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Viel neu im Foerster-Garten in Potsdam

Foerster-Garten: Blick zum Haus

Warum der Garten des großen deutschen Staudenzüchters Karl Foerster in Potsdam immer einen Besuch wert ist, in diesem Jahr aber besonders.

Manchmal hat man Glück, manchmal Pech. Der Foerster-Garten hatte Glück, dass es nach Wochen der Trockenheit endlich mal wieder so richtig regnete. Und ich hatte bei meinem geplanten Besuch in Potsdam: … nun ja.

Aber so ist das halt mit dem Wetter, da kannst du nichts machen und musst eben anders belichten und hoffen, dass die Fotos später dennoch Lust machen, diesen großartigen Garten zu besuchen.

Denn das solltest du unbedingt: Was England sein Sissinghurst, ist Deutschland sein Foerster-Garten. Ganz anders, natürlich, aber unbedingt eine Reise wert. Hier hat der bedeutende deutsche Staudenzüchter Karl Foerster (1874–1970) 1912 auf rund 5.000 qm, größer ist die Anlage nicht, einen Test-, Lehr- und Sichtungsgarten angelegt. Zahlreiche Rittersporn-, Phlox-, Astern- und Gräsersorten wurden hier getestet.

Wesentlichen Anteil am heutigen Bild des Gartens hatte seit 2001 Foersters einzige Tochter: Marianne. Selbst vom Fach, begleitete sie zur BUGA die Rekonstruktion verkommener Gartenbereiche. Wer, wie ich, häufiger im Garten war, kannte sie bis zu ihrem völlig unerwarteten Tod 2010 als quirlige Organisatorin des Mammutprojekts Foerster-Garten und aufgeschlossene Gesprächspartnerin. Sehr empfehlen kann ich ihr Buch Der Garten meines Vaters: eloquent geschrieben, voller Anregungen und Esprit.

Ein Lehr- und Sichtungsgarten ist der Garten übrigens auch heute noch: Chefgärtnerin Kristina Scheller sieht sich in genau dieser Tradition. Gepflanzt werden neben den Klassikern auch immer wieder neue Züchtungen, die hier zeigen sollen, was in ihnen steckt. Ganz genau so hätten es auch die Foersters getan, die neben der Bewahrung des Alten, Bewährten, auch stets auf der Suche nach der Verbesserung, der noch längeren Blütezeit, der noch besseren Frosthärte waren. So ist der Garten zwar Dokumentation insbesondere Karl Foersters Lebenswerks, aber hat so gar nichts Museales an sich.

Inspiration für den eigenen Garten.

Im Gegenteil: Thema Gestaltung. Hier hat der Garten auch heute viel zu bieten. Herzstück der Anlage ist ein Senkgarten, in dem es dem Foersterschen Motto “Es wird durchgeblüht” entsprechend das ganz Jahr über viel zu bestaunen gibt. Im Moment lassen sich die Struktur und die schönen Steine besonders gut erkennen, da der Bewuchs noch niedrig ist. Mir gefallen aber auch die weiteren Gartenbereiche sehr gut – derzeit natürlich insbesondere der Frühlingsweg mit seinen vielen Stauden wie Frühlingsplatterbse, Primeln aller Couleur, Waldsteinien, die gerade fleißig gesetzt werden, oder Lungenkräutern. Da nehme ich einige Inspirationen und in der Gärtnerei auch so manche Staude gleich mit.

In diesem Jahr lohnt sich ein Besuch auch für Wiederholungstäter besonders: Die Phloxe wurden jüngst umgepflanzt und neu gruppiert. Auch bei den Ritterspornen gibt es Überraschungen. Kristina Scheller, die den Beruf in der benachbarten Gärtnerei Foerster Stauden von der Pike auf gelernt hat,  ein Eigengewächs sozusagen, kennt jede Pflanze mit ihren Bedürfnissen ganz genau, so dass für diese Saison klar war, dass für die Staudengesundheit nun nicht mehr nur das klassische Aufnehmen und Teilen angesagt war, sondern auch ein Standortwechsel.

Und so wird hier gerackert und gewerkelt, der ewige Kampf gegen Giersch und Blattläuse, ungebremstes Staudenwachstum oder schlicht gegen Trockenheit und Regen ausgefochten. Teilen, jäten, düngen, Pflanzenschutz durchführen, Verblühtes oder Enttäuschendes entfernen: Wir befinden uns in einem Garten von hoher Bedeutung, da muss Tina Scheller mit ihrem kleinen Team absolut professionell arbeiten. Aber wie berührend zu sehen, dass die eigentliche Stärke auch noch in etwas ganz anderem liegt – in der Liebe zur Arbeit, zum Garten, zu den Pflanzen, zu allem, was darin kreucht und fleucht. Ich konnte beobachten, wie die Chefgärtnerin in einem trockenen Moment an jeder Rose, an der sie vorbeikam, kurz haltmachte, um ihren Liebling zu schütteln und so von allzu viel Nässe zu befreien.

