Garten
Kommentare 12

Ein Blick in meinen Hochsommergarten

Herbstanemone

Juli/August: Freud und Leid des Gartenjahres. Von ausgefallenen Ernten, frischem Phlox und meinem derzeitigen Lieblingskraut Bronzefenchel.

Die Pfirsiche bekommen rote Bäckchen, die ersten Physalis schmecken köstlich, der Staudenknöterich ruft aus allen Beeten: „Ich bin der Schönste!“ und hat recht damit. Aber zur ganzen Wahrheit gehören auch die nahezu aus-, da abgefallene Klarapfelernte, das Fünffingerkraut, das deutlich vitaler ist, als ich mit meinem Unkrautstecher, sowie das August-Gespenst „Blühloch“. „berlingarten. Glück auf Grün“ hat derzeit für meinen Geschmack viel zu wenige andere Farben zu bieten. Die Geduld bis zur Dahlienblüte wird auf eine harte Probe gestellt.

Auswirkungen der Wetterkapriolen.

Wir sind sehr trocken ins Jahr gestartet. Bis Ende Juni zeigten die Stauden regelrechten Kümmerwuchs. Immerhin waren die Rosen alle wunderbar gesund – kein Sternrußtau nirgends. Dann wendete sich das Blatt und Berlin wurde von allen Unwettern als Ziel entdeckt. Und wenn Weltuntergang ist, kann schließlich auch keine Himbeere überleben – der üppige Fruchtansatz verkam innerhalb weniger Tage zu schimmeliger Matsche. Immerhin klappt es jetzt großartig mit dem entspitzten Phlox, er steht zwar erst jetzt in voller Knospe, ist dafür aber kerngesund: Der rigorose Gartengemahl, der noch Ende Juni die Staude komplett auf halbe Wadenhöhe heruntergenommen hatte und sich mein Gezeter anhören musste („so spät, so tief, so trocken, der wird uns vor Mehltau eingehen“), sieht sich als Phloxflüsterer und wahrer Wetterversteher.

Phlox entspitzt

So spät dran war der Phlox noch nie wie heuer. Aber durch den Regen ist er toll geworden

Tatsache ist, dass der Phlox durch die vielen Niederschläge sehr üppig und gesund herangewachsen ist, auch die vorher so mickrigen Staudensonnenblumen geben Gas. Das tun übrigens auch die Schnecken. Deren sprichwörtliche Langsamkeit bezieht sich leider nur auf die Fortbewegung, nicht jedoch auf Fortpflanzung und Fortfressung von allem mir besonders am Herzen liegenden Grün. An den Dahlien, bei denen ich lehrbuchmäßig pro Pflanze nicht mehr als fünf Triebe hatte stehen lassen, haben sich die Schnecken jedenfalls großzügig bedient. Anscheinend war ihnen meine Aktion ein schlechtes Vorbild. Unsere Dahlienblüte verschiebt sich wohl auf Ende des Monats – ich werde berichten.

Dahlien angeknabbert

Die Dahlien habe ich auf 5 Triebe heruntergenommen, leider haben die Schnecken noch mehr dezimiert

Was steht an im Hochsommer?

In jedes Wochenende starte ich klassisch mit Rasenmähen. Der regelmäßige Schnitt ist für die Gräser und zur Bekämpfung von Unkraut enorm wichtig, außerdem liebe ich den Anblick eines kuscheligen grünen Teppichs. Dann gehe ich durch die Beete, zupfe hier, reguliere da. Die letzten Wochen standen im Zeichen des Rückschnitts von Frauenmantel, Katzenminze, Geranium. Auch die Rosen Königin von Dänemark
und Versicolor wurden nach der tollen Blüte und den Fotoshootings für die Beiträge rigoros bis auf ein paar diesjährige Triebe heruntergenommen. Das mache ich regelmäßig, sodass die Gehölze vital und kleingartenkompatibel bleiben. Die Brombeeren legen wöchentlich ganze Meter zu, ich bleibe mit der Schere dran. Ackerwinde und Fünffingerkraut sind auch nicht gerade schüchtern. Ich rolle mit den Augen und trolle mich zwischen die Stauden, in die sich die Biester direkt hineindrehen. Sogar meine Staudenknöteriche strengen sich an, anstrengend zu werden: Ich musste sogar ein Stück Buchshecke ausgraben, weil ich die dicken Knöterichwurzeln anders nicht aus den deutlich zarteren des Buchs herausbekommen hätte.

