Klimagarten anlegen: So machst du deinen Garten klimaresilient
Tipps für einen schönen Garten, der mit Hitze, Trockenheit und Starkregen besser zurechtkommt. Und dabei auch „normales Wetter“ aushält. Spoiler: Es gibt ein PDF mit meinen Pflanzentipps für alle Standorte zum Herunterladen.
Es gibt Jahre, da schreibe ich über die Herausforderungen anderer und nicht über meine eigenen. Heuer ist es so: Während mir Leserinnen aus anderen Regionen von ausgedörrten Beeten, Gießmarathons und bitteren Pflanzenverlusten berichten, hat es in meinem Berliner Garten immer wieder geregnet. Ich bin dankbar dafür. Sehr.
Als Gartenbloggerin möchte ich natürlich aufgreifen, was viele gerade im Garten erleben, und meine Erfahrungen aus Trockenjahren einbringen. Deshalb habe ich auf Instagram Pflanzungen gezeigt, die nach der Einwachszeit ohne zusätzliches Gießen auskommen und auch in Hitzeperioden gut aussehen. Darauf kamen viele Reaktionen, denn es beschäftigt uns alle die Frage: Wie schaffen wir einen robusten Garten, der sich bei mehr Hitze und längeren Trockenphasen besser selbst helfen kann?
Die gute Nachricht: Dafür muss nicht alles Bestehende raus oder anders werden. Wer einen Klimagarten anlegen möchte, muss nicht morgen mit dem Radlader anrücken, sämtliche Hortensien entsorgen und anschließend ausschließlich Mittelmeerpflanzen setzen.
Viel sinnvoller ist es, den vorhandenen Garten genauer anzuschauen: Was funktioniert schon hervorragend? Wo schleppen wir ständig Wasser? Welche Pflanze kämpft an einem Platz, an den wir sie irgendwann gesetzt haben, weil dort gerade noch eine Lücke war?
Klimaresilienter wird ein Garten Schritt für Schritt. Entscheidend sind Pflanzenwahl, Boden, Standort und ein vernünftiger Umgang mit Wasser.

Was ist ein Klimagarten?
Bei Klimagarten denken viele zuerst an einen Garten mit Trockenheitskünstlern: Lavendel, Gräser, vielleicht noch einen Sonnenhut dazu, fertig ist die Gartenlaube. Aber ganz so einfach ist es leider nicht.
Ein klimaresilienter Garten sollte mit unterschiedlichen Wetterextremen möglichst gut zurechtkommen: mit Hitze und längeren Trockenperioden, klar, aber auch mit Starkregen, schnellen Wetterwechseln und ggf. nassen Phasen.
Das macht die Sache bei der Pflanzenwahl, sagen wir, interessanter. Eine Staude kann im August Trockenheit wegstecken, als wäre nichts gewesen, und trotzdem im Februar beleidigt das Zeitliche segnen, weil ihre Wurzeln wochenlang in schwerer, nasser Erde stehen. Die ersehnte „klimaresistente Pflanze“ für alle Gärten gibt es nicht. Entscheidend ist die Kombination aus Pflanze und Bedingungen: Wie viel Sonne bekommt die Pflanze, wie lange hält der Boden Wasser? Kann überschüssige Feuchtigkeit ablaufen?
Es geht auch um die Themen Versiegelung, Alternativen zum klassischen Rasen, Verbesserung des Erdreichs und Bedecken des Bodens zum Schutz gegen Verdunstung.
Ein Klimagarten ist für mich deshalb vor allem eine andere, umfassendere Art, den Garten zu planen und zu bepflanzen.

