Monate: September 2015

Knöterich und Gräser

Pflücke den Tag, genieße den Garten

Carpe diem. Zwei berühmte Worte. Oft gehört. Fast schon inflationär. Daher selten wirklich in mich einsickern lassen. Den Tag pflücken. Eigentlich ein schöner Gedanke. Den Tag wirklich er-leben. Besonders jetzt im Herbst, da jeder Tag ein wenig kürzer wird, bewusst genießen. Pflücke den Tag, gehe sorgsam mit ihm um. Lass ihn nicht verwelken. Du hast es in der Hand. Pflücke den Tag, sei im Hier und Jetzt, sei eins mit der Natur. Pflücke den Tag, pflanze die Zukunft. Hoffe auf ein Morgen und Übermorgen. Pflücke den Tag. Danke heute den Menschen, denen du so viel zu verdanken hast. In Bezug auf meinen Garten sind das all jene, die für den Erhalt der bedrohten Kleingärten Oeynhausen kämpfen, zu dem auch berlingarten gehört. Das sind stellvertretend Alban, Martina und Holger, Hildegard und Gerd, Nadia und Sigi. Ohne sie und so viele andere großartige Menschen hätte ich diesen Tag nicht so eins mit allem, was da wächst, in meinem Garten verbringen können. Nicht das goldene Herbstlicht genossen, nicht mit dem Kind die Kartoffeln aus der Erde geholt, nicht …

Gelb und weinrot

Licht im Dunkel – den Herbst genießen

Herbst: Die Tage werden kürzer, die Zeit im Garten ist limitiert. Lamentieren? Jammern? Besser: was tun. Pflanzen! Genießen wir jeden Moment so intensiv es nur geht. Und schon ist wieder Herbst. Mein Garten sieht mich nur noch am Wochenende. Denn wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, ist es quasi dunkel. Es wird auch empfindlich kalt. Taschentuch-Produzent müsste man jetzt sein. Dann wäre man fein raus und das Herz würde hüpfen vor lauter Umsatzsprüngen. Ich bin aber keiner. Ich lamentiere, ich jaule, ich schreibe melancholische Blog-Texte. Aber willst du das lesen? Zusätzlich zum realen Herbst auch noch virtuelle Tristesse? Also Schluss damit. Um dem Blues zu entgehen, habe ich mir neue Beete oder zumindest Ausbesserungen in bestehenden Pflanzungen verordnet. Denn Blumen-Shopping macht beste Laune, Bewegung bringt Schwung. Die gesamten Wochenenden werde ich jetzt draußen verbringen. Jede Gartenminute bewusst genießen. Dann fallen auch wieder positive Beiträge ab. Gelbe Stauden mit blauen Partnern. Das erste Projekt war jetzt das Verändern der Nachbarschaft im gelben Sonnenblumenbeet. Das war nämlich eine merkwürdige Mixtur aus gelben Neuzugängen, um …

Spätsommerblumen in roter Kunst

Serie Vasen: Sonnenblumen-Strauß

Vasen und Blumen: eine besondere Beziehung. Die Investition in schöne Gefäße lohnt sich. Denn sie edeln die einfachsten Blüten. Ja, das geht, man kann großzügig und geizig zugleich sein. Ich auf jeden Fall. Großzügig, wenn ich in einem Porzellanladen oder Keramikstudio stehe und meine Gier nach einer neuen Jagdtrophäe schnell und unbürokratisch befriedige. Geizig, wenn ich mit der Schere in der Hand vor den Rosen oder der Staudenrabatte stehe und Stiele für die Vase schneiden soll. Das Ergebnis dieser beiden Wesenszüge sind Vasen wie diese: groß, handgearbeitet, formschön und so gestaltet, dass gerade wenige Blüten in ihr optimal zur Wirkung kommen. Begeistert hat mich vor allem der „Teller“ auf der Oberseite, auf dem große flache Blüten wie Staudensonnenblumen wunderhübsch aufliegen können. Selbst eine einzelne Blüte wird zum Hingucker. Erstanden habe ich die Vase vor ein paar Jahren bei einem Kurzurlaub in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wurde vom Keramikkünstler Jörg Mücket gefertigt, der im tiefsten Meck-Pomm auf dem Lande nach einem 600 Jahre alten chinesischen Verfahren Gefäße im „Lang Yao“-Rot töpfert. Absolut faszinierend. Das Rot dieser Stücke ist …