Staudenknöterich ausgegraben

Der Staudenknöterich ist so wüchsig und setzt sich mit seinen dicken Wurzeln in die der Buchshecke

Wichtiges „Werkzeug“: der Liegestuhl.

Wenn dann aber die Runde gedreht ist, kehrt die Ruhe des Hochsommers ein: Unter der noch immer blühenden Rose Nevada habe ich ein schönes Plätzchen im lichten Schatten und lasse die heißen Stunden des Tages dösend vergehen. Siesta – ein bisschen Urlaubsfeeling im Schrebergarten.

Eine Extraportion Aufmerksamkeit für Tomate, Pfirsich, Mangold.

Abends kehren die Lebensgeister zurück und es folgt der nächste Check: Die Tomaten bekommen regelmäßig Calciumdünger gegen die Blütenendfäule. Die Auberginentöpfe werden auf Schnecken unter den Töpfen inspiziert (die Fangquote ist immer hoch). Besonderes Augenmerk gilt auch den Pfirsichen: Trotz der Spätfröste und fleißiger Grünernte hängen die Früchte so üppig, dass die auch nach vier Standjahren noch dünnen Zweige abzubrechen drohen. Der Liebste stützt den am stärksten betroffenen Ast mit einer Latte ab und bindet die übrigen zusammen. Aktiv geworden ist er auch beim Mangold-Schutz. Der ist nämlich die Leibspeise unserer Spatzen-Gang. Wie im Rausch hackt die ihre Schnäbelchen in die buntstieligen Blätter. Nun schützt Spatzen-Hasendraht die letzten verbliebenen Pflanzen und der Gartengemahl hat dieses Ätschibätsch-Lächeln auf den Lippen.

Lecker im Salat: die Blüten des Bronzefenchels.

Zu Abend essen wir draußen und von der Hand in den Mund. Mein derzeitiges Lieblingskraut zum Würzen: die Blütendolden des Fenchels. Das zarte goldene Pulver verleiht ein frisch blumiges Sommeraroma, das aus einem schlichten Salat etwas Besonderes macht. Farblich gehört es zu den in den Spätsommer übergehenden Goldtönen – es blüht ja auch schon die erste Herbstanemone. Aber nein, dieses Wort hat hier noch nichts zu suchen. Genießen wir erstmal den Sommermonat August in vollen Zügen.

Alle Fotos vergrößern sich durch anklicken.

12 Kommentare

  1. Liebe Xenia,
    voller Interesse habe ich Deinen Post gelesen, und dabei mehr als einmal lachen müssen… „Ätschibätsch-Lächeln“ oder Phloxflüsterer und Wetterversteher…weiß Dein GG wie Du ihn uns zeigst…? Es macht jedenfalls sehr viel Freude hier bei Dir zu lesen!
    Ich konnte auch wieder einmal erkennen, dass heuer wohl ganz besonders, die Unterschiede in Wachstum, Erntereife und Blühzeit sehr weit auseinanderliegen…Ein interessantes Feld…
    Alles Liebe Dir und Deinem Phloxflüsterer
    Heidi

