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Insektenfreundlicher Garten: die richtigen Blütenpflanzen für Wildbienen

Blaue Holzbiene auf Präriesalbei

Insektenfreundlicher Garten, bienenfreundlicher Garten – einen Garten mit Nahrung für insbesondere unsere bedrohten Wildbienen anzulegen, ist gar nicht schwer. In diesem Artikel zeige ich dir wichtige Pflanzenarten, von denen die meisten auch richtig attraktiv und einfach zu kultivieren sind.

Ist es nicht schön, dass wir in unseren Gärten für ein reichhaltiges Nahrungsangebot für (Wild)Bienen sorgen können? Mich machen der Anblick der Tierchen und ihr Gesumme in den Beeten richtig glücklich – insbesondere da mehr als die Hälfte der heimischen Wildbienen auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht. Und als #beebetter-Botschafterin möchte ich einen kleinen Teil dazu beitragen, für das Thema Wildbienenschutz zu sensibilisieren. [Weitere Infos zu #beebetter findest du hier.]

Warum viele Wildbienen besondere Pflanzen brauchen.

Honigbienen sind nicht sehr wählerisch in Hinblick auf Futterpflanzen, so sie denn Blütenpollen und Nektar liefern. Bei den Wildbienen sieht es anders aus: Von den rund 600 in Deutschland lebenden Wildbienenarten gibt es rund 400, die verschiedene Nahrungsquellen annehmen können (man nennt sie polylektisch). Es gibt aber auch rund 200, die auf eine Pflanzenfamilie, -gattung oder -art spezialisiert sind (die oligolektischen). Einige von diesen Pflanzen im Garten anzusiedeln, ist daher aktive Wildbienen-Überlebenshilfe.

Es ist übrigens ziemlich egal, ob du einen wilden Naturgarten oder einen akkurat durchgestylten Staudengarten hast: Der Stil deines Gartens tut nichts zur Sache, es müssen bloß die richtigen Pflanzen darin wachsen. Als Faustregel gilt: Heimische Wildformen mit ungefüllten Blüten sind besser als züchterisch stark veränderte Pflanzen, damit sie a) noch Nahrung liefern und b) die kleinen Wildbienen noch an den Pollen kommen. Achte überdies auf möglichst große Gruppen pro Pflanze, da eine Biene zum Sattbekommen die unersättlichen Larven sehr viele Blüten besuchen muss.

Insektenfreundlicher Garten/bienenfreundlicher Garten: Ideal ist die Duftnessel Agastache
Attraktives Staudenbeet mit u.a. Duftnessel Agastache und Astern

Blumenwiesen oder Blumenrasen sind natürlich nützlicher als der klassische englische Rasen. Insbesondere Löwenzahn und Weißklee stehen auf dem Siegertreppchen der Wildbienenweiden! Und Pestizide haben haben in einem insekten- und menschenfreundlichen Garten selbstverständlich nichts zu suchen.

Blumenwiese
Bietet viel Blütenpollen und Nektar: Blumenwiese mit Klee, Kornblumen und Schafgarbe

Mein Tipp: Mit der Anlage eines üppigen Kräutergartens ergänzt um eine Umrandung mit Pflanzen wie Wegwarte, Natternkopf, Habichtskraut, Löwenzahn und Klee sowie einem Rankgerüst für Efeu und Staudenwicke hast du schon viel erreicht.

So werden deine Wildbienen satt: die richtigen Blütenpflanzen und ein langer Blühzeitraum.

Natürlich kann die folgende Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben, sie sollte dir aber Ideen für wertvolle Pollenspender geben.

Die Auflistungen der Pflanzen erfolgt nach Pflanzenfamilien-Ranking anhand der Anzahl an auf sie spezialisierten Wildbienen. Sie sind jeweils nach Blühzeit von Frühling bis Herbst sortiert. Wähle möglichst für jede Jahreszeit einige aus, um sowohl frühe als auch späte Trachten anzubieten.