Staudengarten

Rosen- und Staudengarten der Königlichen Gärtnerlehranstalt

Üppig, farbig, pflegeleicht und dazu noch ganz besonders – so wünschen wir uns unsere Gärten. Im Staudengarten der ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt habe ich entsprechende Konzepte gefunden. Nachahmung empfohlen. Als ich an einem schönen Spätsommertag durch das Tor im Zaun der Königlichen Gartenakademie gehe, eröffnet sich mir in den direkt dahinter liegenden Schaugärten eine ganz eigene Welt. Es ist wie das Hinaustreten aus der quirligen Realität (im Café der Königlichen Gartenakademie ist immer mächtig was los) in eine in sich abgeschlossene florale Traumwelt. Hier sind im Auftrag der TU Berlin von Gartenarchitekt Hartmut Teske der Rosen- und der Staudengarten der 1903 errichteten ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt zu neuem Leben erweckt worden, nachdem sie Versuchsflächen weichen mussten, teilweise sogar überbaut wurden. Zwei Jahre lang wurde gebaut und im letzten Jahr eröffnet. Der Rosengarten. Beim Betrachten des Rosengartens fühle ich mich wie im Frankreich des Barock. Ein Springbrunnen in der Mitte, vier von Rosen gesäumte Rasenflächen. Es sind alles historische Sorten, die hier gepflanzt wurden, viele remontieren, sodass auch jetzt noch einige blühen. Es ist außerordentlich hübsch, wie die …

Goldrute üppig

Goldrute im Garten – absichtlich

Goldrute kann toll sein. Knackig gelb, unverwüstlich, ein Insektenmagnet. Wenn man die richtige, vor allem nicht wuchernde Sorte hat. Im berlingarten wächst sie jetzt: Solidago rugosa ‚Fireworks‘. Angeregt durch den Beitrag, in dem ich die gemeine, wuchernde Goldrute Solidago kanadiensis in der Vase hatte, habe ich mich näher mit der Staude als Gartenbereicherung befasst. Und stell dir vor: Ich habe Nägel mit Köpfen gemacht und mir Solidago rugosa ‚Fireworks‘ gekauft. Das soll ja eine überzeugende, da robuste, langblühende und bienenbeliebte Staude sein. Die übrigens gar nicht massig, sondern trotz aller Üppigkeit grazil und wie ein zauberhaft gelber Blütenrispen-Vorhang daherkommt. Sie steht nun mit Rudbeckia fulgida var. sullivantii ‚Goldsturm‘ zusammen. Ich bin gespannt, was ich euch nächstes Jahr an Erfahrungen mit dieser „Gemeinschaft in gelb“ berichten kann. Jetzt habe ich ihr zu Füßen jedenfalls erst einmal das Schild „Absicht“ aufgestellt. Man weiß ja nie – der Berlingärtner ist darauf gedrillt, alles auszurupfen, was nach Goldrute aussieht. Was sagst du zu meinem Experiment? (Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken.)

