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Kleingärten Oeynhausen: bis zu acht Stockwerke

„Darf es noch etwas mehr sein?“, so fragt nicht nur die Dame an der Wursttheke.  So geht es anscheinend auch bei den Entscheidungen rund um die Bebauung des ehemaligen Kleingartenareals Oeynhausen in Berlin-Wilmersdorf zu.

Auf einer Informationsveranstaltung unter dem Realsatire-Titel ‚Transparente Kommunikation für Oeynhausen‘ wurde heute nach sechs Monaten „Stillschweigen“ von Slapstickern aller Parteien der Bezirksverordnetenversammlung sowie dem Hauptdarsteller des Investors Groth-Gruppe mitgeteilt, wie sie denn nun aussehen sollen, die Häuserkomplexe auf dem geräumten Areal. Der guten Ordnung halber sei angemerkt, dass auch zwei Statisten auf dem Podium Platz genommen hatten: Siegfried Schlosser, der dort eigentlich nichts zu suchen hatte, da er erklärtermaßen immer gegen eine Bebauung war, und der Vorsitzende des Bezirksverbandes der Kleingärtner.

Ich mache es kurz und nicht so spannend: Die meisten der Häuser im Nordbereich werden sechsgeschossig ausfallen, „nur an manchen Stellen“ durch ein siebtes Stockwerk erweitert, der südliche Teil wird Richtung übrig gebliebener Gärten überwiegend achtgeschossig bebaut. Na da haben „die von uns gewählten Volksvertreter“, wie der Akteur der Groth-Gruppe sie so erheiternd nannte, ja ganze Verhandlungsarbeit geleistet.  Und der Investor natürlich auch: Es war Herr Doktor Heise, seit Jahren unglaubwürdig verkleidet im Grünen-Kostüm, der ganz ausdrücklich die exzellente Arbeit des Baustadtrats Schulte und des Investors lobte und für diese Comedy-Leistung die verdienten Lacher erntete. Die Moderatorin erfasste die Situation mit der Bemerkung: „Lachen ist gesund.“

Und wie steht es um die Rettung der verbliebenen Gärten? Groth-Rambo Henrik Thomsen haute raus, dass „eine weitere Eskalation nicht nötig“ sei, da sich „die Zusammenarbeit seit Januar als vernünftig herausgestellt“ habe, dies sei ein „Vertrauensbeweis an den Bezirk“. Nur falls bis zum 30. Juni 2018 kein Baurecht geschaffen sei, müsse man eskalieren und von der Rücktrittsmöglichkeit Gebrauch machen. Hui, was für Sätze.

Mehrfach fiel wieder das Wort Kompromiss, das alle so schön auswendig gelernt haben, das ich hier aber gern mal aus dem Skript streichen würde. Denn ein Kompromiss sieht vor, dass sich beide Seiten aufeinander zubewegen und jeder Abstriche macht. Hier gewinnt aber Sylvester Stallone auf ganzer Strecke: Er darf zwar nur die Hälfte der Fläche bebauen (man könnte angesichts der niedrigeren Erschließungskosten auch sagen: er muss nicht das Ganze), aber statt 64.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche darf er stolze 90.000 hinklotzen.  Da muss man schon mal auf ein achtes Stockwerk ausweichen. Wie soll denn der Held auch sonst seine vielen Quadratmeter unterbringen? Und er darf für seine PR-Kita noch weitere zehn Gärten räumen und muss die nicht etwa in den Wohnblocks unterbringen. Gut für den Investor, dass Herr Schulte da jedes Verständnis zeigt (Kom-pro-mi-his!!). Schlecht für die Allgemeinheit, dass der Stadtrat neben Rambo so durchsetzungskräftig wirkt wie Fritz Wepper als Harry, der schon mal den Wagen holen darf.