Top 1: Korbblütler – sie haben die größte Fangemeinde

  • Löwenzahn
  • Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare)
  • Flockenblumen, insbesondere Wiesenflockenblume (Centaurea jacea) und Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa)
  • Färberkamille (Anthemis tinctoria)
  • Wegwarte (Cichorium intybus)
  • Habichtskraut (Hieracium), ganz besonders wertvoll für einige Spezialisten
  • Schafgarbe (Achillea)
  • Margerite (Leucanthemum)
  • Kamille (Matricaria)
  • Rainfarn (Tanacetum vulgare)
  • Astern
Orangerotes Habichtskraut, Hiracium aurantiacum, eine perfekte einheimische Staude für den Insekten Garten
Orangerotes Habichtskraut Hiracium aurantiacum

Top 2: Schmetterlingsblütler – schwer angesagt bei vielen Spezialisten

  • Frühlingsplatterbsen (Lathyrus vernus)
  • Klee: insbesondere Hornklee (Lotus corniculatus), Weißklee (Trifolium repens)
  • Staudenwicke (Lathyrus latifolius)
Insektenfreundlicher Garten: Wildbienen lieben Frühlingsplatterbsen
Frühlingsplatterbse Lathyrus vernus

Top 3: Glockenblumengewächse – schön und wertvoll

Alle Glockenblumen sind wertvoll und sogar 13 Wildbienenarten sind auf sie spezialisiert. Besonders empfehlenswert: Campanula rotundifolia.

Pfirsichblättrige Glockenblume Campanula persicifolia: perfekt für den Bienen Garten
Pfirsichblättrige Glockenblume Campanula persicifolia

Top 4: Doldenblütler – die Flieger-Landeplätze

  • Wilde Möhre
  • Sterndolde (Astrantia)
  • Dill
  • Fenchel
  • Liebstöckel
  • Engelwurz (Angelika)
  • Mannstreu (Eryngium)
Bronzefenchel
Bronzefenchel

Top 5: Kreuzblütler – Blütchen an Blütchen

  • Steinkraut (Alyssum)
  • Blaukissen (Aubrieta)
  • Goldlack (Erysimim)
  • Silberblatt (Lunaria)
  • Nachtviole (Hesperis)
  • Hirtentäschelkraut (Capsella)
  • Zur Blüte gebrachter Kohl, Radieschen, Rettich und Rauke gehören ebenfalls dazu
Nachtviolen Hesperis matronalis versprühen Bauerngartencharme
Nachtviole Hesperis matronalis

Top 6: Lippenblütler – viele leckere Pflanzen sind unter ihnen, auch für uns Menschen

  • Nesseln wie Taubnessel (Lamium) und Duftnesseln (Agastache)
  • Alle Salbeiarten, auch Muskatellersalbei
  • Alle Thymianarten
  • Lavendel
  • Katzenminze (Nepeta)
  • Günsel (Ajuga)
  • Gundelrebe
  • Majoran
  • Oregano
  • Bergbohnenkraut
  • Minze
  • Melisse
  • Basilikum
  • Ysop
  • Ziest (Stachys recta und byzantina)
Hummeln laben sich am Lavendel im Garten für Insekten
Lavendel Lavendula angustifolia

Noch mehr für den insektenfreundlichen Garten: weitere wertvolle Pflanzen aus anderen Pflanzenfamilien.

  • Kardengewächse wie Skabiosen (Scabiosa) und Witwenblume (Knautia)
  • Blutweiderich (Lythrum salicaria)
  • Natternkopf (Echium vulgare)
  • Gilbweiderich, auch Goldfelberich genannt (Lysimachia punctata)
Insektenfreundlicher Garten: Gilbweiderich, auch Goldfelberich genannt (Lysimachia punctata): wichtige Wildbienenpflanze
Gilbweiderich Lysimachia punctata
  • Efeu (Hedera helix)
  • Sal- oder Kätzchenweide (Salix caprea), als normaler Baum oder kleinbleibende Hängekätzchenweide
  • Zierlauche (Allium), insbesondere Kugellauch (Allium sphaerocephalon)
Bienen Kugelköpfiger Lauch Allium sphaerocephalon
Kugellauch Allium sphaerocephalon

Im nächsten Beitrag kümmere ich mich dann um die wichtigen Aspekte jenseits der Nahrung. Denn Wildbienen benötigen Nahrung, Nistplatz und Baumaterial dafür in unmittelbarer Nähe. 

