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Verjüngung im Beet oder warum ich meine Pflanzen beneide

Neu aufgepflanzt

Jetzt ist Zeit, deine Stauden und Gräser zu teilen und sie damit zu verjüngen. Ein seufzender und ein klein bisschen neidischer Artikel.

Verjüngung? Was für ein magisches Wort. Und während ich mir seufzend die teure Crème auf die Augenpartie schmiere und weiß: „Die Industrie zockt mich hier doch nur ab“, kann ich an anderer Stelle richtig was bewegen. Ich muss nur so krass vorgehen, wie der Schönheitschirurg von Michael Jackson seinerzeit.

Oder ist alles irgendwie aus der Form geraten? Dann helfen keine ausgeklügelten Diäten – hol das schwere Gerät aus dem Schuppen.

Was deine Beete jetzt brauchen, ist ein ebenso kritischer Blick wie morgens in den Spiegel. Und während wir mit uns milde sein sollten, heißt es im Garten: kein Mitleid. Warum auch? Beherztes Zurückschneiden mancher Gehölze und das Ausgraben und Teilen von zu groß gewordenen oder überalterten Stauden wirkt wahre Wunder! Who wants to live forever? Meine Pflanzungen bestimmt. Jedoch geht das nur mit Fleiß und Schweiß von Gärtner und Gärtnerin, aber es geht! Und das Schöne ist ja: Hält Bewegung nicht jung und elastisch? 😉

Bei mir heuer zur Frischzellenkur: Rosen, Phlox und Lampenputzergras.

Ich habe mich jetzt an die Apfelrose Rosa rugosa gemacht. Sie wurde drei Jahre lang nur oberflächlich geschnitten und stand nun als knorrige alte Lady vor mir. Da hilft kein langes Lamentieren, sondern nur ein beherzter Rückschnitt auf höchstens Kniehöhe. Über einem nach außen zeigenden Auge nehme ich alles ab, dünge, gieße und freue mich, dass mir bald ein Jungspund entgegenspringt. Das mache ich übrigens auch regelmäßig mit großen Parkrosen so – ich setze sie nach der Blüte bis auf die Veredelungsstelle zurück, dann treiben sie neu aus und passen wieder in meinen 350 qm Garten, blühen wie verrückt und sind vital wie eh und je.*

Die Phloxe und Lampenputzergräser Pennisetum sahen wie ein älterer Herr auf dem Hinterkopf aus: in der Mitte kahl, am Rande klägliches Sprießen. Und was bei der menschlichen Spezies ein neuer Fall für den sonntäglichen Tatort wäre, ist bei den Stauden das Mittel der Wahl: ausgraben, spalten – wenn’s sein muss mit der Axt, meist reichen aber Grabegabel oder Spaten -, neu einsetzen. Die ausgelaugten Stücke kommen auf den Kompost, die noch guten überzähligen an anderer Stelle in den Garten. Eine Art von Conditioner für Pflanzen sind zum Abschluss die Hornmehlgabe, zartes Andrücken und ein safter Wasserstrahl. Dass direkt nach der (Ross-)Kur das Gelände etwas ramponiert aussieht (insbesondere wenn sich dort das Laub der Winterlinge breit gemacht hat): Sei’s drum – wer schön sein will, muss leiden. Nach zwei Wochen ist alles top in shape, versprochen.

Zum Neidischwerden: Keine teuren Tiegel, kein zweiwöchentliches Ansatzfärben, nur konsequentes Zurücknehmen brauchen unsere Pflanzen und gewinnen ewige Jugend. Und da sage noch einer, der Mensch sei die Krone der Schöpfung.

 

* Eine Ergänzung zum Zeitpunkt des Rosenschnitts, da ich auf Facebook danach gefragt wurde: Man unterscheidet bei Rosen in einmalblühende und die so genannten remontierenden (sie blühen immer wieder im Jahr). Zu den einmalblühenden gehören zum Beispiel die historischen Zentifolien, die Alba- oder Damaszenerrosen. Wenn du diese radikal verjüngen willst, weil sie zu sparrig geworden sind, dann mach das nach der Blüte, sonst würdest du alle im letzten Jahr angesetzten Knospen entfernen und keine Blüte genießen können. Schneidest du sie im Juni, wenn sie fertig ist, hat sie dann noch genügend Zeit, für das nächste Jahr neue Blütentriebe anzusetzen. Remontierende Rosen kannst du jetzt schneiden.

Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken.

