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Süßkartoffeln: alles übers Vorziehen, Pflanzen, Pflegen, Ernten

Süßkartoffel-Tipps

Süßkartoffeln sind die neuen Stars in der Küche: rauf aufs Backblech und kurze Zeit später beginnt der Genuss. Auch im Garten oder auf dem Balkon lässt sich die orange Knolle ganz leicht ziehen.

Hast du Lust auf den Anbau einer Pflanze, die dir mit ihrer Blattmasse einen “natürlichen Mulch” im Küchengarten beschert? Dann probiere die Süßkartoffel Ipomoea batatas aus, die übrigens mit unserer altbekannten Kartoffel nicht verwandt ist. Bei der Süßkartoffel handelt es sich um ein ursprünglich aus Mittelamerika stammendes Windengewächs, wie du beim Anbau angesichts ihrer langen Triebe schnell merken wirst. Man kann (und sollte!) die Blätter wie Spinat zubereiten, wir haben es aber insbesondere auf die verdickte Speicherwurzel abgesehen, die sich in der Erde als Knollen bilden. Sie enthalten viel Zucker, daher der Name, Stärke sowie verschiedene Carotinoide und Anthocyanine, so dass die Farbe zwischen weiß, gelb, orange, rosa oder violett variieren kann.

Süßkartoffeln vorziehen.

Bataten kannst du entweder als Jungpflanzen zum Aussetzen kaufen oder selbst vorziehen. Das einfachste wäre, Knollen in Töpfe mit Erde zu setzen, das Substrat moderat feucht zu halten und die Pflanzen an einem hellen und warmen Ort treiben zu lassen.

Ich habe es jedoch mit dem Antreiben in Wasser versucht und dazu zwei kleine Restkartoffeln aus meiner Vorjahresernte verwendet. Das Vortreiben ging sehr gut und richtig schnell. Ich habe die Knolle quer halbiert, mit Zahnstochern versehen und sie rund 2 cm tief in ein Töpfchen mit Wasser gehängt. Bereits nach einer Woche gab es Wurzelansätze.

Wenn du es mit gekauften Süßkartoffeln probieren möchtest, rate ich zu Bioware, da ich generell bevorzuge, in unserem “Biotop Garten” nur Bio zu verwenden, außerdem können wir dann darauf hoffen, dass keine Wachstumshemmer verwendet wurden.

Klicke auf die Fotos und sie vergrößern sich:

Sind die Wurzeln länger geworden und haben sich die Triebe gut entwickelt, können letztere vorsichtig abgedreht werden. Entweder haben sie selbst bereits Wurzeln gebildet, dann kannst du sie direkt in Töpfe auspflanzen, haben sie noch keine, stell sie wieder ins Wasser, sie bilden dann sehr schnell welche. Auch das Knollenteil selbst kannst und solltest du einpflanzen, wenn noch Triebe daran sind.

Süßkartoffeln vorziehen

Links die gut entwickelten Zöglinge in Wasser, rechts anschließend in Erde getopft

Bataten pflanzen und düngen.

Süßkartoffeln sind sehr kälteempfindlich, sie sollten daher nicht vor den Eisheiligen mit unserem deutschen Wetter Bekanntschaft machen.

Vor dem Auspflanzen ist es wichtig, das Substrat ganz vorsichtig zu entfernen und die Wurzeln zu lockern, damit sich später die Verdickungen gut ausbilden können. Im Beet sollte ein halber Meter zwischen den Pflanzen Abstand sein, da sich Windentriebe mit einer Länge zwischen 0,5 und 4 Metern bilden werden. Die Erde sollte wie im gesamten Küchengarten gut vorbereitet und mit allen Nährstoffen versorgt sein – Süßkartoffeln sind Starkzehrer. Als Faustregel gilt: 3 Liter reifer Kompost und 100 g Hornmehl pro Quadratmeter. Aufschluss, über das, was speziell dein Boden braucht, gibt eine Bodenanalyse. Da es noch etwas dauern wird, bis die Erde von den Blättern bedeckt ist, lohnt es sich, Schnellstarter wie Radieschen, Rucola oder Spinat zu säen. Hohe Gemüse wie Mais passen ebenfalls dazu und gelten in der Mischkultur als sinnvoll. Für eine höhere Diversität bieten sich auch attraktive Blüher wie Tagetes und Kapuzinerkresse als Partner an.

In Topfkultur sollte das Gefäß groß sein und Platz nach unten lassen. Wichtig ist ein sonniger Standort. Im Kübel reicht eine einmalige Düngung nicht, ich empfehle ab dem Zeitpunkt, wenn die Pflanze richtig durchtreibt, eine sparsam dosierte wöchentliche Gabe mit einem flüssigen Gemüsedünger. Achte darauf, dass du das Substrat weder zu trocken noch zu nass hältst.

