Monate: November 2014

Kapuzinerkresse

Einjährige, wollt ihr ewig leben?

Ein Dank an alle den Garten mitgestaltenden Einjährigen. Sie können es einfach nicht lassen. Berlin, 29. November 2014. Wir haben hier Kontinentalklima. Luftlinie Berlin – polnische Grenze: rund 80 km, danach kommt bald Sibirien. Aber das weiß das Wetter in diesem Jahr anscheinend nicht. Und die Pflanzen entsprechend auch nicht. Das erste Mal war es gestern morgen frostig. Ein starker Wind kam dazu. Gefühlte Temperatur -7 Grad. Wenn sie das im Radio sagen, denke ich immer, sie müssten auch dazu durchgeben, bei welcher Bekleidung. Ich in meiner Daunenjacke habe locker + 3 Grad gefühlt. Meine Einjährigen sind da ganz auf meiner Linie. Sie können einfach nicht genug kriegen. Plötzlich, im Frühjahr, waren sie (wieder) da, nun machen sie unermüdlich weiter, keinesfalls so, als wäre morgen der 1. Advent. Einjährige Pflanzen oder Annuelle sind aus gärtnerischer Sicht kurzlebige Pflanzen, die nur einen Sommer lang blühen, Samen ansetzen und anschließend absterben. Ihr Leben wird durch Trockenheit oder starken Frost beendet. Im Folgejahr gehen in aller Regel – und so Gärtner und Gärtnerin nicht zu viel jäten – …

Adventskranz Detail

Adventskranz ohne Kranz

Warum ich keinen Kranz brauche und nicht mal fünf Minuten, um meinen Adventskranz fertig zu stellen. Am längsten dauert es, die Kugeln aus dem Keller zu holen, alles andere ist flott gemacht: Auf einen wirklichen großen und prächtigen Tannenkranz verzichte ich. Er ist mir zu teuer und ich bekomme nicht so viele meiner Dekoschätze auf ihm untergebracht, wie ich gern würde. Ich verwende stets einen sehr großen Zinnteller, ein echtes Statement und Erbstück meiner Urgroßmutter. Darauf stelle ich vier hohe Kerzen. Die Betonung liegt auf „hoch“ („vier“ wäre ja auch nicht sehr originell), damit die Kerzen nie so weit runterbrennen können, dass mir das trockene Dekomaterial, das ich locker dazulege, anbrennt. Natur ist Trend. Und dann ist immer noch massig Platz für schöne Dinge, mit denen ich dekorieren kann, ohne einen Grundkurs in Floristik abgelegt zu haben und irgendetwas andrahten zu müssen. In diesem Jahr ist alles Trend, was eher nach Natur, als nach Weihnachten aussieht. Das kommt mir natürlich sehr gelegen, da ich so meinen Hortensien noch einen würdigen Auftritt verschaffen kann. Mit ihnen, …

Flora

Am Ort der Ewigkeit

Ein Spaziergang am Totensonntag über den Friedhof Wilmersdorf. Totensonntag. Ewigkeitssonntag. Letzteres Wort klingt viel schöner für mich. Nicht so abweisend und kalt. Es läd stärker zum Nach- und Gedenken und Innehalten ein. Und hat auch etwas Tröstliches. Der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag ist in den evangelischen Kirchen ein Gedenktag für die Verstorbenen. Er ist der letzte Sonntag vor dem ersten Adventssonntag und damit der letzte Sonntag des Kirchenjahres. Er kann – aufgrund der fixen Lage des vierten Adventssonntages vor dem 25. Dezember – nur auf Termine vom 20. bis zum 26. November fallen. So schreibt Wikipedia. Und ergänzend erfahre ich, dass der Totensonntag in allen deutschen Bundesländern besonders geschützt ist. Die Feiertagsgesetze aller Bundesländer außer Hamburg bestimmen den Totensonntag als Trauer- und Gedenktag oder als „stillen Tag“ oder „stillen Feiertag“, für den besondere Einschränkungen gelten; dazu gehören beispielsweise Verbote von Musikaufführungen in Gaststätten, zum Teil begrenzt auf bestimmte Stunden des Totensonntags. Ob meine quirlige Heimatstadt das weiß? Wir nutzen den Tag zu einem Spaziergang auf dem Friedhof Wilmersdorf. Hier liegen die Ahnen. Es handelt sich um …

