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Experten-Tipps zu Usambaraveilchen: schöne Sorten, Pflege und Vermehrung

Titel Usambaraveilchen

Es gibt Pflanzen, die sind bei näherer Betrachtung so faszinierend, dass ihr Menschen einen Großteil ihrer Freizeit widmen. Über das Usambaraveilchen und einen echten Fan.

Basti im Reich seiner Usambaraveilchen

Basti im Reich seiner Usambaraveilchen

Heute stelle ich dir das Usambaraveilchen in seinen vielen Facetten und einen besonderen Kenner der schönen Pflanze aus Südafrika vor. Sebastian ist Anfang dreißig und sieht ziemlich cool aus. Klischeehaft würde man denken: Der macht “was mit Medien”. Oder “bestimmt Barkeeper”. Aber nein: Basti teilt seine Wohnung mit rund 500 Sorten des Usambaraveilchens.

Die Faszination begann, als er als Kind erlebte, wie seine Großmutter immer einige dieser hübschen, leicht behaarten Blättchen auf der Fensterbank stehen hatte, die sie aus dem Urlaub oder von Freunden mitbrachte. Und er erlebte das Wunder des Lebens: Die Usambaraveilchenblätter bildeten ganz schnell Wurzeln und wuchsen unkompliziert zu neuen Pflanzen heran. Und so begann Basti vor einigen Jahren mit der Suche nach besonderen Farben und vor allem bunten Blättern. Am Anfang war das noch ein schwieriges Unterfangen, da besondere Sorten in Deutschland schwer bis gar nicht zu bekommen waren. Aber die Leidenschaft war geweckt und alles, was rar ist, erhöht den Jagdeifer. Durch Freunde und lange Internetrecherchen gelangte er dann an erste Exemplare aus den USA, Russland und der Ukraine und war so fasziniert, dass er nicht mehr davon loskam.

Heute ist Basti, der mal Gärtner gelernt hat, aber nicht mehr in diesem Beruf arbeitet, echter Experte und reist zu den vielen Veranstaltungen, auf denen sich die Szene trifft. Wenn bei ihm  Blätter übrig sind, vertreibt er sie übers Internet. Vom Erlös finanziert er neue Sorten für seine Sammlung.

Die große Vielfalt des Usambaraveilchens – ausgefallene Sorten.

Wenngleich die Klassiker in violett, rosa, weiß und blau schön sind, sind diese nur das, was bei Pelargonien/Geranien die orangrote ist: auf die Dauer langweilig. Usambaraveilchen gibt es von winzig bis stattlich, Blätter und Blüten können stark variieren. Basti schätzt die gefleckten Usambaraveilchen besonders, ich mag die gerüschten mit farbig abgesetztem Rand. Damit du eine Vorstellung vom Variantenreichtum bekommst (es gibt über 25.000 registrierte Arten und Sorten), hat Basti ein paar schöne Exemplare herausgesucht:

Alle Fotos vergrößern sich samt Bildbeschreibung, wenn du sie anklickst.

Usambaraveilchen pflegen.

Das Usambaraveilchen Saintpaulia ionantha ist ein wärmeverwöhntes Wesen. Da es aus Tansania aus den Schluchten der Usambara-Berge stammt, mag es gern hell stehen, pralle Sonne behagt ihm mit den behaarten Blättern jedoch nicht. Optimal ist ein Platz am Nord-, Ost- oder Westfenster mit kontinuierlichen Temperaturen zwischen 20° und 25°. Bei mir stehen die Usambaraveilchen zwar fensternah, aber nicht direkt an der Scheibe und das tut ihnen anscheinend gut.

Meine Usambarakollektion passt wunderbar in den "Grünen Salon"

Meine Usambarakollektion passt wunderbar in den “Grünen Salon”

Usambaraveilchen sollte nicht häufiger als einmal pro Woche und nie über die Blätter gegossen werden. Lieber etwas trockener halten. Von Frühjahr bis Herbst sollte die Pflanze laut Basti einmal im Monat eine sehr schwache Düngegabe bekommen. Er empfiehlt Orchideendünger, der nur mit der Hälfte der empfohlenen Menge verwendet wird.  Mehr darf es für das Usambaraveilchen nicht sein, überfütterte Pflanzen blühen nicht.

