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Das Interview: Sylvia über Blumenzwiebeln und standortgerechtes Gärtnern

Sylvia Knittel

In meiner Serie über interessante Menschen mit grünem Daumen stelle ich dir heute Sylvia Knittel vor, die uns mit ihren vielen Professionen rund ums Gärtnern Inspiration für den Umgang mit Pflanzen gibt.

Liebe Sylvia, stell dich doch bitte kurz vor.

Ich bin Sylvia, schon reife 57 Jahre alt, lebe in Stuttgart und gärtnere eigentlich schon immer, allerdings zwischendurch mit Pausen. Und ich bin gern draußen in der Natur, weil es mich einfach total inspiriert und runterbringt nach anstrengenden Tagen.

Also du gärtnerst, reist, fotografierst, bloggst, jetzt bist du auch Autorin – wie können wir uns einen typischen Tag in deinem Leben vorstellen beziehungsweise wie kriegst du das alles unter einen Hut?

Einen typischen Tag in meinem Leben gibt es heute eigentlich nicht mehr. Das gab es früher mal in einer geregelten Bürotätigkeit. Ich arbeite immer noch viel am Schreibtisch mit Organisieren, Schreiben, Bildbearbeitung und Bloggen, aber es gibt auch Tage, an denen ich voll zum Fotografieren unterwegs bin.

Und reisen muss natürlich auch drin sein, weil mich Gegenden reizen, die landschaftlich interessant sind. Ich reise auch in Deutschland und da vor allem in Gärten und in die Natur.

Portrait Sylvia Knittel

Jetzt ist auch noch der campus botanicus dazugekommen. Was hat es denn damit auf sich?

Den campus botanicus haben wir 2020 gegründet, mitten im ersten Corona-Lockdown, weil wir festgestellt haben, dass es gar keine Live-Vorträge mehr gibt zu Gartenthemen, und dann haben wir gesagt, dann verlagern wir das ins Digitale. Ehrlich gesagt hatte ich mir das eigentlich schon immer gewünscht, denn wenn man viel zu tun hat, kann man nicht noch ein paar Stunden zu einem interessanten Vortrag fahren.

Wir machen Gartenwissen online verfügbar, bieten Live-Vorträge und Kurse mit ganz spannenden Referenten, also auch mit den Topleuten der Gartenbranche, und das macht unheimlich viel Spaß. Das Feedback ist so was von motivierend.

Und als ob das nicht alles schon genug wäre, gibt es jetzt ein sehr schönes Buch, das gerade von dir und deiner Kollegin Ina Timm herausgekommen ist. Es geht um Blumenzwiebeln, daher erzähl doch mal, wie es zu dieser Idee gekommen ist.

Weil Blumenzwiebeln meine Leidenschaft sind. Ich finde die total faszinierend: Man sieht sie die meiste Zeit des Jahres nicht und dann entfalten sie zu den unglaublichsten Zeiten ein Wahnsinnsfarbspektakel.

Ich hab im letzten Jahr für Ina Timm ein Gartengestaltungsbuch fotografiert, weil sie mich gern als Fotografin haben wollte, und wir haben dann festgestellt, dass wir beide Blumenzwiebeln lieben.

In unserem Buch Robuste Traumbeete gestalten: Wie Sie mit Blumenzwiebeln Ihre Beete für das Klima wandeln* zeigen wir nicht nur die Blumenzwiebeln, sondern wie ein Garten oder ein Beet über das ganze Jahr gut aussehen kann.

Zierlauch 'Purple Sensation'

Überzeugend an dem Buch finde ich, dass ihr einfache Regeln an die Hand gebt, vor allem darauf zu achten, wie die Blumen am Naturstandort wachsen. Ist das auch dein wichtigster Tipp für uns?

Die wichtigste Botschaft ist: Wenn du deine Blumenzwiebeln an den Ort und mit den Bedingungen setzt, die sie von Natur aus auch schon gewöhnt sind, dann werden sie was in deinem Garten. Vom Naturstandort kann man sich auch abgucken, mit welchen anderen Pflanzen sie zusammen wachsen.

Spannen wir den Bogen zum Klimawandel, den ihr im Titel des Buches nennt. Ist es so, dass es gerade die Blumenzwiebeln sind, die häufig an ihren Naturstandorten damit klarkommen müssen, dass die Sommer wahnsinnig trocken sind?

Für die meisten ist es schon so: Sie können heiße Sommer ertragen, weil sie da als Zwiebel in der Erde ruhen. Dafür blühen sie dann im Frühjahr und entfalten dort ihr Spektakel. Deswegen ist es auch so wichtig, die richtigen Pflanzen an den richtigen Standort und unter den richtigen Bedingungen zu setzen. Sie haben ja nur dieses Vierteljahr, in dem sie mit Laub oberhalb des Bodens sind, um die Nährstoffe einzusammeln, die sie für das nächste Jahr für die Blüte brauchen.

Wir stellen auch sommerblühende Zwiebelblumen vor. Aber auch die sind lange verschwunden und tauchen halt zu dem Zeitpunkt, den sie brauchen, wieder auf.

Ich werde häufig gefragt, welche Tulpen sind wirklich langlebig? Welche Tulpen könntest du mit gutem Gewissen als die Tulpen schlechthin nennen, die auch wirklich nach Jahren noch blühen?

Da gibt es eine Antwort, die wird nicht allen gefallen, und die heißt die Apeldoorn-Sorten. Sie haben nur ein geringes Farbspektrum. Es gibt sie in rot, gelb und orange und das war es eigentlich. Man sieht sie in vielen Gärten und ich sage Oma-Tulpen dazu. Die sind vor 40/50 Jahren gepflanzt worden und blühen noch immer jedes Jahr ganz treu. Aber das sind natürlich nicht die schönen Geflammten oder sonst irgendwelche besonderen Formen.

