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Interview: Tobias Gartentraum in luftiger Höhe

Blauregen

Urbangardening wie es schöner nicht sein könnte. Man nehme: eine Dachterrasse, riesige Kübel, Unmengen an Pflanzsubstrat, grüne Strukturpflanzen und herrlichste Blüher. Dazu kommen Schweiß, Einsatz, Kreativität – und ohne Ende Liebe und Sachverstand. Wie bei Tobias, der uns an seinem Traum in lüftiger Höhe teilhaben lässt.

Tobias Garten ist so schön, dass er sich herumspricht. Und es bis in verschiedene Medien und ein tolles internationales Buchprojekt schafft. Zwei Londoner Jounalisten zeigen darin kleine Stadtgärten in New York, London, Tokio, L.A. Und: Hermsdorf. Ich werde berichten, wenn der Band im Herbst erscheint.

Stell bitte dich, deinen Dachgarten und seine Entstehung kurz vor.

Ich heiße Tobias, bin 47 Jahre alt, freier Journalist und Blogger, und seit 1,5 Jahren haben wir die Wohnung in Berlin Hermsdorf. Über die gesamte Länge der DG-Wohnung erstreckt sich der Dachgarten mit einer Größe von ca 80qm. Der Dachgarten war auch ausschlaggebendes Kriterium für den Kauf, dass es quasi als „Bonus“ noch eine supertolle Wohnung und eine wundervolle Lage dazu gab, war mehr als wir erhofft hatten: Direkt vor dem Haus befindet sich das Tegeler Fließ (mit Bibern, Eisvögeln und neuerdings auch Wasserbüffeln), direkt hinter dem Haus beginnt der Tegeler Forst.

Als wir einzogen, befand sich auf dem Dach eine ungepflegte Brache, und im Endeffekt wurde alles von uns neu gestaltet und gebaut. Wir teilen uns zum Glück die „Arbeit“, alleine wäre es kaum zu schaffen. Dabei bin ich eher für die gestalterischen Aufgaben zuständig und mein Mann ist derjenige mit dem grünen Daumen.

Was war dir für die Gestaltung wichtig, in welche Bereiche hast du den Garten gegliedert?

Ich habe schon immer von einem Senkgarten geträumt. Dies ist allerdings die dümmste Idee, wenn man einen Dachgarten besitzt. Ergo haben wir ihn „umgekehrt“ gebaut, indem nämlich die Beete ringsherum in großen hölzernen Pflanzkästen errichtet wurden. Tatsächlich ist das Ergebnis nun ein „Cottage-Garten auf dem Dach“, denn er weist alle typischen Aspekte dieser Gartenform auf: Formal ist er begrenzt durch die umlaufende gemauerte Brüstung, er ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt, in der Mitte steht ein kleines „Cottage“ (in unserem Fall der Austritt auf den Dachgarten), es gibt die hölzerne Terrrasse mit vielen Pfanzen in Terrakotta-Kübeln, eine Rosenhecke, die den Essbereich unter einem Kugelahorn abtrennt, zu allen Seiten große Stauden, dazu einen Wassergarten (in einem Weinfass sowie diversen Kübeln) und einen hinteren Nutzgarten mit Rasenfläche, dort wachsen die unterschiedlichsten Beeren (Him-, Brom-, Heidel-, Stachel- und Johannisbeeren) sowie Rhabarber oder auch Gemüse wie Gurken und Zucchini.

Das Schöne an einem Cottagegarten: Er ist zwar durchgeplant, aber man sieht es ihm nicht an. Alles ist ein bisschen wild und durcheinander, oder wie Stefan Zweig schrieb: „Auf allerkünstlichste Weise der allernatürlichste Stil“. Wir lieben diese „perfekte Nachlässigkeit“, und er ist das wichtigste und wertvollste „Zimmer“ unserer Wohnung. Auf dem Dach wird gelesen und gearbeitet, gekocht und gegessen. Ein Sonntagsfrühstück inmitten von Unmengen von Schmetterlingen ist immer wie ein kleiner Kurzurlaub.

Und hast du Lieblingspflanzen?

Bei den Pflanzen war uns wichtig, den Insekten möglichst viel Nahrung zu bieten, seit diesem Frühjahr haben wir auch einige Gehörnte Mauerbienen als Mitbewohner. Viele Stauden schirmen die – zum Glück uneinsehbare – Dachterrasse ab. Dazu kommen Erinnerungsstücke an die Urlaube, wir verbringen regelmäßig Zeit auf Sylt oder in Dänemark. Sylter Apfelrosen (Rosa Rugosa) oder Strandroggen sorgen für Urlaubsfeeling.