Amarylliszwiebel

Amaryllis: anspruchslose Beauty

Gestecke mit Amaryllis funktionieren super einfach. Sind sie einmal vorgetrieben, brauchen sie nämlich kein Wasser mehr. Die arme Amaryllis (oder Hippeastrum) in ihrem Plastik-Outfit fiel mir an der Supermarktkasse ins Auge. Zu Hause hatte ich doch noch was von dem aus unserem Rasen gerupften Moos übrig. Mit ein paar Beeren könnte ich nun schnell etwas ihr Angemessenes zaubern. Also rein in den Einkaufskorb. Ich mag bereits vorgetriebene Zwiebeln, da dann mit ihnen wirklich nichts schiefgehen kann. Sie brauchen – fast – kein Wasser mehr (normales Gießen würde nur zum verstärkten Wachstum der Blätter anregen), sodass ich sie stets von der Erde befreie und später nur alle paar Tage mit Wasser beträufel. Dann bin ich nämlich frei, sie einzusetzen, hinzulegen, aufzustellen, wie ich mag. Wie hier im Bild mit Beeren und Moos (zur besseren Luftzirkulation auf Steine), aber zum Beispiel auch nur mit nackten, knorrigen Ästen. Dann sieht man auch die ja eigentlich hübsche Zwiebel gut. Meine favorisierten Gefäße sind dementsprechend hohe aus Glas. Die sorgen auch noch für den nötigen Halt, wenn die schweren Blüten …

Laub von Zierkirsche

Hat das Wert oder kann das weg?

Über Aufräum-Verbote, kuscheliges Laub, ruhig braune, aber noch volle Beete und nun wirklich mal Gärtnern für Faule. „Aufräum-Verbot“ – nein, dieses Motto rufe ich nicht für meine probepubertierende Tochter aus, sondern für all die lieben Scherenschnitt-Begeisterten. Normalerweise stehe ich ja Buchtiteln wie „Für intelligente Faule“ oder „Easy Gardening“ skeptisch gegenüber, weil sie suggerieren, dass man einen Garten anlegen kann, ohne sich später großartig um ihn kümmern zu müssen. Aber wir wissen ja, dass alles Schöne nur aus Fleiß – ich würde es nennen: Liebe und Hingabe – erwächst. Aber in diesem Fall möchte ich allen Eifrigen sagen: Gönnt euch tatsächlich ein bisschen mehr Laissez-faire, schont den Rücken und ölt die Schere schon mal für den Winterschlaf ein. Packt das herabfallende Laub nicht in die teuren Säcke, sondern verteilt es auf den Beeten. Denn obwohl wir seit Jahren in allen Gartenmagazinen und -büchern lesen können, dass es aus ökologischer und ästhetischer Sicht viel besser ist, den Garten in Schönheit sterben zu lassen, sind jetzt überall die Aufräumer am Werk. Natürlich: Alles, was krank oder völlig vermatscht …

Filz(-hut)

Für Bäume, gegen Beton: Demonstration der Bürgerinitiativen

Von der Demonstration „Berlin trägt wieder Filz“ am 14. November 2014 und dem gemeinsamen Ziel, Berlin als grüne und soziale Stadt zu erhalten. Manchmal überlege ich bei meinen Texten, ob ich sie unter „Berlin“ oder „Garten“ ablege. Hier ist jedoch ganz klar: Bei der Demonstration für den Erhalt unserer Gartenanlage Oeynhausen am letzten Freitag muss es sich um einen Berlin-Beitrag handeln. Zu groß ist das Thema geworden, zu sehr betrifft der systematische Ausverkauf von Grünflächen die ganze Stadt. Und entsprechend überwältigend war die Teilnahme von Bürgerinitiativen an der Demo vom Fehrbelliner Platz über den Sitz des Senats für Stadtentwicklung bis zur Zentrale der Investorengruppe Groth am Kurfürstendamm. Über 1.500 Menschen legten den Verkehr in der City-West stundenlang lahm. Aber warum das Ganze? Was treibt Leute wie mich auf die Straße, die ich zwar politisch interessiert, aber keinesfalls auf Krawall gebürstet bin? Es ist die Sorge um eine primär investorengesteuerte Stadtentwicklung. Es ist die Verärgerung über eine Regierung, die den Schutz von Grünflächen flötet, aber gleichzeitig keine Anstrengungen erkennen lässt, dafür politisch etwas zu bewegen. Es …

Vergänglichkeit

Vergänglichkeit – aber diese Blüten strahlen noch

Fallende Blätter, Nieselregen, im Garten ruft alles: Vergänglichkeit. Fast alles. Volkstrauertag. Die Sonntage im November sind von der Stimmung her etwas ganz Besonderes. Unvermittelt wird alles langsamer. Zeit, die Sommer- gegen die Winterjacke zu tauschen. Aber Mütze? Nein, noch nicht, es war doch gerade noch warm. Jetzt bloß nicht dem Blues verfallen, sondern rein in die Jacke und raus. Das Licht ist nicht mehr golden, der Nebel liegt grau über dem Garten. Ich erfreue mich an den letzten Rosen, bei mir immer die tapfere Bonica 82. Gelb strahlt der Winterjasmin. Obwohl ich weiß, dass er eben nicht zu den warmen Tagen gehört, tröstet allein die Farbe und lässt von Frühling träumen. Die Faszination des Lebens Die Faszination des Lebens mag trotz des Bewußtseins der Vergänglichkeit in dem Wagnis zum Du in dem Mut zum Ich in dem Übermut zur Freude in dem Sinn für Humor in der Ausgelassenheit des Lachens in der Kraft, Leid zu überstehen begründet sein Margot Bickel  