Erste schauen, dann den Spaten holen.
Bevor du deinen Garten umgestaltest, würde ich mit analytischem Blick eine Runde durch ihn drehen. Schau dir an, welche Bereiche trotz schwieriger Wetterlagen funktionieren: Welche Stauden stehen immer noch stabil da? Welche Gehölze kommen offenbar klar? Wo sieht der Boden nach einer heißen Woche trotzdem ordentlich aus? Und wo beginnt dagegen das Drama?
Besonders interessant sind die Stellen, an denen du nicht nur in diesem bei dir vielleicht extremen Sommer, sondern permanent eingreifen musst. Wenn eine Pflanze bei jedem warmen Tag schlappmacht und nur dank deiner zuverlässigen Anwesenheit weiterlebt, ist das ein eindeutiger Hinweis. Vielleicht wurde sie dann auch nicht nach „artgerechter Pflanzenhaltung“ gesetzt? Das ist mein Begriff für ein Gärtnern mit der Natur der Pflanze und nicht gegen sie. Wollen wir weniger eingreifen, muss die Pflanze so passend wie möglich platziert sein.
Meine vier Kategorien für die Einordnung der bestehenden Pflanzen wären: Bleiben. Umsetzen. Ergänzen. Ersetzen.
- Bleiben: Was funktioniert schon gut?
- Umsetzen: Welche Pflanze könnte an einem anderen Platz besser zurechtkommen?
- Ergänzen: Wo fehlt eine robuste Pflanzpartnerin oder eine geschlossene Pflanzendecke? Wo muss ich den Boden verbessern?
- Ersetzen: Welche Pflanze passt dauerhaft nicht in meinen Garten? Und welche pflanze ich stattdessen?
Manchmal steht die Pflanze falsch.
Wir Hobbygärtner sind erstaunlich loyal. Hat eine Pflanze einmal ihren Platz bekommen, betrachten wir diesen gern als lebenslange Wohnberechtigung. Dabei verändern sich Gärten ständig. Sommer werden wärmer. Gehölze wachsen. Schatten wandert. Wurzeldruck nimmt zu. So ist aus dem sonnigen Beet von vor zehn Jahren vielleicht ein halbschattiges geworden. Umgekehrt kann nach dem Roden eines Gehölzes eine Staude in sehr heißer Lage zunehmend Schwierigkeiten bekommen.
Dann hilft es nichts und ich bin bei dem Punkt Umsetzen. Ein Beispiel aus meinem Garten gefällig? Der Phlox – meine große Liebe, aber auch meine Kummerpflanze. Hoher Stauden-Phlox liebt es hell, braucht aber in der Regel viel Feuchtigkeit. Er ist ein Kind nordamerikanischer Flussränder. Daher habe ich getestet, ob er besser zurecht kommt, wenn er von seinen beiden Vorlieben Sonne und Wasser von Ersterem etwas weniger bekommt, um Wasser zu sparen. Und was soll ich sagen: Der weniger helle Platz war bei mir die bessere Lösung. Die Exemplare, die nur morgens Sonne bekommen und ansonsten im lichten Bauschatten stehen, sind nur marginal kleiner als die anderen, haben aber noch keine knusprigen Blätter.
Das heißt nicht: Phlox gehört grundsätzlich in den Halbschatten. Es heißt: Schau dir deine individuelle Pflanze an ihrem Platz mit deinen konkreten Herausforderungen an und probier mal was aus.