So kannst du helfen.

Kristina Scheller freut sich über zupackende Hände und hat dann auch reichlich zu geben. Die konzertierten Hilfsaktionen von Pflanzenenthusiasten aus ganz Deutschland sind legendär. Wer zum Beispiel beim Ausgraben und Teilen der Chinaschilfe hilft, wird mit wertvollen Teilstücken belohnt.

Aber natürlich sind insbesondere finanzielle Spenden hoch willkommen: Haus und Garten befinden sich erst seit einigen Jahren im Eigentum der Marianne Foerster-Stiftung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und benötigen zu ihrem Erhalt eine Menge Geld. Wo und wie du mithelfen kannst, erfährst du hier. (Link laut Gesetz unbezahlte Werbung.)

Und nun viel Freude bei einem Besuch bei Foersters. Die Adresse lautet: Am Raubfang 6. 14469 Potsdam-Bornim. Schreib mal, wie es dir gefallen hat.

Alle Fotos sind anklickbar.

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8 Kommentare

  1. Im letzten Jahr schenkte mir mein Mann das Staudenkompendium von Foerster-Stauden. Eine kostenintensive, aber lohnenswerte Investition. Ein Werk, das man für die Ewigkeit im Bücherregal stehen hat und in dem man regelmäßig blättern kann, gerne auch mal “nur so” :-).

    Leider haben wir es noch nicht geschafft, den Garten persönlich zu besuchen, aber die nette Dame (eventuell war es sogar die Chefgärtnerin?) hat meinem Mann am Telefon gesagt, man könne den Garten sogar mit Hund aufsuchen. Da wir einen haben, ist das für uns ein wichtiges Kriterium.

    Danke auch für den Link zur Spendenmöglichkeit. In Italien oder England müsste man für den Besuch eines solchen Gartens um die 10 Euro bezahlen, da sind wir hier in Deutschland wirklich verwöhnt.

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Nadine,

      wow, das kenne ich gar nicht, das Kompendium. Danke für den Hinweis, werd gleich mal recherchieren. Auch der Hinweis in Bezug auf den Hund ist wertvoll. Von der Chefgärtnerin weiß ich, dass sie eine absolute Tiernärrin ist.

      Deine Einschätzung in Bezug auf eine “Eintrittsspende” finde ich auch total richtig. Von nichts kann eben nichts kommen.

      Hab’s schön, viele Grüße!

  2. Immer wieder möchte ich dort hin….bisher habe ich den Foerster Garten in den Monaten Februar, März, April, Mai und September und Oktober gesehen – da fehlen noch Juni, Juli und August ;-) Wird wohl noch zu machen sein!!

    • Berlingärtnerin sagt

      Hallo Sabine!

      Im Juni werden dich die Rittersporne verzaubern, im Juli die neu gesetzten Phloxe. Auf geht’s, bin gespannt auf deine Berichte :-)

      Liebe Grüße!

  3. Ach ja, wie schön. Nach der Wende war ich gleich da, um den zu sehen. Bisher hatte ich immer nur in Büchern und Zeitschriften in Bildern britischer Staudengärten geschwelgt.
    Nach dem Besuch des Gartens begriff ich, dass Deutschland auch eine Staudengartentradition hat, die durch dem Weltkrieg zurückgeworfen war…
    außerdem schaut jeder Hobbygärtner, der auf sich hielt auf die Insel.
    Mein Vater hatte mich drauf aufmerksam gemacht, er hatte auch zu Zeiten des’ Eisernen Vorhangs’ Kontakt zu Gärtnern in der DDR gehalten.
    Schöne Fotos sind das geworden trotz des schlechten Fotografen-Wetters.
    LG
    Sisah

    • Berlingärtnerin sagt

      Grüß dich, Sisah,

      da war er sehr klug, dein Papa! Dann kommst du anscheinend aus einer Gärtner-Familie mit Tradition. Dr. Konrad Näser, einst bei Foerster angefangen, gibt es ja immer noch – er war jetzt sogar noch Schirmherr des Berliner Staudenmarktes.

      Toll fand ich die Begegnung mit Tina Scheller und ihrer Art zu Gärtnern. Bei ihr stehen die Ansprüche der Pflanzen im Vordergrund. Jedes Exemplar soll genau da stehen, wo es sich optimal entfalten kann. Und gleichzeitig muss der Look stimmen. Nicht immer einfach. Sie ist eine sehr starke und sympathische Person.

      Vielleicht treffen wir uns dort mal, wenn die Rittersporne zu bewundern sind?

      LG
      Xenia

  4. Hallo Xenia!
    Ach wie schööön! Würde ich in der Nähe wohnen wär ich bestimmt schon öfter dort gewesen :) Danke für die Bilder.
    LG
    LiSa

    • Berlingärtnerin sagt

      Sehr gern! Wenn es dich mal in die Gegend treibt: Immer herzlich willkommen. Potsdam und Berlin kann man großartig verbinden :-)

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