weiter in Ruhe reifen, während ein paar Blätter schon vorher für Vergnügen sorgen. Und spätestens beim Probieren wird klar: Feigenblatt ist tatsächlich eine eigene Geschmacksrichtung.
Falls du einen Feigenbaum hast, probiere es aus. Ich bin gespannt, ob du das Aroma ebenfalls zwischen Kokos, Tonkabohne und etwas ganz Eigenem einordnest oder dafür noch eine bessere Beschreibung findest. Lass mir daher wie immer sehr gern einen Kommentar da.
Hinweisen möchte ich dich zum Abschluss noch unbedingt auf meine Rezepte für unreife grüne Feigen: hier die Variante in süß, hier die in herzhaft. Lecker!
Feigenblätterzucker selber machen: häufige Fragen.
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