Klimarestistente Pflanzen: Welche sich bei mir bewährt haben.
Kommen wir zu den Punkten Ergänzen und Ersetzen, wenn sich bei dir herausstellen sollte, dass du einiges ändern möchtest/musst: Natürlich ist das Thema Pflanzen ein nahezu unerschöpfliches und es kommt, wie schon erwähnt, besonders auf das Zusammenspiel von Pflanze und Bedingung an.
Dennoch gibt es einige Stauden und Gräser, die ich immer wieder gern empfehle, weil sie sich bei mir und bei meiner Community bewährt haben. Und das Gute ist: Diese Pflanzen sind wunderschön. Klimaresilienz bedeutet keinen traurigen Gartenstil ohne Blüten und Struktur!
Meine Pflanzen-Tipps für Sonne, Halbschatten und Schatten habe ich dir in einem separaten PDF zusammengestellt. So bleibt dieser Artikel kompakt und du kannst gleichzeitig die Tipps separat nutzen.
In der Liste findest du robuste Stauden, Gräser und Gehölze mit kurzen Hinweisen dazu, für welche Bedingungen sie sich eignen und worauf du achten solltest.
Kostenlose Pflanzenliste mit robusten Pflanzen für den Klimagarten zum Herunterladen.
Du kannst dir mein PDF „Robuste Pflanzen für den Klimagarten“ ganz unkompliziert herunterladen: kostenfrei, ohne E-Mail-Eintrag und ohne sonstiges Gedöns.
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Mein Freund der Baum und andere Schattenspender.
Bäume sind im Klimagarten keine Wasserschlucker, die man besser fernhält. Im Gegenteil: Ihre Kronen spenden uns Schatten, ihre Blätter kühlen durch Verdunstung und unter Bäumen bleiben Boden- und Oberflächentemperaturen deutlich niedriger als in voll besonnten Bereichen. Besonders spannend: Tief wurzelnde Baumarten können Wasser aus tieferen Bodenschichten aufnehmen und nachts teilweise wieder in trockenere obere Bodenschichten abgeben. Davon können sogar Nachbarpflanzen profitieren. Das heißt nicht, dass jeder Baum automatisch ein guter Partner ist – flach wurzelnde Arten können kräftig konkurrieren. Aber ein standortgerechter, tief wurzelnder Baum ist für einen klimaresilienten Garten oft eher Helfer als Gegner.
Ein Beispiel, das ich besonders mag und das du auch in der Liste findest, ist die weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia): silbriges Laub, viel mediterrane Anmutung und zugleich erstaunlich robust gegenüber Sonne und Trockenheit. Sie ist winterhart und kommt mit unterschiedlichen Böden zurecht, solange sie nicht dauerhaft nass steht. Auch eine bewachsene offene Laube oder ein Pavillion sorgen für Schatten und Kühlung.
Blumenzwiebeln verschlafen den trockenen Sommer.
Frühlingsblühende Blumenzwiebeln haben für heiße Sommer eine ziemlich elegante Strategie: Sie verschlafen sie einfach. Nach der Blüte ziehen sie ein und ruhen als Zwiebel im Boden, während draußen die Sonne brutzelt. Und manche, wie der Zierlauch, verabschieden sich nicht einmal unscheinbar, sondern mit schönen beigen Samenständen, die noch lange Struktur zwischen Sommerblumen und Stauden ins Beet bringen.

Der Boden als heimliche Wasserreserve.
Wie eingangs gesagt, ist ein klimaresilienter Garten mehr als „nur Pflanzen“. Es ist ein ganzes System. Und der heimliche Chef des Systems ist im Dunkeln aktiv. Man sieht ihn (hoffentlich) kaum, dabei erledigt er einen Großteil der Arbeit.
Ein gut strukturierter Boden kann Wasser aufnehmen und speichern. Ein verdichteter Boden lässt Starkregen schlecht einsickern. Ein sehr sandiger Boden wiederum lässt Wasser und damit auch Nährstoffe schnell abfließen. Zum Klimagarten gehört daher immer die Frage: Was habe ich eigentlich für einen Boden und kann ich ihn verbessern?
Schwere Böden wie Lehmböden profitieren davon, wenn wir ihre Struktur optimieren und Verdichtungen vermeiden. Da konkrete Tipps den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, findest du hier einen ausführlichen Artikel dazu.
Sandige, durchlässige Standorte profitieren von einer Zugabe von Bentonit ins Pflanzloch, einem Tonmineral, das Wasser und Nährstoffe besser halten kann. Das gönne ich meinen Lieblingen bei unserem Berliner Sandboden.
Mein Artikel über das Sandbeet einer Gartenfreundin zeigt noch eine andere Variante: Dort liegt eine dicke Sandschicht auf eigentlich fettem Lehmboden. Speziell ausgesuchte Stauden wurzeln zunächst in den mageren, durchlässigen Sand ein, bilden kräftige Wurzeln und erreichen später den darunterliegenden Lehm mit seinen Wasser- und Nährstoffreserven.

