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Das Interview: Julia von Ackerdemia über den Erhalt alter Gemüsesorten

Forellenschluss ist ein Kopfsalat

Enthält Werbung für den guten Zweck*

In meiner Reihe über spannende Menschen mit grünem Daumen möchte ich euch heute Julia von Ackerdemia vorstellen, einer Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Wertschätzung für Gemüse zu steigern: durch Bildungsprogramme für Kinder, Mitmachangebote für Unternehmen und ein ganz neues Angebot zum Anbau alter Gemüsesorten in dem eigenen Garten oder auf dem Balkon.

Liebe Julia, stell dich doch bitte kurz vor.

Julia und Gartenfan

Julia und kleiner großer Gartenfan

Ich bin einer Berliner Pflanze und habe nach meinem Sportökonomiestudium sechs Jahre lang bei einer Fluggesellschaft im Marketing gearbeitet. Im Jahr 2014 habe ich während meiner Elternzeit den Verein Ackerdemia mitgegründet. Seit dem letzten Jahr kümmere ich mich bei Ackerdemia hauptsächlich darum, unser neues Programm Black Turtle auf- und umzusetzen.

Wer oder was hat die Leidenschaft für Pflanzen in dir geweckt?

Ganz ehrlich gesagt, bin ich erst durch Ackerdemia so richtig zum Gärtnern und dem Gemüseanbau gekommen und bin mittlerweile ein richtiger Gemüse-Fan!

Du arbeitest bei Ackerdemia – steckt hinter diesem originellen Namen ein ebenso originelles Projekt?

Ja klar, und nicht nur ein Projekt. Aber insbesondere stecken hinter Ackerdemia mittlerweile knapp 90 originelle Menschen, die sich mit Leidenschaft und Herzblut für unsere Vision einsetzen: mehr Wertschätzung für Natur und Lebensmittel.

Kinder in der Ackerdemia

Was hat es speziell mit dem Bildungsprogramm „GemüseAckerdemie“ auf sich?

Die GemüseAckerdemie ist unser Leuchturm, damit hat 2013 alles angefangen. Innerhalb des Bildungsprogramms bauen Kinder und Jugendliche in der Kita oder der Schule ihr eigenes Gemüse an mit dem Ziel, eine junge Generation für eine gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit zu begeistern. So bunt wie die Gemüsearten sind auch die drei Programmrichtungen: AckerSchule, AckerKita und GemüseKlasse. Letzteres ist ein Indoor-Programm.

Gemüseackerdemie

Wie reagieren die Kinder auf euer Angebot?

Manche Kinder sind anfangs etwas skeptisch, aber am Ende sind alle total begeistert. Ganz zu Beginn sagte ein Junge mal zu uns: “Boah, was ist das denn? Ich bin Gamer und kein Bauer!” Er hat dann jedoch im folgenden Jahr noch einmal freiwillig an der GemüseAckerdemie teilgenommen. Ich meine sogar, an einem Samstag, außerhalb der regulären Unterrichtszeiten.

Kinder pflanzen Gemüse

Seit dem ersten Spatenstich evaluieren wir unsere Arbeit auf dem Acker und können mit Stolz sagen: Die GemüseAckerdemie macht nicht nur Spaß, sondern verändert auch etwas bei den Kindern. Das zeigt unser jährlich erscheinender Wirkungsbericht.

Ihr habt auch das Programm “Black Turtle – alte Sorten für junges Gemüse” ins Leben gerufen. Dabei geht es sicher nicht darum, sich Schildkröten als Haustiere anzuschaffen, die einem den Salat wegknabbern sollen?

Mit Black Turtle verlassen wir unsere gut bekannte Zielgruppe „Schulen & Kitas“ und lassen die Menschen zu Hause alt aussäen. Das über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderte Programm zum Erhalt von alten Sorten haben wir im letzten Jahr mit 400 Personen erfolgreich gestartet und über zehn alte Sorten ausgesät und aussäen lassen – mit viel Spaß und toller Ernte.  Wir haben viel gelernt und legen nun noch einen drauf: Insgesamt neun verschiedene Gemüsearten und 18 alte Sorten bauen wir in diesem Jahr mit den Teilnehmer*innen an. Die Anzahl der Teilnehmenden ist allerdings auch in diesem Jahr begrenzt. Ach – und Black Turtle hat natürlich nichts mit Schildkröten zu tun, sondern das ist der Name einer alten schwarzen Bohnensorte, die wir auch in diesem Jahr wieder anbauen werden.