A pro pos blühen: Wenn deine Exemplare ausgeblüht haben, empfiehlt es sich, sie umzutopfen. Meistens sind nämlich die Gefäße zu groß, in denen Usambaraveilchen industriell vertrieben werden. Und Usambaraveilchen mögen es gern eng an den Wurzeln, ganz so, wie sie es aus den Schluchten Afrikas kennen. Dort klemmen sie zwischen den Steinen. Die Grundregel ist daher, dass nur ein Drittel der Blattrosette über der Erde sein soll, zwei Drittel sollen frei darüberstehen. Bei einem 12-cm-Topf bedeutet das zum Beispiel, die Pflanze in einen 9-cm-Topf umzusetzen. Das Substrat sollte hochwertig sein: luftdurchlässig, strukturstabil und mager. Kakteenerde oder Kräutererde passen gut. Nach dem Umtopfen die Gefäße leicht feucht halten und schon auf die bald erneut einsetzende Blüte freuen.

Wenn du nicht umtopfen willst, solltest du die Pflanze für zwei bis vier Wochen etwas trockener halten und einige Grad kühler stellen. Dann blüht’s auch bald wieder.

Kinderleichte Vermehrung von Usambaraveilchen.

Usambaraveilchen zu vermehren sollte man mit Kindern ausprobieren. Es müssen ja nicht gleich 500 Sorten werden ;-) Die Vermehrung funktioniert ganz einfach über Blattstecklinge: Dazu trennst du ein paar Blätter vom Usambaraveilchen ab und lässt diese in einem Glas Wasser Wurzeln bilden. Die Blattflächen selbst dürfen dabei nicht im Wasser liegen. Sehr bald entwickeln sich kleine Wurzeln und Blättchen. Sind diese lang genug, werden die Stecklinge in Kakteenerde gepflanzt.

Viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren und vielleicht Teilen mit anderen Blumenliebhabern!

Bezugsquellen für Usambaraveilchen mit Sortennamen.

https://www.bastisvioletcollection.com
http://www.fialki.de
http://violetsandmore.de

Das Copyright der Usambaraveilchenfotos (außer denen aus meinem Zimmer) liegt bei Sebastian.

10 Kommentare

  1. Jana Richter sagt

    Hallo an alle Usi-Züchter hier :-),

    ich muss gestehen, daß ich Bastis Usi-Sammlung sehr beeindruckend finde und die abgebildeten Usis sind eine Wucht.

    Zu Hause habe ich auch viele Usis, einige Sorgenkinder und viele Prachtstücke. Aber die älteren Usis bei meiner Mama machen mir Sorgen. Sie haben einen Stamm gebildet, der richtig verdreht ist und ich weiß nicht, wie ich diese Usis kürzen kann. Wenn das überhaupt geht. Mir bleibt wohl nur die Blattvermehrung? Basti kennt sich vielleicht aus damit, wenn er so viele Usis hat und schon länger sammelt? Ich würde mich riesig über einen Tip freuen. Vielen Dank und freundliche Grüße – Jana aus Meerane

    • Basti sagt

      Hallo das mit der Stammbildung sieht man oft an älteren Pflanzen, da hilft nur entweder köpfen und den Kopf in Wasser oder Erde neu bewurzeln. Oder die Pflanzem möglichst tief neu zu topfen, dass der Stamm im Topf verschwindet denn an men stamm bilden sich dann neue Wurzeln. Ich drück die Daumen

      Liebe Grüße Basti

      • Jana Richter sagt

        Hallo Basti, vielen Dank für deinen Rat. Ich habe mich sehr gefreut darüber. Wenn Du meinst, daß es kein Problem ist, die Pflanze im Ganzen neu zu bewurzeln, dann will ich es mal an einer Pflanze probieren. Ich habe etwas Bammel vor dem Schnitt. Mit dem tiefer Topfen habe ich mir auch schon überlegt, dann dachte ich aber, daß dann der Stamm vielleicht vergammelt. Das Beste ist vielleicht, ich probiere mal beide Varianten. Danke schon mal fürs Daumen drücken, wenn der Experte drückt, wird es wohl was werden “lach”

        Viele Grüße – Jana

        PS: Wenn ich den Platz hätte, hätte ich auch noch mehr Usis :-)

  2. Elke Ebeling sagt

    Meine Mutter hat bei beginnender Blüte immer “den Weg freigemacht” sprich die kleinen Blättchen neben den Blütenknospen rigoros entfernt. Ziel war ein Blütenteppich. Hat auch oft geklappt, doch nach und nach wurden die Pflanzen dann sehr hässlich. Ich habe seit einem Wohnungwechsel mit entsprechenden Fenstern/Lichtverhältnissen auch Usambaras und habe auch die Blätter entfernt. Nach der Blüte sehen die Pflanzen dann nicht mehr schön aus. Nun entferne ich nicht mehr, die Blätter sind üppig nachgewachsen und viele Blütenansätze sind dazwischen. Soll ich jetzt einfach mal nichts tun und abwarten?