Deko mit Laub und Moos

Herbst pur: Laub- und Moos-Deko

Dekoration aus Laub, Moos, Zapfen und was einem draußen sonst noch so (r)unterkommt im November. Wunderschönes Laub überall, besonders das von den Platanen hatte es mir auf unserem letzten Spaziergang angetan. Deutlich weniger begeistert war ich dagegen von unserem Moos im Rasen, den die bessere Hälfte nun noch einmal geschoren hat. Also rausrupfen und schnell eine Herbstdeko zaubern. Damit das Laub schön zur Geltung kommt, habe ich mir eine Möglichkeit gesucht, es nicht nur platt hinzulegen, sondern hinzustellen. Dazu habe ich das kräftige Platanen- mit Eichenlaub im Wechsel auf Silberdraht regelrecht aufgefädelt. (Immer durch die Mitte pieken.) So bekommt es als Bündel genügend Stand. Einen Goldteller drunter, das Moss drauf und was sonst nett und natürlich aussieht. Eigentlich wollte ich Kürbisse in den Vordergrund rücken und zentral platzieren, dann haben mich aber die weißen Weihnachtssterne so angelacht, dass ich nicht wiederstehen konnte. Passen ja auch viel besser zur Tischdecke.  

Tulpe spontane Mutation

Ich träume von Tulpen und Narzissen

Wer im Frühling in Farben schwelgen will, muss jetzt ran und Blumenzwiebeln stecken. „Hab ich ja längst getan, du Scherzkeks.“, wirst du nun vermutlich sagen. Na dann Gratulation. Wer aber wie ich tüchtig faul sein kann und bei dem never ending Spätsommer auch noch nicht in Stimmung war, dem sei versichert: Es ist noch nicht zu spät, auf auf. Aus gesundheitlichen Gründen ist mein Programm heuer etwas schlanker ausgefallen. Normalerweise versenke ich pro Saison ungefähr 1000 Zwiebeln und Knollen, jetzt mussten rund 100 reichen. Für die viel gepriesenen Zwiebel-Körbchen oder das Versenken in Blumentöpfen habe ich wenig übrig. Warum? Das ist mir a) zu umständlich, ich hole ja auch nichts wieder raus, sondern lasse alles drin, und ich habe b) wegen der noch üppigen Vegetation im Herbst viel zu wenig Platz im Beet, um das zu verwirklichen. Und c) mussten wir zum Glück bisher auch nie unter Wühlmäusen leiden. Wir geben nur den normalen Mäusen was ab, was in manchen Jahren (in sehr strengen Wintern) auch schon zu schmerzlichen Verlusten geführt hat. Aber das nehme …

Vorderer Bereich

Impressionen von der Königlichen Gartenakademie

Samstag, 8. November: Ein Happening der Gartenbegeisterten in der KGA bei bestem Wetter und grandioser Laune aller Besucher. Und ich dachte, es heiße schon „alles muss raus“ in der Königlichen Gartenakademie in der Altensteinstraße in Dahlem. Aber keine Spur von November-Tristesse, als ich mich zur vermeintlichen Rettung der letzten traurigen Staudentöpfchen und der kleinsten noch übrig gebliebenen Zwiebelchen aufmachte. Schon auf dem Parkplatz konnte ich froh sein, dass ich den Wagen überhaupt abgestellt bekam, so voll war es. Ganz anders als im letzten Jahr, als der November seinem Image alle Ehre machte, wirkte es jetzt eher wie an einem etwas zu rotgolden geratenen frühen Oktobertag. Volle Stauden-Regale, einladende Cafétische sogar noch im Freien, selig lächelnde Besucher. Wenn du die Gartenakademie nicht kennst: Sie liegt nur ein paar hundert Meter hinter dem Botanischen Garten und befindet sich auf historischem Boden: Hier wurde im 19. Jahrhundert eine Gärtnerlehranstalt eingerichtet. Heute gibt es ausgewählte Accessoires, Stauden und Gehölze zu erwerben, die Preise sind nicht niedrig, aber meiner Meinung nach angemessen. Schaubeete zeigen, wie’s geht, ein großes Seminarangebot mit …