Wenn du Fragen oder Anmerkungen hast: Ich freue mich immer, wenn du deine Erfahrungen per Kommentar teilst!

Alle Copyrights berlingarten, außer Frühlingsplatterbse: Pixabay, Hans Braxmeier

10 Kommentare

  1. Hallo Xenia,

    mit großem Interesse habe ich gerade deinen Beitrag und die Kommentare gelesen. Deine Liste finde ich klasse, einige Pflanzen habe ich schon bei mir im Garten, andere sollen noch folgen.
    Beim suchen bin ich eigentlich gerade wegen der Wiesenraute auf deiner Seite gelandet, allerdings suche ich nach Saatgut, hast du da vielleicht einen Tipp?

    Die Blühpflanzen im Garten sind auf jeden Fall wichtig, schön wäre es allerdings auch, wenn jeder der noch ein kleines Plätzen übrig hat, Brennessel stehen hätte. Für etliche Raupen sind sie wichtig, ohne Raupenfutter keine Schmetterlinge.

    Und was das Mähen angeht kann ich Brigitte Lecher nur zustimmen, denn auch bei mir hier wird zuviel gemäht. Gerade hatten sich wunderschöne Disteln eingefunden, die niemanden störten, schwupps, sind sie auch schon wieder verschwunden. Dabei flatterten Schmetterlinge, Marienkäfer und alles andere munter drum herum, wie kann man das wieder zerstören, ich verstehe es nicht.

    Nun freue ich mich aber schon auf den Frühling und wünsche dir ein wunderschönes Gartenjahr 2023,
    liebe Grüße
    Gabi

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Gabi,

      es gibt einige Spezialversender mit selteneren Saaten. Bei mir war es so, dass ich die Akeleiblättrige Wiesenraute anfänglich als Jungpflanze erstanden habe und dann zur Samenreife gelangen. Dadurch stromert sie durch die angrenzenden Beete umher.
      Was ich weiß, ist, dass sie eine Kaltkeimerin ist, also einen Kältereiz benötigt. Im Gegensatz zu den anderen Arten ist sie bei uns heimisch, falls du Wert darauf legst.

      Besuch mich doch nächsten Sommer mal, dann kannst du dir Saatgut mitnehmen.

      Beste Grüße
      Xenia

  2. Hallo Xenia,
    wie schön, dass auch mal jemand sagt, dass man auch in einem ehre formalen Garten etwas Passendes pflanzen kann. Nicht nur für die Wildbienen – die gerade in aller Munde sind – sondern für alle Insekten. In deinen Pflanzenlisten sollte eigentlich jeder für den eigenen Garten fündig werden. Vieles davon ist sogar in Töpfen auf dem Balkon schön und nützlich. Auch wenn dann keine großen Flächen möglich sind, jedes Bisschen zählt.
    Viele Grüße
    Claudia

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Claudia,

      es freut mich, dass dir die Aussage zu den Gartenstilen positiv aufgefallen ist. Es braucht ja gar nicht dieses Aufteilen der Welt in schwarz und weiß, wozu man oft neigt. ;-)

      In diesem Sinne: Hab ein schönes, entspanntes und glückliches neues Gartenjahr
      Xenia

  3. Es ist gut, seinen Garten und die Pflanzen darin immer wieder einmal genauer zu betrachten. Es ist zwar nicht immer ganz einfach, auch auf kleiner Fläche den Insekten entsprechende Nahrung anzubieten, aber besser wenig, als nichts.
    Viele Grüße und einen guten Start in das neue Gartenjahr wünscht Dir
    Margit

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Margit,

      ein frohes und gesundes neues Jahr auch für dich!
      Ich denke auch, dass jedes Bisschen wertvoll ist und viele kleine Gärten dann auch wieder eine große Fläche ausmachen.