Dein Garten ist sehr besonders. Was sind die Schwierigkeiten eines Dachgartens und wie hast du sie gelöst?

Danke für das Kompliment 🙂 Der Nachteil beim Dachgarten: Man kann nichts in die Erde pflanzen, alles wächst in Pflanzkästen oder Kübeln. Bedeutet: Man muss mehr düngen als in einem normalen Garten, da die Pflanzen mit weniger Erde auskommen müssen. Und man muss im Sommer jeden Tag gießen. Sind wir im Urlaub regelt das unser Hausmeister-Dienst von gegenüber.

Das nächste Problem: Alles muss nach oben geschleppt, gehievt und getragen werden. Größere Pflanzen wie den Kugelahorn ließen wir uns anliefern, ebenfalls die 14 hölzernen Pflanzkästen wurden von starken Jungs nach oben befördert. Doch alleine 5.000 Liter Pflanzerde haben wir eigenhändig in den 3. Stock geschleppt, was kein Vergnügen war.

Woher hast du deine Kenntnisse, was inspiriert dich in Gartendingen? Tauscht du dich mit anderen Gärtnern aus?

Unsere Kenntnisse haben wir aus drei Quellen. Viele gute Gartenbücher und -zeitschriften sowie Internet und TV-Sendungen, dem Austausch mit anderen Gartenbesitzern und – ganz wichtig – dem „Try-and-Error-Prinzip“.

Wie sieht dein typischer Gartentag aus?

Bei uns gibt es das geflügelte Wort der „Knospen-Kontrolle“, bedeutet: Morgens erst mal gucken, was alles grünt, blüht und gedeiht. Am Besten mit einem Kaffee und viel Vogelgezwitscher herumspazieren und sich freuen. Dann wird gegossen, was ca. eine Stunde dauert, und Verblühtes wird abgezupft. Kleines Päuschen darf dann gemacht werden, und weiter geht es. Irgendwas ist immer zu tun, sei es Zurückschneiden, Unkraut zupfen, Rasen mähen (ja, wir haben tatsächlich einen Rasenmäher auf dem Dach, grins….). Alle Essensvorbereitungen werden, falls möglich, auch auf dem Dach erledigt, und der Nachmittag gehört dann dem Müßiggang. Abends wird dann im Idealfall das Esszimmer nach oben verlegt.

Was bedeutet dir dein Garten, was kannst du aus ihm schöpfen?

Im Sommer ist der Dachgarten unser Lebensmittelpunkt, und man kann schon fast sagen: Er dient als „Kinderersatz“. Denn wie vielleicht nur stolze Eltern blicken wir auf unser Idyll, freuen uns, wenn alles gesund ist, und leiden, wenn er mal kränkelt oder schwächelt. Die Energie, die der Garten uns kostet, gibt er uns doppelt und dreifach zurück.

Lieber Tobias! Vielen Dank für diesen Einblick in deinen bzw. euren herrlichen Dachgarten! Ich bin sicher, dass er vielen Anregung und Ermunterung ist, den Traum vom Draußen-Zimmer Wirklichkeit werden zu lassen.

(Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken.)

Wenn du mehr von Tobias Gartenfotos sehen möchtest, klick dich in sein Blog Ein Cottage-Garten auf dem Dach. Und wenn du Menschen mit spannendem Garten oder interessanten grünen Ideen kennst, die interviewt gehören: Melde dich einfach unter der im Impressum angegebenen E-Mail-Adresse.

5 Kommentare

  1. Heidi Biehunko sagt

    Ich finde den Garten auch wunderschön. Ohne Garten kann ich mir gar kein Leben vorstellen. Nur muss man auf dem Dachgarten eben auf einen herkömmlichen Teich verzichten, aber selbst hierfür gibt es eine Lösung: Den Miniteich, den es auf diesem wunderschönen Dachgarten gibt. Man erkennt kaum noch, dass es sich um einen Dachgarten handelt, jetzt da alles so schön gewachsen ist. Einfach wunderschön.

    • Berlingärtnerin sagt

      Da bin ich ganz deiner Meinung, liebe Heidi! Was für ein großartiger Platz zum Entspannen in der Großstadt!
      Gärtnerst du auch in Berlin?

      Schöne Grüße!

  2. Wow! Bei diesen Bildern würde man nie und nimmer glauben, dass es sich dabei um einen Dachgarten handelt.
    LG und schönes WE-
    Sabine

    • Berlingärtnerin sagt

      Ich finde es auch irre. Und besonders schön ist, dass der Dachgarten tatsächlich Lebensmittelpunkt ist und in völlen Zügen genossen wird.

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