Süßkartoffeln Topfkultur

Ich habe meine Bataten letztes Jahr in Topfkultur angebaut

Süßkartoffeln ernten und lagerfähig machen (Curing).

Mit der Ernte kannst du dir Zeit lassen. Die Süßkartoffel konzentriert sich über die Saison auf ihr Blattwachstum und beginnt erst ab September mit der Knollenbildung. Im Oktober beginnen die Blätter gelblich zu werde, das Zeichen, dass sich die Vegetationsperiode dem Ende nähert. Die Ernte sollte dann erfolgen, bevor die ersten Fröste zu erwarten sind, denn die mag unsere Südamerikanerin natürlich gar nicht. Sei vorsichtig mit dem Aufnehmen der Knollen, damit du die dünnen Schalen der Süßkartoffeln nicht verletzt. Bei meiner Topfkultur letztes Jahr habe ich den Topf kurzerhand auf die Seite gelegt.

Süßkartoffel-AusbeuteErntemenge einer Pflanze

Die Bataten werden anschließend vorsichtig gewaschen und in der Sonne getrocknet. So richtig süß schmecken sie überraschenderweise noch nicht. Das liegt daran, dass die Stärke noch nicht in Zucker umgewandelt wurde. Dazu ist eine Art Wärmebehandlung (Curing) nötig, die die klimatischen Bedingungen der Heimat nachbildet: Süßkartoffeln brauchen feuchte Wärme.

Ich habe ein “Curing nach Hausfrauenart” durchgeführt: Die Süßkartoffeln werden angefeuchtet, in eine dunkle Plastiktüte gesteckt und an die Heizung gehängt. Eine Woche lang habe ich dann regelmäßig geprüft, dass nichts anfängt zu faulen und wieder ein wenig Wasser nachgesprüht. Anschließend konnte ich die Süßkartoffeln ganz normal in unserer Speisekammer lagern. Alt geworden sind die Knollen sowieso nicht, dafür sind sie ja viel zu lecker. Nur die zwei Kleinen habe ich aufbewahrt, die Gründerinnen meiner diesjährigen Süßkartoffel-Familie.

Meine Ernte kannst du dir hier auch im Video ansehen:

4 Kommentare

  1. Sylke Beckmann sagt

    Hallochen
    Ich habe das erste Mal Süßkartoffeln im Topf gehabt und gerade geerntet.
    Sie sind lang und dünn….
    Die könnte ich nicht mal schälen..
    Was habe ich falsch gemacht?
    LG Sylke

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Sylke,

      das klingt ja traurig. Also dass die Süßekartoffeln von der Form eher länglich sind, kommt daher, dass die Knollen verdickte Wurzelstränge sind. Das ist also normal. Dass sie dünn geblieben sind, bedeutet, dass sie ab dem Spätsommer nicht genügend zulegen konnten. Da stellt sich die Frage, ob die Reifezeit im Topf lang genug war/wann du ausgepflanzt hast, ob das Gefäß von der Größe her stimmt, du gegossen und gedüngt hast? Wichtig ist auch, dass sich die Wurzeln entfalten können, also gut in die Länge wachsen und nicht zu stark in sich verknickt waren. Letzte Frage: Was hattest du als Pflanzkartoffeln?

      Liebe Grüße und lass den Kopf nicht hängen,
      Xenia

  2. theo sagt

    Liebe Xenia,
    ja Süßkartoffeln machen echt Spaß sowohl in der Erde als auch auf dem Teller. In mein Hochbeet habe ich mir letztes Jahr eine Pflanze gesetzt und war erstaunt wie schön die auch blüht. Bei der Ernte wusste ich nicht was mich erwartet, im Hochbeet musste ich sehr tief graben um die riesigen Knollen ernten zu können. Leider sind dabei einige nicht heil heraus gekommen, wie du schon schreibst die Knollen sind etwas empfindlich. Dass man sie bearbeiten muss damit sie süß werden, wusste ich nicht. Allerdings kann ich mich auch nicht genau erinnern ob sie süß geschmeckt haben oder nicht. Vielleicht haben sie aber auch schon das richtige Klima im Hochbeet gehabt. Süßkartoffeln – kann ich sehr empfehlen.
    Liebe Grüß
    Theo

    • Berlingärtnerin sagt

      Lieber Theo,
      eine interessante Überlegung, dass es die Süßkartoffeln im Hochbeet vielleicht besonders schön mollig hatten. Auf jeden Fall bietet es sich für die langen Ranken absolut an. Ja, die Pflanzen bilden kleine Windenblüten. Meine waren weiß, leider habe ich es versäumt, sie zu fotografieren. Das hole ich in diesem Jahr nach.

      Beste Grüße
      Xenia

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