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Interview Christel: So klappt es mit dem Rittersporn

Rittersporn gehört in den Frühsommergarten

Probleme mit Rittersporn? Hat sie nicht. „Rittersporn muss man einfach selbst aussähen, dann sind die wüchsig und schön“, Kleingärtnerin Christel weiß, wie es geht, und verrät uns ihre Tricks.

Manche Menschen haben einen grünen Daumen. Christel hat überdies einen knackeblauen. Ihre Rittersporne in der Berliner Kleingartenanlage Friedrichshall sind wahre Sehenswürdigkeiten. Spaziergänger bleiben stehen und erfreuen sich an den mächtigen Kerls am Eingang des Gemüsegartens. Viele Jahre habe auch ich die blauen Prachtstauden Delphinium still bewundert und mich immer wieder ein wenig neidisch gefragt, wieso sie dort ungestüm wachsen und bei mir nur kümmerlich bleiben – und das, obwohl ich bei Foerster Stauden in Potsdam die berühmten Züchtungen des Staudenpapstes als kräftige und entsprechend kostspielige Containerware erstanden hatte.

Rittersporn-Gärtnerin Christel

Rittersporn-Gärtnerin Christel

Inzwischen habe ich die Gärtnerin dahinter kennenlernen und interviewen dürfen. Christel Geier ist nämlich die Grand Dame des Wilmersdorfer Kampfes um den Erhalt von Grünflächen. „Nur ein bisschen“ oder „man müsste mal“ gibt es bei ihr nicht. Ob für Gärten und jetzt auch für Flüchtlinge: Christel geht hin, macht, hilft. Die quirlige wie streitbare Aktivistin wird im September sogar zur Wahl antreten: für die gerade gegründete Wählergemeinschaft Aktive Bürger für Charlottenburg-Wilmersdorf. Sie hat die Schnauze voll von bürgerferner Politik. Capeau, Christel, ich bin sicher, eure Chancen stehen bestens. Aber zurück zum Rittersporn.

Christel, warum hast du Glück mit Ritterspornen, ich aber nicht?

Mit Glück hat das überhaupt gar nichts zu tun. Sondern vor allem mit der Heimatverbundenheit der Rittersporne. Die mögen nämlich gern dort wachsen, wo ihre Kinderstube stand. Das Zauberwort lautet also „selbst aussäen“. Die Chancen auf Erfolg sind dann deutlich größer als bei dir mit der Pflanzung von woanders vorgezogenen Stauden.

Wie genau gehst du bei deiner Anzucht von Ritterspornen vor?

Also Du nimmst die grünen Schoten von den verblühten Pflanzen ab und trocknest sie auf einem Tablett. Wenn sich die vergilbten Schoten öffnen, fallen schwarze Samen heraus. Ende Juli streue ich sie in Saatschalen, bedecke sie mit wenig Erde, da sie Lichtkeimer sind, und warte, bis die Keimlinge ihre vierten Blätter bekommen.

In der Zwischenzeit ist Herbst und ein Nutzbeet abgeerntet und frei, da setze ich dann die Pflänzchen in den Boden. Das mache ich so, denn wenn ich sie schon an Ort und Stelle aussäen würde, könnte es sein, dass ich im Frühjahr denke: „Das ist Unkraut“, und sie versehentlich vernichte.

Und wie geht es dann im nächsten Jahr weiter?

Im Frühjahr glaubt man kaum, dass die kleinen Zöglinge kommen. Doch sie kommen! Auch wenn der Winter hart war.

Rittersporn ist nicht sehr langlebig. Da, wo alte Pflanzen nicht mehr so wollen und eine Lücke lassen, da setze ich die neuen ein – oder woanders, wenn ich Platz habe. Oder ich verschenke sie. Mittlerweile hat meine ganze Nachbarschaft welche.

Du hast ganz verschiedene Blautöne im Beet, aber die dunklen machen den Großteil aus. Kannst du steuern, wie deine Zöglinge aussehen werden? Nimmst du primär Samen von den hellen Exemplaren?

Es ist immer spannend zu sehen, wie die Rittersporne wohl aussehen werden. Gern hätte ich viele hellblaue, aber die dunklen dominieren selbst als Nachkommen der hellen Pflanzen. Es waren auch schon mal rosa dabei, aber die sind inzwischen verschwunden. Es gehört bei dieser Art von natürlicher Vermehrung dazu, dass der Einfluss auf die Farben begrenzt ist.

Weißt du noch, welche Ausgangspflanzen du hattest? Elatior-Sorten werden es nicht sein, die sind deutlich größer, vielleicht Belladonna- oder wohl doch eher die Pacific-Hybriden, die als einfach, aber kurzlebig gelten?

Die Sortennamen meiner Stauden kenne ich nicht. Vor vielen Jahren habe ich auch mal Schoten von irgendwoher bekommen. Und seitdem sind sie hier bei mir und pflanzen sich entsprechend von mir gesteuert fort. Sicher kann man es auch anders machen – vielleicht, wenn man sich gar nicht kümmert, weder putzt noch säubert, dann fallen die Samen alleine auf die Erde und, o Wunder, auch da kommen kleine Pflänzchen. Aber dafür bin ich wohl zu ordentlich – leider.

Ich glaube, du bist nur einfach sehr aktiv, liebe Christel. Danke für deine Tipps in Sachen Rittersporne. Ich werde es auch genau so versuchen. Und viel Glück für dich und Aktive Bürger bei der Wahl im September.