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Elke,

      von den Maßnahmen hatte ich noch nichts gehört. Ich akzeptiere, dass es manchmal so ist, dass die Blüten nur verhalten aus dem Blattwerk hervorschauen. Probier es doch einfach mal aus. Toll, dass du so viel Knospen hast!

      Beste Grüße!

  3. Ilona U. sagt

    Oh, wenn bei uns Gärtnerinnen oder Gärtner erst die Sammel-Leidenschaft beginnt, dann sind wir nicht mehr zu bremsen. Was hab ich nicht schon alles vermehrt oder gezüchtet, gesammelt. Angefangen hat es bei mir mit Edelpelargonien, Pelargonien, Fuchsien, Amarylis Taglilien, Lilien, Buchs, Nelken, Phlox, Enzian, Helleborus (blühen z-Z. sehr schön) Primeln, Sonnenblumen, Sonnenhüte, Zierlauch, Zwerghühner (3Rassen) Zwerghasen, Zierenten (15 Rassen) usw. Tiere habe ich keine mehr und bei vielem habe ich wieder sehr reduziert. Usambaraveilchen habe ich auch schon vermehrt, z.Z. aber keine mehr. Aber so viele Sorten habe ich noch nie gesehen.
    Vor 2 Jahren war ich in Ungarn und habe 2 Gattungen der Hibiskus in vielen besonderen Farben entdeckt und wollte 1-2 Stecklinge erwerben, aber der Gärtner (Sammler) hat keine abgegeben. Da sind auch besonders Wärme liebende Sorten die es sonst auch auf Maderia zu kaufen gibt.
    Danke für deine schöne Darstellung der Usambara-Veilchen
    Ilona

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Ilona,
      danke für den Einblick in deine wirklich spannende “grüne Historie”. Ich kann mir gut vorstellen, wie verlockend es ist, immer mehr an Pflanzen zusammenzutragen, wenn man an der Quelle arbeitet oder einfach die gewisse Pflanzenleidenschaft in den Genen hat.

      Herzliche Grüße!

  4. Wie ich sehe, hast Du, liebe Xenia, dem Basti ein panaschiertes Blatt abgeschwatzt. Ich wünsche Dir viel Erfolg damit. Mein diesjähriges Usambaraveilchen habe ich schon entsorgt. Es sah sehr bald nach dem Kauf ziemlich elend aus. Früher habe ich auch erfolgreich Blattstecklinge von ihnen gemacht.
    Die Fotos der verschiedenen Sorten sind schon toll. Am besten gefällt mir Lina’s Purple Penny und Dein grünes Zimmer. Als ich in Deinem Alter war, hatte ich mal einen ‘Grünen Salon’ mit einer Art matten Seidentapete.
    Gruß an Basti. Habe ich überlesen, wo er wohnt? Toll, dass ein junger Mann sich für dieses Veilchen so begeistern kann.
    Liebe Grüße sendet Edith (Staudenflüsterin)

    • Basti sagt

      Vielen lieben Dank für die lieben Worte :) ich komme aus Dresden

      Viele liebe Grüße Basti

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Edith,

      mit mattgrünen Seidentapeten wärest du jetzt wieder die Heldin der Interieur-Moden. :-)
      Dein Usambaraveilchen stand vermutlich in einem zu großen Topf mit falschem Sustrat, wie ich von Basti gelernt habe. Mit diesem Wissen topfe meine jetzt erst einmal alle um. Pflanzen als Wegwerfware sind einfach zu schade – insbesondere wenn es um schon etwas teurere Prachtstücke wie die von Basti handelt. Im Moment bin ich ja zu sehr mit der Draußengärtnerei beschäftigt, aber zum Herbst könnte ich schon schwach werden…

      Hab einen schönen Gartensonntag!

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