Set Black Turtle

Das Set Black Turtle beinhaltet Saatgut und Pflanzkartoffeln sowie Holzetiketten und nützliche Tipps

Das heißt: Indem ich das Black Turtle Set bestelle und anbaue, kann ich einen aktiven Beitrag zur Erhaltung und Vermehrung alter Sorten leisten?

Ja genau! Wir ermutigen die Teilnehmer*innen auch einen Teil ihrer Ernte stehen zu lassen um Saatgut zu gewinnen, um dieses dann zu verteilen, selbst wieder anzubauen oder auf den immer beliebter werdenden Saatgut-Tauschbörsen mit anderen Gemüsefreund*innen zu teilen. So dass uns die alten Sorten erhalten bleiben.

Bohnen vermehren

Nach welchen Kriterien sucht ihr die Sorten aus und wie und wo gewinnt ihr das Saatgut?

Es gibt einige Kriterien, die uns ganz besonders wichtig sind: Das ist zum einen, dass wir nur samenfeste Sorten in unsere Auswahl aufnehmen, also Saatgut, das auch vermehrt werden kann, und, dass es aus biologischem Anbau kommt. Teilweise verwenden wir Saatgut aus eigener Vermehrung, aber natürlich kaufen wir auch Saatgut ein. Es handelt sich dabei immer um alte Sorten, die eine tolle Geschichte haben. Diese erzählen wir unseren Teilnehmer*innen im Laufe der Zeit und wollen sie auf diesem Wege für das Thema begeistern!

Kartoffelernte

Muss man für den Anbau der Gemüse viel Vorwissen und einen großen Garten haben?

Nein, man muss überhaupt kein Vorwissen haben und man braucht auch keinen großen Garten. Ein Balkon oder ein Hochbeet genügt. Oder eine kleine Fläche im Garten in der Größe von etwa zwei Hochbeeten. Unser Ziel ist es, sowohl blutigen Anfängern den ersten Schritt in die Gemüsewelt zu ermöglich, aber genauso auch mit richtigen Profis in die botanischen und ökologischen Tiefen einzutauchen.

Black Turtle Hochbeet

Magst du uns noch deine wichtigsten Tipps verraten, um erfolgreich Gemüse anzubauen?

Ich bin ehrlicherweise nicht die erste Adresse in unserem Team, die man nach Gemüseanbau-Tipps fragt, dafür haben wir unsere Gemüsespezialist*innen. Aber: ohne einen guten Boden, keine gute Ernte. Allerdings ist Erfolg ja auch relativ. Während für die Eine eine kleine Möhre ein großer Erfolg sein kann, ist für den Anderen nicht einmal die dickste Kartoffel gut genug. Mein persönlicher Tipp ist: mit Neugier und Spaß einfach ran ans Gemüse. Es gibt so viel zu entdecken. Und ich möchte denjenigen kennenlernen, der nicht voller Stolz ist, sein eigenes Gemüse zu ernten – egal ob groß oder klein!

Erntestolz

Herzlichen Dank für das Interview, liebe Julia, ich werde in dieser Saison gern eure Sorten ausprobieren und hier im Blog berichten.

*Die Ackerdemia stellt mir das Black Turtle Anbau-Set zum Testen kostenfrei zur Verfügung. Wenn du ebenfalls mitmachen möchtest und Lust hast, dass wir die Gemüsesaison gemeinsam bestreiten, kannst du mit dem speziellen berlingarten-Rabatt 20 % sparen. Mit diesem Link geht es zum Shop. Der Rabatt ist dort gleich hinterlegt. [Alternativ kannst du ganz normal in den Black-Turtle-Shop klicken und im Bezahlvorgang den folgenden Rabattcode eingeben: berlingarten20]

Copyrights Fotos: Bilder 2, 3, 5 und 10: Katharina Kühnel; alle anderen Ackerdemia

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