      Sei herzlich gegrüßt
      Xenia

  4. Julia P. sagt

    Guten Abend,
    ich freue mich sehr über den Bericht und die Pflanzenauswahl auf deinem Blog. Es kann nie genug Unterstützung zum Erhalt der heimischen Fauna und Flora geben.
    Ich hätte noch zwei Anmerkungen:
    1) Sinnvoll ist es, darauf hinzuweisen, dass Wildbienen in unmittelbarer Nähe (Radius: 100 – 200 m) Nahrung, Nistplatz und Baumaterial benötigen. Erst wenn diese drei Dinge gegeben sind, entsteht ein Lebensraum für Wildbienen.
    2) Die Lupine (Lupinus polyphyllus) gilt als invasiver Neophyt und als solcher ist sie eine Gefahr für nährstoffarme Flächen, diese wiederum sind besonders artenreich und daher für Wildbienen besonders wertvoll. Die Ausbreitung der Lupine führt zu großen Problemen in Naturschutzgebieten und Biosphärenreservaten wie z.B. der Rhön. (siehe: https://www.lpv-rhoen.de/projekte/bekaempfung-neobiota/lupine.html) Aus diesem Grund würde ich sie in der Pflanzenliste nicht aufführen.
    Viele Grüße und danke für deinen tollen Gartenblog, den ich seit Jahren regelmäßig lese. Dank dir stehen z.B. mehrere Exemplare der Schönaster in meinem Garten.
    Julia

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Julia,

      dafür schätze ich die Möglichkeit der Kommentare sehr. Der Hinweis zum engen Radius ist sehr wichtig. Ich wollte ihn im nächsten Artikel beleuchten, werde die Info aber auch schon hier einfügen.

      Zur Lupine hab ich auch nochmal recherchiert und werde sie tatsächlich streichen. So ähnlich wie beim Schmetterlingsflieder kann sie problematisch werden.

      Danke für deinen wertvollen Kommentar und alles Liebe und Gute für das neue Gartenjahr!
      Xenia

  5. Brigitte lecher sagt

    Guten Tag nach Berlin, vielen Dank für die hervorragende Liste. Etliche Pflanzen wachsen bei mir schon seit Jahren im Garten. Und, ich habe sehr viele Insekten im garten. Ich finde allerdings, dass wir die falschen Empfänger für diese Art mails sind. Man sollte sich mal die Mühe machen, die Entscheidungsträger in den Komunen etc. anzusprechen. Ich bekomme x-mal im Jahr eine Krise, wenn ich sehe wie oft die Komunen mähen. Ganze Grünstreifen mit blühenden Wildblumen werden regenmäßig im Mai und Juni gemäht. Ohne Rücksicht auf stattgefundene Versamung. Vielleicht sollten Sie dieser mail eine hinterher senden, in der die Empfänger gebeten werden, diese nachricht an entsprechende Entscheidungsträger in Komunen weiter zu senden. Wenn jeder Empfänger in seiner Komune einen bzw. eine Ansprechpartnerin herausfindet, wäre schon etwas erreicht. Nichts für ungut ! Viele Grüße Brigitte Lecher

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Brigitte,

      vielen Dank für deinen leidenschaftlichen Kommentar und wie schön, dass es bei dir im Garten so viele Bienenweiden gibt!
      Du beziehst dich auf die E-Mail zur Information über diesen Artikel: Es könnte gut sein, dass andere noch nicht so weit sind mit der Pflanzenauswahl nach Insektengesichtspunkten. Gern nehme ich aber deinen Kommentar als Anregung, in der nächsten Mail auf die Veränderungen in unserem öffentlichen Grün hinzuweisen. Du hast ja völlig Recht: Wir können sicher noch viel mehr bewegen.

      In Berlin beobachte ich vermehrt, dass nur noch einmal im Sommer gemäht wird. Vielleicht hat das mit der “Arm-aber-sexy-Situation” der Stadt zu tun, die sich sowieso nicht mehr leisten kann. Das wäre dann immerhin mal ein Vorteil klammer Kassen und Missmanagements. ;-)

      Hab einen guten Rutsch!
      Xenia

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