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Das Interview: Foodblogger Krautkopf über die Bedeutung ihres Gartens

mischkultur Krautkopf

In meiner Serie über spannende Menschen mit der Liebe zu Grün und Natur erzählen heute Susann und Yannic von Krautkopf über die Bedeutung, die ihr vor zwei Jahren angelegter Garten für sie und ihre Arbeit hat.

Hey, Susann und Yannic, wie schön, dass wir bei euch auf die Teller und über den Gartenzaun schauen dürfen. Ihr betreibt sehr erfolgreich das Foodblog Krautkopf. Wie kam es dazu?

Neben unserer Liebe zur Fotografie gehören Kochen und Essen zu unseren größten Leidenschaften. Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, unsere Fotos und Rezepte mit anderen teilen zu können. Als wir Krautkopf 2013 ins Leben gerufen haben, war uns allerdings noch gar nicht so richtig klar, was es bedeutet, zu bloggen. Dass prompt ein Austausch mit Lesern entstanden ist, hat uns ziemlich überrascht und natürlich auch motiviert, weiterzumachen. Nach einem halben Jahr kam die Anfrage für ein eigenes Buch und seitdem überschlug sich alles ein wenig. So wurde Krautkopf in den letzten Jahren, von einem bloßen Zeitvertreib neben unserem damaligen Beruf als Hochzeitsfotografen, zu einem beträchtlichen Teil unseres Lebens.

Krautkopf Portrait

Jahrelang habt ihr in Berlin gelebt und auf eurem Balkon eigenes Gemüse gezogen. Dann kam ein Praktikum auf einem Gemüsehof. Inzwischen lebt ihr auf dem Land mit großem Garten – ein konsequenter Schritt, noch stärker Einfluss auf eure Nahrungsmittel zu nehmen?

Wir haben ohnehin schon viele Jahre mit möglichst saisonalen und regionalen Zutaten vom Wochenmarkt gekocht. Daher war es für uns die logische Konsequenz, Gemüse selbst anzubauen und erntefrisch zu verarbeiten. Unsere kleine grüne Balkon-Oase auf wenigen Quadratmetern ermöglichte das natürlich nur in einem ganz kleinen Rahmen. Der Wunsch nach mehr schlummerte schon eine Weile in uns. Für uns hat sich vor zwei Jahren mit unserem Haus in Mecklenburg, mit großem Grundstück, ein Traum erfüllt. Noch bevor wir den ersten Farbstrich machten, kam im Garten der Spaten zum Einsatz. Wir finden es wunderbar, alte und besondere Sorten anzubauen und auch bestimmte Teile der Pflanzen zu nutzen, die man auch auf den ausgewähltesten Märkten in der Großstadt nur mit viel Glück bekommt. Uns interessiert besonders das direkte Erleben und Verstehen von natürlichen Prozessen. Natürlich freuen wir uns über Ernteerfolge, aber das Machen selbst steht sehr im Vordergrund.

Gemüsegarten von oben

Jungpflanzen im Gewächshaus Essen im Gewächshaus

Die Digitalisierung hat es möglich gemacht, dass ihr euer Business auch in Mecklenburg-Vorpommern betreiben könnt (anscheinend habt ihr stabiles Internet). Seht ihr einen Trend, dass junge urbane Menschen den Städten den Rücken kehren, um ein im wahrsten Sinne geerdetes Leben zu führen?

Die Sehnsucht nach einem Leben im Einklang mit der Natur hat wohl nicht nur uns gepackt. Allerdings kennen wir nur wenige, die diesen Wunsch auch in die Tat umsetzen oder sich, wie auch wir anfangs, nur eine zeitweise Alternative zur Stadt schaffen wollen. Das urbane Leben loszulassen kann nicht nur bedeuten, neue Freiheiten zu gewinnen, sondern auch Bequemlichkeiten wie Cafés, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, kurze Wege zu Freunden etc., zurückzulassen. Es ändern sich gleichzeitig das gewohnte Umfeld sowie der komplette Alltag. Die Angst davor übersteigt wohl bei vielen den Wunsch nach einem Leben auf dem Land. Einen wirklichen Trend sehen wir daher bisher nicht.

Yannic Erbengerüst

Einsetzen der Jungpflanzen

Ein Garten hat seinen eigenen Kopf. Wie gut kamen Krautkopf und Gartenkopf bisher miteinander klar?

Wir lassen uns gerne auf die Natur ein, auch wenn sie manchmal anders will, als wir es uns vorstellen. So entstehen immer neue Ansätze, die wir vorher gar nicht bedacht haben. Seit wir hier sind und mit dem Grundstück arbeiten, kam bisher nie eine Unzufriedenheit auf, wenn etwas anders gelaufen ist, als geplant. Wir sehen das Ganze als Lernprozess und stellen uns gerne den Herausforderungen, die der Garten für uns bereithält. Wir werden sicher nie an einen Punkt kommen, an dem alles “fertig” oder gar “perfekt” ist, aber wo würde da auch der Spaß bleiben?!

Essbare Blütenpflanzen Susann im Gewächshaus mit Gurken

Verbringt ihr inzwischen mehr Zeit mit dem Anbau und der Ernte eures eigenen Obsts und Gemüses als mit dem Kochen und Bloggen?