Wasser bestimmt das Bild

BUGA 2015: Das sind die Trends

Die BUGA-Gärtner machen es vor: Gärtnern mit unverwüstlichen Pflanzen. Ihre Konzepte gehen auch im kleinen Maßstab auf. Mit Bundesgartenschauen ist es bei mir wie mit Ausstellungen: Wenn es losgeht, denke ich: „Du hast ja noch ewig Zeit.“ Und dann kommt ‚plötzlich‘ der Zeitpunkt, an dem es heißt: „Jetzt aber schnell.“ Bei Ausstellungen ist das in der Regel, wenn in der Zeitung steht, dass nur noch drei Tage geöffnet ist. Bei der BUGA in Brandenburg war es der Anruf einer Freundin, die mir erzählte, dass sie jetzt extra aus Nordrhein-Westfalen anreisen würde. Und dass sie bei mir schon im Blog geschaut habe, aber gar keinen Beitrag gefunden? Auweia. Peinlich. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Schließlich liegen die BUGA-Städte quasi direkt vor der Haustür. Über das BUGA-Konzept der fünf teilnehmenden Orte, die sich entlang der Havel ziehen, ist viel geschrieben worden, so dass ich das hier nicht weiter vertiefe. Mir geht es darum, dir vorzustellen, was ich am Standort Brandenburg an Pflanzentrends ausmachen konnte, die sich auch im normalen Garten umsetzen lassen. Nichts …

Blauregen

Interview: Tobias Gartentraum in luftiger Höhe

Urbangardening wie es schöner nicht sein könnte. Man nehme: eine Dachterrasse, riesige Kübel, Unmengen an Pflanzsubstrat, grüne Strukturpflanzen und herrlichste Blüher. Dazu kommen Schweiß, Einsatz, Kreativität – und ohne Ende Liebe und Sachverstand. Wie bei Tobias, der uns an seinem Traum in lüftiger Höhe teilhaben lässt. Tobias Garten ist so schön, dass er sich herumspricht. Und es bis in verschiedene Medien und ein tolles internationales Buchprojekt schafft. Zwei Londoner Jounalisten zeigen darin kleine Stadtgärten in New York, London, Tokio, L.A. Und: Hermsdorf. Ich werde berichten, wenn der Band im Herbst erscheint. Stell bitte dich, deinen Dachgarten und seine Entstehung kurz vor. Ich heiße Tobias, bin 47 Jahre alt, freier Journalist und Blogger, und seit 1,5 Jahren haben wir die Wohnung in Berlin Hermsdorf. Über die gesamte Länge der DG-Wohnung erstreckt sich der Dachgarten mit einer Größe von ca 80qm. Der Dachgarten war auch ausschlaggebendes Kriterium für den Kauf, dass es quasi als „Bonus“ noch eine supertolle Wohnung und eine wundervolle Lage dazu gab, war mehr als wir erhofft hatten: Direkt vor dem Haus befindet sich …

Herbst-Blues im Sommer

Es muss traurig für sie sein. Fröhlich öffnen sie ihre Knospen – und ich seufze. Mühsam schieben sie sich aus ihrer Zwiebel, durchstoßen die Erde – und ich rufe: „Halt, versteckt euch noch ein Weilchen. Jetzt doch noch nicht!“ Herbstanemonen und Herbstzeitlose. Ich bekomme den Herbst-Blues, wenn sie erscheinen und ich den Sommer noch nicht loslassen will. Jedes Jahr geht das so. Wenn die Anemonen in ihrer fast unwirklichen Schönheit über den Beeten schweben, wird mir traurig bewusst: Das Gartenjahr hat den Zenit überschritten, die Sommertage sind gezählt. Und ich schaue morgens aus dem Fenster und frage bangend: Und? Tau auf den Blättern? Sind die Autoscheiben beschlagen? Abends schnuppere ich in die Dämmerung und denke: Liegt schon was Erdiges in der Luft? So wie ich zum Frühlingsanfang den 1. März, also den frühen, den meteorologischen Start feiere, so sehr schiebe ich den 1. September jetzt beiseite. Vor dem 23. will ich „Herbst“ doch noch gar nicht denken! Wären da nur nicht diese beiden – zugegeben zauberhaften – Pflanzen, die mich immer wieder anschauen. Ich werde …