10 Kommentare

  1. frank reinhardt sagt

    Nicht vergessen! Am 18.09.2016 können wir diese „Volksvertreter“ für ihre bürgernahe Politik belohnen……
    Die Alternative zu dem abstoßenden Trauerspiel: http://www.aktive-buerger.Berlin
    Schaut mal auf deren Seite!
    LG Frank

    • Berlingärtnerin sagt

      Hallo Frank,

      danke für deinen Link! Ja, das sieht nach einer besseren Wahl für Charlottenburg-Wilmersdorf aus.

      Das werde ich gern unterstützen.

      Beste Grüße!

  2. Da bleibt nur, kräftig wachsende Schlingpflanzen an den Bauten hochwachsen zu lassen, auf dass sie bald nicht mehr aus ihren Fenstern blicken können und vom Grün überwuchert die Flucht ergreifen müssen. Falls es diese agressive Gattung Pflanze noch nicht gibt, müsste man schnellstens eine Züchtung in Erwägung ziehen. Ihr tut mir wirklich leid …. LG Marion

    • Berlingärtnerin sagt

      Auch eine schöne Idee. Fast so schön wie noch intakte Grünflächen 😉

      Danke für deine Rückmelsung, liebe Marion!

  3. …dann habt ihr wohl achtgeschossige Gartenhäuschen, liebe Xenia?
    bei diesem Theater kann man sogar den Humor verlieren…es ist ein Trauerspiel…ich weiß gar nicht, was ich dir hier noch wünschen soll…jedenfalls Durchhaltevermögen, so lange du magst,

    liebe Grüße
    Birgitt

    • Berlingärtnerin sagt

      Hey, Birgitt,

      wenn’s nicht so traurig und ärgerlich wäre, wär das die Idee des Monats 🙂

      Ich rüste mein Häuschen um sieben Geschosse auf und glotze als olle Laubenpieperin den Bewohnern der Luxusappartements ins Zimmer.

  4. Was soll man dazu noch sagen?
    Ich bin über einen Link in Facebook https://www.youtube.com/watch?v=u8NPJvVt6BE auf eine kluge Zusammenfassung der Berliner Biografie des Baulöwen Groth gestoßen, in dem die Verquickung zwischen Berliner Politik und des Wohnungsbau-Investors bei der Vergabe von Bauvorhaben beschrieben wird.
    Es hat sich offenbar nichts geändert in Berlin…1976 bin ich nach Berlin gekommen, und erinnere mich noch an die Garski-Affäre, die immerhin dazu führte, dass der SPD-Senat letztendlich an ihr scheiterte. Inzwischen gibt es offenbar andere Methoden der Zusammenarbeit, die immer undurchsichtiger werden.
    Die ‚vernünftige Zusammenarbeit‘ zwischen Senat und Groth-Gruppe funktioniert wunderbar. Eine kritische Kontrolle Rechnungshof??) gibt es offenbar nicht, oder sie hat keinen Einfluss. Deinen Vergleich eines Berliner Baustadtrates mit „Harry-Hol-Mal-den Wagen'“finde ich trifft’s sehr gut 😉
    Mich überfällt eher Resignation, wenn ich mich näher mit den Hintergründen beschäftige, zumal diese Problematik der Verquickung von Politik und Bau weltweit so funktioniert…wat willste da als popliger Bürger gegen anstinken? Die Städte und Gemeinden leben doch von Immobiliengeschäften, von vielen Neubauten. Da werden Senats- und Bezirkspolitiker Korruption sicher nicht anprangern, denn das bringt alles Geld. „Manus manum lavat“
    LG Sisah

    • Berlingärtnerin sagt

      Danke dir für den Link, Sisah. Ja, das ist ein einziges Schmierentheater.

  5. Nicole Klauß sagt

    Muss man dann davon ausgehen, dass die 8 Geschosse Teile der übrig gebliebenen Kleingärten sind.

    Oh Mann!!!

    • Berlingärtnerin sagt

      Die 8-Geschosser stehen dann auf dem bereits geräumten Areal. Da gucken wir dann hoch. Hab schon bei dem Gedanken Genickstarre.

      Und der Investor sagte noch so, man habe sich an den Bauhöhen der Umgebung orientiert. Tzz.

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