Der Anbau selbst nimmt tatsächlich gar nicht so viel Zeit in Anspruch. Zumindest nicht, wenn man einigermaßen gut organisiert ist, und es schafft, den Gemüsegarten in ein ökologisches Gleichgewicht zu bringen, das sich weitestgehend selbst reguliert. Das klappt bei uns meistens ganz gut. Es gibt aber bestimmte Zeiten im Jahr, in denen wir intensiver im Garten beschäftigt sind, gerade zum Beginn der Saison und dann zum Ende hin. Aber es gibt auch Zeiten, in denen der Garten so gut wie keine oder nur wenige Minuten Pflege am Tag benötigt.

Was wir tatsächlich unterschätzt haben, ist die Ernte. Im Hochsommer und Herbst sind Obst und Gemüse im Überfluss vorhanden. Dann ist das Weiterverarbeiten der Ernte sehr zeitintensiv. Stundenlang stehen wir zu dieser Zeit in der Küche zum Einkochen, Fermentieren, Dörren etc. Dieser Aufwand ermöglicht es später allerdings, uns aus einem gut gefüllten Vorratsschrank bedienen zu können und spart dann wiederum oft Zeit beim Kochen ein.

Gefüllte Gemüsebeete Kartoffelernte

Wie haben wir uns das Kochen bei so bekannten Foodbloggern wie euch vorzustellen?

Wir kochen zwei- bis dreimal täglich. Das bringt nicht nur der Garten mit sich, sondern auch die Tatsache, dass wir hier nicht mal schnell zum Frühstücken ins nächste Café gehen können oder abends gemütlich im Restaurant sitzen. Seitdem wir nicht mehr in Berlin leben, kochen wir also mehr denn je und sind noch experimentierfreudiger geworden, weil die Erntekörbe so bunt gefüllt sind.

Zum Bloggen kommen wir aber tatsächlich nur noch selten, weil einfach immer etwas zu tun ist. Schon eine ganze Weile stehen im Blog außerdem die Rezepte nicht mehr im Vordergrund. Schon immer kochen wir aus dem Bauch heraus und halten uns selbst nicht an Rezepte. Kein Gericht ist gleich und das lieben wir. Deswegen geht uns auch nicht das Herz dabei auf, wenn wir alles penibel abmessen, wiegen und niederschreiben müssen. Vielmehr Spaß haben wir gerade daran, über unsere Erfahrungen zu berichten und kulinarische Geschichten zu erzählen.

Erntekorb Küche Siedlerhaus Zucchinigericht

Worauf legt ihr bei euch im Garten besonderen Wert und was kommt auf gar keinen Fall in die Beete?

Bei unserem Saatgut greifen wir gerne auf alte, samenfeste Sorten in Bio-Qualität zurück. Aber neben dem Gemüse, das ins Beet kommt, ist es uns vor allem wichtig, was wir unserem Boden zugeben. Künstliche Dünger kommen bei uns natürlich nicht ins Beet. Mit frischem Rasenschnitt zwischen den Pflanzen sparen wir nicht nur Wasser zum Gießen und unterdrücken Unkräuter, sondern versorgen den Boden außerdem mit Nährstoffen. Zusätzlich düngen wir Starkzehrer die Saison über mit selbst angesetzter Brennesseljauche und bringen im Frühjahr Kompost, Gesteinsmehl oder Mikroorganismen aus, um die Bodenstruktur zu verbessern und das Bodenleben anzuregen.

Mischkultur Mulch

In Finnland war ich mit Küchenchefs in Wald und Flur unterwegs, um Beeren, Wildkräuter und allerlei andere Zutaten zu suchen, da diese ausschließlich Produkte verwenden, die im Land, besser noch lokal wachsen – keine Zitrone oder Granatäpfel, keine exotischen Gewürze. Könnte das auch ein nächster Schritt für euch sein?

Seit wir hier in Mecklenburg sind, geht es bei uns bereits stark in diese Richtung. Es gibt so viele heimische Zutaten, die exotische Geschmacksrichtungen überflüssig machen. Statt Zitrusfrüchten lieben wir zum Beispiel die Säure von Sanddorn. Wir experimentieren aber auch mit anderen wild wachsenden heimischen Beeren und Früchten wie Eberesche, Hagebutte etc. Gerade im Frühling liefern Wildkräuter wie junge Brennnessel, Vogelmiere, Giersch oder Gundermann viele wichtige Nährstoffe. Da hier alles direkt vor der Haustür wächst und wir nicht erst danach suchen müssen, setzen wir uns viel intensiver damit auseinander. All das zu entdecken, zu erschmecken und mit neuen Augen zu sehen, macht wahnsinnig viel Spaß und ist sehr inspirierend.

Habt ihr aus kulinarischer Sicht einen besonderen Garten- oder Pflanzentipp für uns?

Wir haben im letzten Frühling um unser Gewächshaus herum essbare Stauden gepflanzt. Das war eine großartige Entscheidung. Denn es sieht nicht nur optisch schön aus, sondern wir können uns nun fast das ganze Jahr über daran bedienen und unsere Gerichte mit leckeren Kräutern und Blüten dekorieren.

Teepflanzen

Herzlichen Dank für diese spannenden Einblicke und viel Erfolg im neuen Gartenjahr. Wir sind gespannt auf neue Garten- und kulinarische Geschichten!

Copyright Fotos: Krautkopf

 

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