 

 

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16 Kommentare

  1. Liebe Xenia, ich habe deinen Post gerade erst gelesen, vielen Dank dafür !!!
    Jetzt ist doch tatsächlich schon fast ein Jahr vorbei…
    Und ??? Haben die Tipps „gefruchtet“ ???
    Herzliche Grüße , helga, auch Rittersporn-verliebt

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Helga,

      ich habe ein paar von Christels „Babys“ gut über den Winter gebracht und sie wachsen, ohne den Schnecken zum Opfer gefallen zu sein. Allerdings sind sie deutlich weniger stattlich als die, die bei Christel einfach so ausfallen und da wachsen können, wo sie aufgelaufen sind.

      Beste Grüße, ich mach ein Bild, wenn die Blüte kommt.

  2. Bei uns wachsen die Rittersporne auch in Hülle und Fülle. Wie ist denn Euer Boden, Xenia? Rittersporne kommen meines Wissens nicht gut mit lehmigem Boden zurecht, sondern lieben richtig schön durchlässigen Sandboden (mit Kompost fruchtbar gemacht, klar).

    • Berlingärtnerin sagt

      Dann müsste es bei uns klappen. Wir gärtnern auf Sandboden und betreiben natürlich fleißig Kompostwirtschaft. Wenn Christel Samen übrig hat, werde ich einen Versuch starten. Fragt sich nur noch: wohin? Aber wahrscheinlich verabschiedet sich was anderes, dann erledigt sich die Frage von selbst.

  3. Ich mag sie auch, diese Himmelsstürmer!! Habe ein ganzes Beet voll mit geteilten Ritterspornen. Die kommen zuverlässig jedes Jahr wieder und, ja, mit Schnecken habe ich keine Probleme……dank Igel, Hühner und Co. 🙂
    Liebe Grüße

    • Berlingärtnerin sagt

      Wie schön! Das heißt, auch bei dir funktioniert es gut, wenn die Nachzucht auf der eigenen Scholle erfolgt. Ich glaube, mein Nie-wieder-Rittersporn werde ich wirklich überdenken.

  4. Das nenne ich mal nachhaltiges Gärtnern! Meine Mamma machte das auch immer so, und hatte auch immer den irisierenden blauen Rittersporn im Garten. Der ist anscheinend bei der Weitergabe seiner Farbe dominant. Ich fand ihn aber schon damals großartig, wie jetzt auch die Exemplare bei deiner Rittersporn-Gärtnerin. Aber die meisten ihrer Sämlinge , die ich damals in meinen Garten mitbrachte, wurden Opfer der Schnecken…. oder wie du beschreibst nicht sehr langlebig. Wie du erwähnst…ist halt Rittersporn nicht gleich Rittersporn, sondern abhängig von der Züchtung. Es soll aber auch neben den leicht zu generativ zu vermehrenden Pacific-Hybriden auch generativ vermehrte Sorten geben, die ausdauernder sind als die Samensorten ( fünf -zehn Jahre schreibt Köhlein), z.B. Sorten der „Cultorum Gruppe“ wie ‚Gletscherwasser‘ oder ‚Tropennacht‘. Ich werde Rittersporn irgendwann mal wieder in den Garten aufnehmen, vor allem, nachdem ich solche schönen Bilder sehe. Leider müssen dann auch die Bodenbedingungen passen….und die Staude braucht einen Kümmerer.
    Deine Idee Interviews zu führen, verfolgst du hoffentlich weiter, in Oeynhausen gibt es sicher noch mehr solcher engagierten GärtnerInnen.
    LG Sisah

    • Berlingärtnerin sagt

      Wie sagte die Chefgärtnerin im Foerster-Garten zum Thema Schnecken und Rittersporn? Schneckenkorn verwenden. Und zwar ausdrücklich nicht Ferramol, sondern das klassische. Davon vergehen die Nacktschnecken sofort und schlagen sich nicht wie bei Ferramol erst noch den Magen voll.

      Wer’s ethisch verantworten kann…

      • Ja…es gibt zunehmend Kontrollfreaks in allen Bereichen, denen jedes Mittel recht ist. Aber mir eben nicht…Metaldehyd kommt nicht in meinen Garten…nur um meine Hosta lochfrei präsentieren zu können. Manchen GärtnerInnen ist ihr Gestaltungskonzept so wichtig, dass die Bedeutung von giftigen Kampfmitteln legitim erscheint, damit der Garten perfekt präsentiert werden kann. Sie scheinen von Nahrungsketten noch nie etwas gehört zu haben. Und Verzicht auf bestimmte schneckenempindliche Stauden wird nie in Erwägung gezogen…mein Haus, mein Auto…mein Garten…
        LG
        Sisah

  5. Vielen lieben Dank für die ausführliche „Anleitung“ 😉 Diese satten Farben sind einfach traumhaft schön! Ganz ganz liebe Grüße
    Kama

    • Berlingärtnerin sagt

      Aber gern, ich hoffe, nächstes Jahr Fotos der eigenen Rittersporne zeigen zu können und dann in die Samenverteilung an alle lieben Kommentatorinnen einzusteigen 🙂

    • Berlingärtnerin sagt

      Ich hoffe, dass auf das Sommermärchen am 18. September ein Herbstmärchen für Dich und Deine Aktiven Bürger wahr wird.

  6. Holger Jost sagt

    Kein Wunder, dass sich auch der Rittersporn bei dieser Christel so wohl fühlt…

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