Und dann gibt es auch noch eine sehr robuste Art mit schönen Sorten: Fosteriana-Tulpen.

Dann wollen wir dich gern auch als Gartenfreundin kennenlernen. Was hat denn die Leidenschaft für Garten, Pflanzen und Natur bei dir geweckt?

Das waren meine Eltern und meine Oma. Meine Oma kannte wirklich jedes Kräutchen und jede Pflanze auf der Wiese und da habe ich wahnsinnig viel gelernt. Mit meinen Eltern waren wir oft wandern am Wochenende und mir wurde unheimlich viel vermittelt.

Welcher Garten-Typ bist du: rosa oder gelb?

Blau. Also rosa ist mir zu süßlich und gelb ist mir zu knallig. Blau ist so harmonisch.

Unkraut oder Wildkraut?

Wildkraut.

Gartenhandschuhe oder Erde unter den Fingernägeln?

Hängt davon ab, aber meistens Gartenhandschuh.

Entspannt oder immer auf Trab?

Ich glaube immer auf Trab.

Gibt es Tätigkeiten im Garten, mit denen man dich jagen kann?

Rasenmähen.

Hast du denn einen Rasen?

Nein.

Okay, gleich konsequent. Und auf der anderen Seite: Gibt es Gartenbeschäftigungen, die du am liebsten den ganzen Tag lang tun würdest?

Blümchen streicheln.

Was machst du?

Die Blümchen streicheln. Das ist für mich Wertschätzung. Ich erfreue mich an dem, was die Natur uns bietet. Ich pflanze natürlich auch gerne ein und um, so die normalen Gärtnertätigkeiten. Aber für mich ist es schon ein wichtiger Punkt, mich mit der Pflanze zu beschäftigen, mich innerlich davor niederzuknien und sie einfach zu bewundern.

Sprichst du auch mit deinen Pflanzen?

Ja klar, natürlich.

Hast du das Gefühl, du kriegst dadurch etwas zurück?

Schon, man kann das auch grünen Daumen nennen, jedenfalls ist bei mir immer munteres Wachstum.

Was ist deine Inspirationsquelle in Gartendingen?

Auch wieder die Natur. Also ich guck eigentlich gerne draußen wie etwas wächst – zum Beispiel, wie wachsen eigentlich Wiesen? Es ist für mich was ganz Tolles und Inspirationsquelle, auch unterschiedliche Standorte zu sehen.

Wiese Geranium pratense

Und dann denkst du: Ach, das sieht schön zusammen aus in der Kombination, das versuche ich in meinem Garten umzusetzen?

Ja, das kommt vor. Also zum Beispiel habe ich vor einem Jahr noch für das Buch fotografiert, da brauchten wir eine Buschwindröschenfläche. Eines Tages fuhr ich an einem Wald vorbei und sah alles weiß leuchten. Da hielt ich sofort an. Und dann stellte ich fest, dass in dieser Wiese aus Buschwindröschen Salomonssiegel Polygonatum und die Einbeere Paris quadrifolia herauswuchsen. Man wäre selber nie auf diese Pflanzidee gekommen – obwohl sie naheliegend ist – aber das war einfach perfekt und eine tolle Inspiration.

Welche drei Pflanzen und Gartenutensilien würdest du in einen einsamen Garten mitnehmen?

Meinen Polet Spaten*, den ich immer brauche, um Dinge herauszuheben und wieder einzupflanzen. Eigentlich habe ich gar nicht so viel Gartenutensilien – noch ein Schäufelchen und das war es eigentlich.

Und welche sind deine liebsten Gartenpflanzen? Welche wirst du aus deinem jetzigen Garten mitnehmen, wenn du bald umziehst?

Die Wiesenraute Thalictrum und die Silberkerze Cimicifuga, das sind meine Lieblingsstauden. Und natürlich viele, viele andere Schönheiten!

Dann schauen wir uns doch die Blumenzwiebeln an: Welche würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen bzw. in einen einsamen Garten?

Elfenkrokusse würde ich unbedingt mitnehmen.

Blumenzwiebeln Elfenkrokus

Dann liebe ich Forellenlilien Erythronium, zauberhafte Pflänzchen.

Ist die Forellenlilie anspruchsvoll?

Nein, also man muss nur bei der Pflanzung aufpassen, weil die ganz schnell in den Boden müssen. Die Zwiebeln sehen so aus wie kleine krumme Zähne und die trocknen schnell aus. Am Anfang können sie ein bisschen zögerlich sein, aber die wachsenden dann zu kleinen, schönen Beständen zusammen. Es gibt ja die einheimische Art, die dens-canis, die ist ganz klein, hat braun-grün gefleckte Blätter und ganz herzallerliebste rosa Hängeblütchen. Ja, und dann gibt es weiße Sorten und die großen, die gelbe ‘Pagoda’ zum Beispiel.

Und deine dritte Zwiebelblumen-Empfehlung?

Dann nehmen wir mal eine Riesin, Türkenbundlilie Lilium martagon. Diese Lilie wirkt stattlich und dennoch sehr natürlich.

Hast du zum Abschluss noch einen generellen Gartentipp für uns?

Mein Gartentipp heißt: Guck dir deinen Boden an. Zum Beispiel: Wo läuft das Wasser schnell ab, wo bleibt es stehen? Wie tiefgründig ist der Boden, wieviel Humusanteil hat er? Schau dir das ganz genau an und dann such die Pflanzen danach aus und es wird auch funktionieren.

Ganz herzlichen Dank für dieses inspirierende Interview, liebe Sylvia, und alles Gute für deine zahlreichen Aktivitäten!

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