  2. Steffi sagt

    Ein schöner Rundgang durch deinen hochsommerlichen Garten. Und ein Insekten-/Wildbienenhotel habe ich auch entdeckt, sehr sympathisch! Schließlich sind die ja auch fleißige Bestäuber – sehr zum Vorteil Deiner benachbarten Tomatentöpfe.
    Die Begeisterung für den Bronzefenchel teile ich. Hatte ihn auch für zwei Sommer im Garten und war erst mal höchst erstaunt, was der für Höhen erreicht. Schließlich fiel er trotz seines fein-würzigen Aromas den Wühlmäusen zum Opfer. Grrr
    Die Tipps zur Wisenraute, also Blumenkübelerde sowie Anordnung im Beethintergrund wegen der nackten Füße, sind Gold wert!
    Dir/Euch noch eine genussvolle Ferienzeit, sonnige Grüße
    Steffi

    • Berlingärtnerin sagt

      Na da weiß ich ja, welche Samen sich Richtung Bavaria aufmachen werden. Wenn du wieder Lust auf diesen Riesen hast, liebe Steffi, schicke ich dir herzlich gern ein Tütchen zu.

      • Steffi sagt

        Liebe Xenia,
        herzlich gerne! Ich fahre dann zweigleisig: Einmal als Schmuckstaude im Beet, einmal Wühlmaus-sicher im Hochbeet mit Plattenfundament : )
        Sonnige Grüße
        Steffi

  3. Betti sagt

    Man da warst Du aber fleißig am Ausputzen liebe Xenia 😉 und von wegen „Blühloch“ , Du hast doch noch genug Farbe im Garten , die Fotos beweisen es schließlich , was soll ich den da sagen 🙁 , aber egal , Dein Beitrag ist wieder sehr interessant und zum schmunzeln geschrieben , ich danke Dir und wünsche einen schönen Sonntagabend ; schöne Grüße Betti

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Betti,

      mit meinem Garten geht es mir wie mit meinen Hasren: alle andern haben’s schöner.
      Wenn ich zum Beispiel in all die fröhlichen Ringelblumen-Gesichter in den Nachbargärten gucke, ist es mir bei mir immer viel zu grün 😉

      Aber du hast ja recht. Beste Grüße in deinen Garten, der garantiert grad wunderschön ist!

  4. Tja, liebe Xenia, in diesem merkwürdigen Sommer gibt es oft mehr Leid als Freud. Also hoffen wir mal wieder auf nächstes Jahr.
    So schön der Knöterich auch aussieht, ich hatte ihn einmal und habe ihn wieder schnellstens entfernt. Ich mag nichts, was wuchert.
    Wunderschön üppig ist Deine weiße Wiesenraute. Thalictrum soll ja von Jahr zu Jahr schöner werden. Damit lassen sich meine beiden Pflänzchen ziemlich viel Zeit. Vielleicht sollte ich mal über den Standort nachdenken.
    Ein schönes Wochenende wünscht Edith

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebe Edith,

      bei der Wiesenraute werde ich auch noch mehr Pflanzen auf einen Pulk oder Drift setzen. Und halbhohe Begleiter davor setzen. Sie sehen obenrum zwar toll aus, aber bis 80 cm Höhe sind sie mir noch zu sparrig. Ich habe meine Wiesenrauten übrigens in Blumenkübelerde gepflanzt, das hatte mir die Gärtnerin, bei der ich meine Exemplare erstanden habe, ausdrücklich empfohlen.

      Viele Grüße!

  5. Ja, in einem Garten wird es niemals langweilig! Du hast das wieder sehr schön beschrieben!
    Als Hobbygärtner hat man mit allen möglichen Widrigkeiten zu kämpfen… mal zu wenig Wasser… dann wieder zu viel… Schnecken, Raupen usw.
    Aber es macht auch immer wieder Spaß zu sehen, wie alles wächst! Deine Bilder beweisen das eindrucksvoll!
    Viele Grüße von Margit

    • Berlingärtnerin sagt

      Liebste Margit,

      man schaffe sich einen Garten an und habe nie wieder Langeweile. Und wenn ich mir manchmal auch die Haare raufe, es ist schon gut, dass der Garten als Ort von Pflanzen und Tieren seinen eigenen Kopf hat. Das hält mich demütig 😉

      Beste Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.