Nackter Boden ist selten eine gute Idee.
In meinen Beeten darf es gern voll werden. Das ist nicht nur eine Frage der attraktiven Optik. Dichte Pflanzungen beschatten den Boden, bremsen die Verdunstung, schützen bei Starkregen und lassen weniger Platz für unerwünschten Aufwuchs. Die wichtigsten Helferlein dafür sind die so genannten Bodendecker, die sich mit viel Blattwerk zwischen die höheren Pflanzen schmiegen, siehe auch meine Pflanzenliste.
Eine andere Möglichkeit, den Boden zu bedecken, ist Mulch. Dafür eignen sich je nach Beet zum Beispiel Rindenhumus, Staudenhäksel oder dünn aufgebrachter Rasenschnitt. Rindenmulch, den man im Baumarkt kaufen kann, sehe ich nicht im Staudenbeet, sondern eher auf Wegen. In trockenheitsliebenden Pflanzungen kann auch eine mineralische Abdeckung mit Kies oder Splitt sinnvoll sein. Die Pflanzen sind nach einiger Zeit so groß, dass von ihr kaum noch etwas zu sehen ist, siehe Foto.

Wenn Regen kommt, soll er an die Wurzeln.
Regenwasser sammeln ist sinnvoll. Nach wochenlanger Trockenheit sind Regentonnen und Zisternen allerdings irgendwann leer. Umso wichtiger ist, das Wasser, das tatsächlich kommt, möglichst dort versickern zu lassen, wo die Pflanzen es später erreichen können.
In Marokko habe ich in einem Gemüsegarten kleine Rinnen zwischen den Pflanzen gesehen, durch die Wasser gezielt dicht an die Wurzeln geleitet wurde. Dieses Prinzip der Furchenbewässerung ist uralt und in trockenen Regionen bis heute gebräuchlich: Wasser bekommt eine Route, statt irgendwo auf der Fläche zu verdunsten.
Im Hausgarten lässt sich die Idee modifiziert umsetzen: mit Gießrändern um Gehölze, leicht vertieften Pflanzbereichen oder indem Regen gezielt in geeignete Beete geführt wird.
Ich würde auch immer prüfen, wie es dort aussieht, wo Regen gar nicht erst in den Boden kommt. Je weniger komplett versiegelte Bereiche auf dem Grundstück, desto besser. Wo Flächen befestigt sein müssen, schau, ob offene Fugen, wasserdurchlässige Beläge oder zum Beispiel Rasengittersteine möglich sind.
Auch der sogenannte Schwammgarten folgt diesem Prinzip: Vereinfacht gesagt sollen Boden und Pflanzflächen wie ein Schwamm funktionieren: Regen aufnehmen, zwischenspeichern und den Pflanzen nach und nach wieder zur Verfügung stellen.
Natürlich ist auch dein persönliches Gießverhalten wichtig: Wie du Wasser beim Gießen möglichst effizient einsetzt, habe ich hier ausführlich beschrieben: Richtig wässern.

Klimagarten anlegen: Fazit.
Ein Klimagarten entsteht nicht auf einen Schlag. Oft reicht es schon, genauer hinzusehen: Was funktioniert gut, wo braucht eine Pflanze einen besseren Platz und wo lohnt es sich, die Pflanzung durch Neuanschaffungen robuster zu machen.
Und wenn der Garten sich irgendwann ein bisschen besser selbst helfen kann, bleibt am Ende hoffentlich mehr Zeit für das Wesentliche. Aperol zum Beispiel.
In welche Richtungen gehen deine Überlegungen für einen klimaresilienten Garten gerade? Schreib mir das gern in die Kommentare.
Häufige Fragen zum „Klimagarten anlegen“.
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