 

14 Kommentare

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  2. Liebe Xenia,
    ein Genuss, den Pflanzen so eine Frischzellenkur zu verpassen. Das Schöne daran ist, dass Pflanzen oder Gras sofort jung und frisch aussehen, kaum sind sie geteilt oder von den Altlasten befreit. Habe heuer auch schon kräftig für Verjüngung gesorgt, nur der Phlox fehlt mir noch. Beim Chinaschilf verfolge ich eher eine gegenteilige Strategie, der ist mir fast ein wenig zu vital. Selbst wenn ihm ein bisschen die Luft ausgehen sollte, bleibt noch immer reichlich davon übrig. Eventuell sogar zuviel…
    Liebe Grüße
    Dani

    • Berlingärtnerin sagt

      Ich habe mich von den Chinaschilf-Exemplaren verabschiedet bzw. verabschieden lassen. Sie waren einfach zu gewaltig. Kommt irgendwann das Riesengrundstück, denke ich vielleicht anders 🙂

  3. Liebe Gärtnerin aus der Hauptstadt,

    bin ich hier auf Instagram!? Die Bilder sind wirklich traumhaft schön geworden. Ich finde es faszinierend, wie du Botanik und Ästhetik auf diese Weise verbinden kannst. Das gibt dem Gärtnern einen angenehmen und modernen Touch. Top, weiter so!

    Beste Grüße,
    Andreas Berger

  4. Daniela sagt

    Haha, habe gerade von Deinem geerbten Goldfelberich gelesen. 🙂 Habe innerhalb von 3 Jahren den geerbten Goldfelberichbestand in meinem Garten (lass mich lügen) verzehnfacht. Das Zeug ist ja ein dankbares Gewächs und blüht bei mir auch im Vollschatten. Meinen Vater habe ich auch mit einem Stück beglückt…der wird sich umgucken… 😉
    Verjüngt habe ich auch eine Menge, muss man aber in der Laune für sein. Ist nicht eine meiner liebsten Aufgaben. Astilben lassen sich toll teilen…ich liebe Astilben! Leider haben sie beim Frost etwas gelitten. Helenium und Dreimasterblume hab ich auch schon dieses Frühjahr massakriert. Nachdem ich vom Riesenchinaschilf ein 20x20cm Stück mit der AXT aus der Erde kloppen musste, bin ich erstmal bedient. Das reicht erstmal für ’ne Weile. 😉
    Ich sehe neidvoll auf Deine Alliumknospen…meiner mag nicht so recht.

    Liebe Grüße
    Daniela

    • Berlingärtnerin sagt

      Chinaschilf, wenn der Gartengemahl das Wort nur hört, tut ihm schon der Rücken weh 😉
      Du musst Opa unbedingt warnen mit dem Felberich. Ich fluche meist ganz schön, das Zeug aus den Wurzeln der anderen Stauden rauszupulen. Hätte ich ein klar abgeteiltes Beet, das sich selbst überlassen wachsen kann, zum Beispiel ein Inselbeet im Rasen, könnte ich mir die Kombi aus Chinaschilf, Goldfelberich, Dreimasterblume und Staudenknöterich wunderbar vorstellen.

      Die Allium müssen auch dann und wann raus und von den Tochterzwiebeln befreit werden. Solange die Babies noch klein und niedlich sind, geht’s ja, aber wenn da fette Teenager dranhängen, sehe ich zu, dass die Mamis wieder selbstbestimmt leben können 🙂

      Liebe Grüße!

      • Daniela sagt

        Das ist eine tolle Idee für ein Inselbeet, grins, werde ich mir merken!
        Ja, hier war schon einiges an komischen Pflanzen im Garten, aber man war ja froh, dass überhaupt was gewachsen ist außer wilder Wiese.
        Hab meinen Vater etwas von „breitet sich aus und wächst überall“ erzählt, das muss erstmal reichen.

  5. Liebe Xenia,
    den Phlox teilen, danke für die Erinnerung. Das hatte ich letztes Jahr schon verpasst. Dafür werde ich es am Wochenende gleich ausprobieren. Bin gespannt, was ich aus drei Töpfen herausbekomme.
    Liebe Grüße nach Berlin und bis bald
    Eva

    • Berlingärtnerin sagt

      Du wirst hübsche Geschenke für liebe Freunde haben 🙂

      Ich freu mich auf euch am nächsten Wochenende!

    • Berlingärtnerin sagt

      Dein Facebook-Kommentar: „Fettpölsterchen? Einfach abstechen“ war der Knaller, Margit!!

  6. Guten Morgen Xenia!
    Von der Seite hab ich noch niiie betrachtet 🙂 🙂
    Pflanzen sind wirklich beneidenswerte Geschöpfe 🙂
    GlG
    Sabine

    • Berlingärtnerin sagt

      O ja. Ich sag immer, so viel Vitalität wie mein von der Vorgärtnerin geerbter Goldfelberich hätte ich auch gern 😉

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